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Liberales Judentum · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 118

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 118 (sequence 22)
Language
German
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118 I. Slanzger: Fremdkörper im Pentateuch o o o o „Höre Israel, der Ewige unser Gott der Ewige ist einzig" stehen dagegen einzelne, ebenfalls nachträgliche Ergänzungen darstellende, Teile des Schöpfungsberichts und die ganze Paradies- Erzählung im h Buch Moses, welche babylonischen Ursprungs sind und den verderblichen Einfluß eines Glaubenssatzes der in anderen Beziehungen erhabenen babylonischpersischen Religion Zoroasters (Zarathustras) auf den Verfasser wie auf weite Kreise zu jener Zeit erkennen lassen, jener Irrlehre vom Dualismus, die dem Herrn des Lichts und des Guten (Ahuramazda oder Grmuzd), den der Finsternis und des Bösen (Angromainyu oder Ahriman), also dem Gotte den Satan gegenüberstellt, worüber Ausführliches im „Avesta", dem Gesetzbuch Zoroasters, zu lesen ist. wird auch Ln der Schöpfung von „Elohim" gesprochen, so ist es doch kein anderer als Ahuramazda, der Gott des Lichts, dem zu Ehren man an die Spitze des Berichts den Befehl „es werde Licht" stellte, obgleich doch das Licht bald darauf als durch die Erschaffung der lichtsxendenden Gestirne erzeugt erwähnt wird. Neben diesem Gott des Lichts sehen wir dann den Dämon in Gestalt der intriganten Schlange^) im Paradies tätig und mit der Verwandlung des Gottesbildes auch den Grt der Handlung verschoben. Während nämlich alle sonstigen im Pentateuch geschilderten Ereignisse sich zwischen dem Niltal und dem Jordan-Gebiet abspielen, erscheint plötzlich vor unserem Auge in vollkommen neuer Gegend ein Paradies, von dem Ströme ausgehen (\. Buch Moses, 2. Kap.), deren mittlere „Thidekel" und „prath", jetzt „Tigris" und „Euphrat" genannt, die Hauptströme Babylons waren, *) Cfr: Avesta, „Vendidad", Cap. 22. dessen Geist eben die ersten Bibel-Kapitel durchweht. Die demnach aus Babylon kommende Teufels-Idee hat bis zum heutigen Tage weder ganz aus dem mosaischen Glauben, noch seinen Tochter-Religionen ausgemerzt werden können. Selbst der Verfasser des zu jener Zeit entstandenen philosophischen Meisterwerks, des Buches Hiob, konnte der Versuchung nicht widerstehen, uns in der Einleitung des Werkes ein Zwiegespräch zwischen Gott und dem Satan vorzuführen, welches Goethes bekannter „Lust zu fabulieren" den Anreiz gab, es in erweiterter Form seinem „Faust" (als „Vorspiel im Himmel") einzuverleiben. wer wollte auch den Teufel von der Bühne verbannen? Mit dem Grundgedanken des Monotheismus ist er aber unvereinbar. Dem erhabensten antiken Bau Roms, dem Pantheon, ließ im \7. Jahrhundert papft Urban gegen alle Gesetze des Stils durch Bernini 2 Glockentürme aufsetzen. Ein viertel Jahrtausend mußte vergehen, ehe diese Türme dem guten Geschmack zum Opfer fielen; seitdem prangt der alte Tempel wieder in ursprünglicher Schönheit. Eine große Zahl ähnlicher Vorgänge bekundet das in neuerer Zeit die zivilisierte Welt durchdringende erfreuliche Streben, die von früheren Epochen ererbten Schätze von allen störenden Zutaten zu befreien und sie in ihren Urzustand zurückzuversetzen. Niemand ist so töricht, an eine Entfernung stilwidriger Teile, an eine Ausscheidung der „Fremdkörper" aus der Bibel in unserer Zeit auch nur zu denken; die Erkenntnis aber, daß neben dem vielen unendlich Kostbaren auch weniger wertvolles in den 5 Büchern Moses aufbewahrt worden ist, möge in immer weitere Kreise dringen; sie ist die Vorbedingung für eine völlig objektive Beurteilung des, Werkes.

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