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Liberales Judentum · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 117

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 117 (sequence 21)
Language
German
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o o o o I. Slanzger: Fremdkörper iw Pentateuch 117 in der hellenistischen Zeit, nach der Teilung in 5 Bücher, die griechische Bezeichnung „Pentateuch" die allgemeine wurde. Wie der Inhalt des Werkes ein reicher ist, so muß auch seine Anlage eine kunstvolle genannt werden: Ein wohlerhaltenes antikes Monument, zeigt es auf einem mit künstlerisch ausgeführten Reliefs der ältesten Geschehnisse und Geschlechter geschmückten Unterbau die ehrwürdigen Gestalten der Patriarchen, hinter ihnen Moses mit den Gesetzes-Tafeln als Führer des nach dem gelobten Lande ziehenden Volkes. Es ist bekannt, daß dieser wichtigste Teil der Bibel aus der Zusammenfassung mehrerer alter Quellenschriften hervorging, deren in der Verschiedenheit der Gottesbenennung liegende Eigenart im Urtext des Pentateuch erhalten geblieben und der Ausgangspunkt der erfolgreichen Pentateuch-Forschung geworden ist. Weniger bekannt ist dagegen, daß im Gewände dieser Quellenschriften und deshalb allgemein für ebenso authentisch wie diese gehalten, Stellen in den Pentateuch Eingang -gefunden haben, welche sich bei näherer Prüfung als spätere Zusätze, also Anachronismen, als, fremden Bauwerken entlehnte und unserem Gebäude eingefügte, Steine erweisen; darunter solche, die wir trotz ihres geringeren Alters als mit dem. Gesamtstil des Baues vollkommen oder wenigstens genügend harmonierend ansehen dürfen, während wir andere als mit dem Charakter des Werkes in Widerspruch stehend erklären müssen. So wird (um die markantesten dieser Stellen zu beleuchten) kein vorurteilsfreier Bibelkenner es tadeln, daß ein Psalm als ein von „Moses und den Kindern Israel" am Schilfmeer (s. 2. Buch Moses, Kap. J5) angestimmtes Lied Verwendung gefunden. Das Lied dient aber dem fchönen Zweck, das wichtige Ereignis der Befreiung Israels zu verherrlichen, harmoniert also mit seiner Umgebung und wird daher auch an diesem Platze willkommen sein, ganz besonders allen denen, welche die zur Tradition gewordene allzustrenge Scheidung zwischen der Thora und den anderen Büchern des alten Testaments für nicht gerechtfertigt, auch für unmöglich, halten und die in der Aufnahme eines Psalms in die Bücher Moses eine "Stütze für ihre Ansicht erblicken. Einen ähnlichen Standpunkt wird man gegenüber der herrlichen Legende der Opferung Isaks (\. Buch Moses) einnehmen können, die vielleicht die letzte Ergänzung darstellt. In dem göttlichen Befehl, Ifak zu opfern, wie in seiner Rettung haben wir zweifellos die Wiedergabe der gleichen, nur veredelten, Mythe der aulidischen Iphigenie zu sehen, veredelt nenne ich die biblische Version, weil, während bei Eurixides die Eltern des Opfers und dieses selbst anfangs sich in menschlich-natürlichen Klagen ergehen und mit der Gottheit wegen ihrer Grausamkeit hadern, Abraham und Isak, wie wjr in der Bibel lesen, opferfreudig, dem Gottesbefehl gegenüber „eines Sinnes einh ergingen"^ sich also gottesfürchtiger zeigten. — Ein bedeutender Bibel - Exeget nimmt als Grund für die Einführung jener Mythe die Absicht an, eine göttliche Kundgebung gegen die im Altertum bekanntlich verbreitet ge-, wesene götzendienerische Kinder-Oxferung in die Bibel zu bringen; es liegt wohl näher, anzunehmen, daß die Heranziehung jener hegende erfolgt ist, um den beiden ältesten Erzvätern, insbesondere auch dem in der Bibel nicht reich mit Taten ausgestatteten Ifak einen Ruhmestitel zu verschaffen. Die eine wie die andere Absicht würde den Grundideen des Werkes entsprechen. In vollständigem Gegensätze zu diesen Ideen, insbesondere zur Grundlehre des Alten Testaments, dem Deuteronomischen:

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