Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Gedicht: An meinen Sohn, als er zum Militär kam fln meinen Sohn, als er zum Militär kam. flus feinem Tagebuche. «un schmückt das bunte Tuch die Männerbrust; Du bist Soldat. G, sei es auch mit Lust! verlier' bei strammem Dienste nicht den Mut; Denn halb so schwer wird, was man gerne tut. Du mußt als Jude doppelt Dich bestreben, Das Vorurteil der Spötter zu beheben. Die trotz so manchen Vorbilds es entdeckt, Daß kein Soldatenblut im Duden steckt. Zeig' ihnen, daß ein echter Mann Du bist, Und daß Du nie die Schuldigkeit vergißt. Sei stramm und fest! verziehe nicht die Mien'! Es geht nun mal nicht ohne Disziplin. Und gilt's im Ernst, auch dann halt' wacker Stand Dm blut'gen Ringen für das Vaterland! Ich weiß und habe selbst es oft bedacht, Dem Zuden wird's zuweilen schwer gemacht, Die Lieb' zum Vaterland, die in ihm ruht. Zu wahren als ein heil'ges, hehres Gut, wenn man bestreiten will mit frechem Munde, Daß er ein Glied auch sei vom Volkesbunde. Brutale Macht legt' in der Welten Lauf Da stets dem Schwächeren das Schwere auf. Du aber laß Dich nicht bei Seite stellen. Dir nicht die Lust am Vaterland vergällen; Und sei Dir selber gram nicht und verdrossen, wenn man Dich leugnen will als Volksgenossen, — weil Dene, die es tun, und die es dulden. Am eig'nen vaterlande sich verschulden, Dndem voll Haß sie, offen und im Stillen, So viele Geisteskraft, so vielen willen, Die für die Arbeit und das Schaffen glüh'n, Dem Volkswohl und dem volksgedeih'n entzieh'». Denn das sei nimmermehr von Dir verkannt: Es sind ja diese nicht „Dein Vaterland"; Sie sind ja doch durchaus nicht mehr als Du, Sie maßen ohne Recht sich mehr nur zu. Der traute Grt, wo Deine wiege stand, wo sich Dein erstes Wort dem Mund entwand; Der Vrt, wo Du den ersten Schritt gemacht; wo jeder Tag ein neues Wunder bracht'; wo Du der Kindheit Spiele froh getrieben. Da, wo erwacht Dein Leben und Dein Lieben; Der Drt, wo Du, von Phantasie berauscht, Auf Mutter's Schoß der Märchenpracht gelauscht: Das ist die Stätte, ist die heil'ge Scholle, Das ist die Heimat, die geheimnisvolle. Die zauberreich in ihren Kreis Dich bannt; Das ist für Ewigkeit Dein Vaterland, Das Niemand Dir, mag, wie er will, er heißen,