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Liberales Judentum · 1911-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1911) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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138 Adolf Philippsborn: Mir jungen liberalen Juden scheu Majorität geknebelt und tyrannisiert fühlten. Und daß dies Gefühl berechtigt war, das beweisen die Worte des Verbandssekretärs, der im Geschäftsbericht erklärte: „Line Anzahl von Mitgliedern trat bedauerlicherweise aus dem Berliner Zugendbund aus und begründete einen besonderen liberalen Zugendverein .... Wir wollen nicht lange forschen, wer an dieser Sezession schuld sei, vielmehr soll diese betrübende Tatsache eine Lehre, Mahnung und Warnung sein, aus der neutralen Basis zu bleiben." Dieser Herr hat sich sehr vorsichtig ausgedrückt, aber wir verstehen ihn doch. Und was für „Unstimmigkeiten im Hamburger Verein" waren das, von denen derselbe Redner sprach? traben nicht dort die Zionisten g e n a u so gehandelt wie in Berlin! ' Ich befasse mich nicht gern mit dieser ganzen Materie, aber es muß doch einmal Klarheit geschaffen werden: denn „gehst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken" und umgekehrt. Da stellt man sich in der Delegiertenversanunlung hin und hält große Reden über Neutralität, Zusammenschluß der Zugend usw., und dieselben Herren, die — das wissen wir — ans ehrlichem Herzen und in aufrichtiger Begeisterung für diese Zdeen ihre ganze Kraft einsetzen, sehen nicht, welche Gefahren ihnen und ihren: Hdeal drohen. Dder glaubt Herr Dr. Apfel, daß mit dem von mir angeführten Beschluß die Neutralität des Verbandes für die Zukunft verbürgt ist? Vom liberalen Standpunkt aus könnte ich ja diesen Beschluß begrüßen, denn er führt den Zustand herbei, den Herr Zustizrat Breslaue i*3) als wünschenswert gefordert hat, daß nämlich die einzelnen Zugendvereine von der Phrase der Neutralität abgehen und sich zu einer bestimmten Tendenz bekennen. Aber dieser Beschluß hat ein doppeltes Gesicht. Bis zu dem Zeitpunkte, 3) Lib. Judentum. Jah-rg. 3, Heft 2, S. 45 ff. wo dem Verbände auch Zugendvereine bestimmter Richtung angehören werden — denn diese Wandlung ist. mit Sicherheit zu erwarten — bis zu diesen: Zeitpunkte können nunmehr ungestört die Zionisten ihre- Wühlarbeit fortsetzen und namenloses Unheil anrichten. Der zionistische Parteisekretär will die Zugendvereine zu „Kampfplätzen" machen. Was unter diesen „Kämpfen"' zu verstehen ist, darüber und vor allem über ihre Wirkung könnte der Berliner Zugendbund Bände schreiben. Lin Bild davon geben auch die Ausführungen des Herrn Hans Goslar, der als Delegierter des Berliner Vereins den „Züdisch-liberalen Zugendverein" angriss, „weil er einen Keil in die einheitliche und zentralisierte Zugendbewegung treibe." Hierbei möchte ich zunächst einmal stehen bleiben. Zch behaupte, daß Herr Goslar an dieser Stelle' etwas nicht erwähnt hat, wovon er m. L. Kenntnis gehabt hat. Nach meiner Ueberzeugung muß er, der sich doch intensiv mit der jüdischen Zugendbewegung beschäftigt hat, die Lrklärung des Vorsitzenden der „Vereinigung für das liberale Zudentum in Deutschland" gekannt haben, die dahin ging, daß „die L r r i ch t u n g jüdischliberaler Zugendvereine bei der Begründung der Vereinigung im Mai 1908 beschlossen wurde," d. h. ein Zahr, bevor der „Verband der jüdischen Zugendvereine Deutschlands" b e g r ü n d e t w u r d e. Daraus ergibt sich, daß unsere jungo Bewegung auch nicht im geringsten gegen die „neutralen" Vereine gerichtet ist, daß wir allein in eifriger, friedliche r Arbeit an unserem Teile für ein Zudentum, wie wir es ersehnen, wirken wollen. Nun ist Herrn Goslar aber ein Lapsus linguae passiert. Lr griff nämlich die Tendenz unseres Vereins an, und das durfte er als Delegierter des „neutralen" Berliner Zugend-

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