Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Khrlippsdorn: Mir jungen liberalen Juden 135 zu neuern Erwachen aus der religiösen Lethargie auf, erklärten das gleiche Recht für den liberal, wie den orthodox Denkenden, forderten den Zusammenschluß aller vom Willen zum Judentums beherrschten, eine ruhige Entwickelung der Religionssatzungen anstreb enden Glaubensgenossen. Kampf gegen Unduldsamkeit wie gegen Gleichgültigkeit steht auf ihren Fahnen. Viele Tausende haben sich dieser neuen liberalen Bewegung angeschlossen, aber Zehntausende stehen noch jenseits von gut und böse, wissen nichts von den Strömungen und Bewegungen, die heute, gewaltig wie je, die Geister aufregen. Groß ist die Zahl der Gleichgültigen, Bequemen, Kenntnis- oder Gedankenlosen. Zweifellos ist der Standpunkt der Orthodoxie berechtigt, eine unbedingt erforderliche Bremse gegen allzuraschen, ungesunden Fortschritt. Aber ebenso zweifellos ist die gegenteilige Bewegung, ein starker, frischer, zielbewußter Liberalismus, das Drängen zu einer gesunden, zeitgemäßen, die wirklichen Fortschritte der Wissenschaft und Kultur berücksichtigenden Entwickelung, der Schrei nach Modernisierung des Kultus und des Religionsunterrichts, der Ruf nach Heranziehung der Gleichgültigen, der Kampf gegen die Abtrünnigkeit und Religionsfeindseligkeit ein ebenso großes Erfordernis, ist begründet in der Geschichte unseres Volkes, in den Erfahrungen über die Gesamtentwickelung der Menschheit. wem die Existenz des Iudentumes am Kerzen liegt, wer Liebe und Willen zu seiner angestammten Religion in sich trägt, wem nicht jedes religiöse Gefühl erstarrt ist, wer geistiger Veredelung und nicht nur körperlichem Wohlbehagen nachstrebt, der muß heute zu einer der beiden Richtungen Stellung nehmen, muß wählen zwischen orthodox und liberal! Wir jungen liberalen Juden. Von Adolf Philippsborn-Berlin. n Nr. 3 dieser Monatsschrift sucht Max Alkan den Nachweis zu führen, daß der „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands", der die Parität der einzelnen Verbandsvereine zum Prinzip erhoben hat, sich damit auf einer Phrase aufgebaut hat, einer Phrase, die darum so gefährlich ist, weil sie die Aufmerksamkeit ihrer begeisterten Verfechter von dem gefährlichsten Feind der jüdischen Jugend ablenkt, der den herrlichen Bau der jüdischen Religion zu unterwühlen droht, und dieser Feind ist der Zionismus. Welche nicht zu unterschätzende Gefahr diese Bewegung für das Judentum bildet, das müssen dem, der es noch nicht gewußt hat, die Ausführungen unseres Freundes Goldmann -Oppeln über „Zionismus oder Liberalismus — Atheismus oder Religion"*) mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt haben, und wie richtig die Goldmann sche Theorie von der Entjudung des Judentums durch den Zionismus ist, davon zeugt die Erklärung des Herrn Rabbiner Dr. Joseph- Stolp/) eines woN seinen Gesinnungsgenossen begeistert umjubelten Zionisten. Was das Schwerwiegende an Josephs Ausführungen ist, das ist nicht die Tatsache, daß irgendein Zionist von untergeordneter Bedeutung der Ansicht ist, man könne sich in religiöser Einsicht zum Christentum bekennen und doch ein guter Nationaljude sein; wäre das *) Liberales Judentum, Jahrg. 3, Heft 1—5. 2) Liberales Judentum, Jahrg. 3, Heft 2, S. 47.