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Liberales Judentum · 1911-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1911) · p. Seite 140

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 140 (sequence 20)
Language
German
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140 Adolf PHUippsbsrn: Mir jungen liberalen Inden Zudenfrage bringen. Je weiter die Menschheit vorschreitet, um so mehr wird dos Rechtsbewußtsein wachsen, um so gerechter wird sie werden. Aus diesen Gründen kommen wir liberalen Juden zu einer „Ablehnung eines Nationaljudentums". Das ist nicht, wie es uns so oft vorgeworfen wird, ein negativer Teil unseres Programms, es ist eine durchaus positive Forderung. Darum müssen wir dem Zionismus entgegentreten, weil er uns in unserem Kampfe in den Rücken fällt: er bekämpft unsere religiöse Stellung, weil er religionslos ist; er ist ein Gegner unserer politischen Bestrebungen, weil er sieht, daß in dem Augenblick, wo unsere staatsbürgerliche Gleichberechtigung durchgeführt ist, ihm auch die letzte Begründung für fein Dasein schwindet. Wenn man also die Verhältnisse objektiv betrachtet, so wird man zugeben müssen, daß ein Einfluß des Zionismus auf die jüdische Jugendbewegung nicht wünschenswert, ja geradezu gefährlich ist. Denn in dem Moment, wo die irregeleitete zionistische Zugend zu der Ueberzeugung kommt — und dieser Zeitpunkt wird eintreten — daß sie einem Phantom rmchgejagt ist, muß eine Reaktion eintreten, , die die Grundvesten des Judentums erschüttern kann. Dann sind diese jungen Juden, die ohne Religion herangewachsen sind und nun ihr höchstes Zdeal vernichtet sehen, dem Judentum ganz verloren, weil ihnen jeder Halt und jede Stütze fehlen. Darum müssen wir es also ablehnen, in Vereinen mitzuarbeiten, in denen Zionisten Macht und Einfluß haben. Aber es wäre traurig um die jüdische Zugend bestellt, wenn nicht trotzdem ein Weg sich finden ließe, auf dem sie geschlossen marschieren und vereint den gemeinsamen Feind schlagen könnte. Dieser gemeinsame Feind ist zunächst der Zndifferentismus und das Renegatentum. Gegen diese traurigen Erscheinungen können Orthodoxe und Liberale, Zionisten und Antinationalisten nach einem plane vorgehen. Zn dieser Frontstellung wird die gesamte jüdische Zugend unüberwindlich sein. Aber auch in der Stellung zum Antisemitismu s, beispielsweise dem „Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband" und den judenfeindlichen Bestrebungen in der Studentenschaft gegenüber, ist die Möglichkeit gegeben, die junge Generation aller Parteien und Richtungen zusammen zu schließen. Und endlich gibt es noch manche Frage, bei deren Lösung das Trennende in den Hintergrund tritt und das gemeinsame Ziel alle Gegensätze verblassen läßt. Das muß das Streben auch des „Verbandes der jüdischen Zugendvereine Deutschlands" werden. Ts heißt Vertuschungspolitik treiben, wenn man die Augen verschließt vor den Vorgängen in den einzelnen Vereinen, nur damit diese dem Namen nach „neutral" bleiben. Zn der Richtung der gemeinsamen Znteressenvertretung liegt der Weg, auf dem die liberale jüdische Zugend mit dem Verband Hand in Hand gehen will. Den Nutzen davon hat die Gesamtheit, hat das Zudentum. Und nun möchte ich zuletzt noch ein Wort an die Kreise richten, in deren Sinne wir arbeiten. Unser jüdisch-liberaler Zugendverein ist in Kampf und Sturm geboren, aber er hat es in der kurzen Zeit seines Bestehens bewiesen, daß er es sehr gut versteht, seine Waffen zu führen. Mehr als 200 Mitglieder füllen seine Reihen, zahlreiche Freunde und Gönner hat er sich in Berlin erworben. Doch so lange wir allein stehen, sind wir nur eine schwache Zahl, die der Masse gegenüber wenig bedeutet. Wir bedürfen auch der moralischen Unterstützung durch unsere Gesinnungsgenossen in anderen jüdischen Gemeinden unseres Vaterlandes. Ueberall dort, Ivo die Zugend nach Be-

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