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Liberales Judentum · 1911-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1911) · p. Seite 136

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
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136 Adolf Philippsborn: Mir jungen liberalen Inden der Lall, man könnte über diese Meinung mit einem lächeln des Mitleids für ihren Vertreter zur Tagesordnung übergehen. Aber Joseph ist ein Mann, dessen Namen unter seinen Freunden mit Achtung genannt wird, er ist der Verfasser des von zionistischer Seite anerkannten Buches „Das Judentum am Scheidewege", ist einer der geistigen Führer seiner Partei, er ist Rabbiner! Bisher war es die Aufgabe des Rabbiners, für den Fortbestand unserer Religion zu sorgen, bisher glaubte man, daß das Bekenntnis zum Lelnna, Jisroel Grundlage allen Judentums sei, und nun wird uns liberalen Juden, die wir doch „religionslos", „antijüdisch", ja sogar „antisemitisch" gesinnt sein sollen, von einem berufenen Vertreter unserer Religion gesagt — so kann man doch nur die Erklärung des Herrn Dr. Joseph interpretieren — wir bekämpfen euch, weil ihr an der jüdischen Religion festhaltet, weil ihr für die sittlichen Ideen der heiligen Schrift eintretet. Seid religionslos, leugnet das Dasein Gottes, ihr seid doch gute Juden, wenn ihr nur an die Existenz des jüdischen Volkes glaubt. Es mag scheinen, als ob ich mit diesen Ausführungen von dem Thema, das ich mir gestellt habe, abgewichen bin, aber diese kurze Betrachtung ist nötig zur Erklärung der Stellung, die der „Iüdi sch-lib erale Iugendverein Berlin", der auf einer religiösen Basis beruht, dem Zionismus gegenüber einnehmen muß. Sie gehört auch hierher, weil sonst dem Lvser, der die Sachlage nicht kennt, meine nächsten Ausführungen teilweise unverständlich bleiben. Denn der eingangs erwähnte verband, der bisher wenigstens dem äußeren Anschein nach sich noch „neutral" nennen und daher vielleicht von seinem Standpunkte aus mit einem kleinen Schein — ich sage Schein — von Berechtigung die liberale Jugendbewegung bekämpfen durfte, hat seit seiner letzten Delegiertenversammlung im März d. I. dieses Recht vollkommen verwirkt, wurde dochdort folgender, von zionistischer Seite gestellt ter Antrag angenommen: „Die Delegiertenversammlung fordert die- Verbandsvereine, in deren Statuten noch dev Passus enthalten ist, daß religiöse und politische Themata nicht diskutiert werden dürfen, auf, diesen Absatz zu streichen, da ct sich mit dem Wesen der jüdischen Jugendbewegung nicht verträgt. Die Delegiertenversammlung gibt dev Hoffnung Ausdruck, daß keinerlei Befürchtungen oder Bedenken einen verein hindern werden, sobald wie möglich diesen Beschluß in die Tat umzusetzen." Es ist also nach diesem Beschluß den einzelnen Vereinen gestattet, über Themata, die die verschiedenen Parteien im Judentum angehen, zu debattieren, welche Folgen muß nun dieser Zustand nach sich ziehen? Es ist denen, die mit den Verhältnissen vertraut sind, bekannt, daß es eine Anzahl von Iugendverein en gibt, in denen die zionistischen Elemente vorherrschen, man weiß auch, daß einige sogar von dem zionistischen Parteisekretär, also einem Beamten der zionistischen Organisation, gegründet worden sind, wer sich mit der Materie auch nur ein wenig beschäftigt hat, der kann sich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß die Zionisten dort, wo sie die Macht haben, mit all dem Fanatismus, der ihnen zu Gebote steht — und wir kennen diese Art von rücksichtsloser Begeisterung, bei der der Zweck die Mittel heiligt — mit all dem Fanatismus, der uns lebhaft an die Bekehrungswut der spanischen Inquisition erinnert, über ihr Opfer, d. h. über den jungen Mann, der sich mit den einzelnen Problemen des Judentums noch nicht beschäftigt hat, herfallen, um seine „Seele zu retten", wenn ein Redner so inr Sinne der Majorität seiner Zuhörer seinen

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