Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 I. SLanzger: Fremdkörper im Pentateuch o o o o zu setzen, denen den Umständen nach zu einer selbständigen Gruppe die Bedingungen fehlen, um durch periodische Propaganda-Versammlungen, ähnlich denen der Ortsgruppe selbst, belehrend und ermunternd zu wirken, dazu sich ihrer besten und geeignetsten Kräfte und in Ermangelung solcher, sogenannter Wanderredner zu bedienen, die ja auch schon auf dem Nürnberger Delegiertentag in Erwägung gezogen wurden. Ist auch vorauszusehen, daß nicht in der ersten Versammlung schon große Erfolge erzielt werden und daß sich manches in den Weg stellen wird, so darf doch nicht abgelassen und gesagt werden: „Da ist jegliche Liebesmühe verloren, da ist nichts zu erreichen", vielmehr muß mit konsequenter Beharrlichkeit das Ziel weiter verfolgt werden, bis endlich von, wenn auch vorerst nur geringen Erfolgen, geredet werden kann. Ganz ausbleiben aber wird der Erfolg gewiß nicht, ist ja auch Rom nicht in einem Tage erbaut worden.?remäkörper im Pentateuch. Von 3. Blanzger-Berlin. ie Zeit nach der, um 537 v. Lhr. mit Lyrus' Erlaubnis erfolgten, Rückkehr der Israeliten aus der babylonischen Gefangenschaft in ihre Heimat darf man, wenn auch nicht in staatlicher, so doch in religiöser Beziehung die Renaissance-Epoche des Judentums und, da dieses zu jener Zeit die einzige wirklich gottesgläubige Nation war, des Monotheismus überhaupt nennen. Die Leiden der Gefangenschaft hatten einen läuternden Einfluß auf das Volk ausgeübt, die mahnenden Reden gottbegeisterter mifexiliertcr Führer fanden daher bei ihm jetzt williges Gehör; von größter Wirkung zu Gunsten seiner Umkehr war indes die Wahrnehmung, daß die Götter Babylons den Siegeszug Lyrus', den Sturz jenes Staates nicht aufzuhalten vermocht hatten. So waren denn die Heimkehrenden wieder voll des Geistes der mosaischen. Lehre, als sie unter dem Schutz der persischen Regierung an der Stelle des zerstörten Salomonischen ein neues Heiligtum, den „Zweiten Tempel", errichteten und feierlich einweihten. Als Lehre Moses (hebr. „Thora") kannte man damals wohl nur den Inhalt der um 62\ v. Lhr. aufgefundenen, den größten Teil des 4ins vorliegenden 5. Buch Moses, des Deuteronomiums, bildenden Schrift, welche in gedrängter Form die edelsten Gesetze der Humanität und Moral, darunter die Urschrift der JO Gebote (im Gegensatz zu deren Lesart im 2. Buch Moses), sowie der Hygiene und selbst des Tierschutzes enthält. Mit der Wiederbefestigung des alten Glaubens verstummte der Mund der Propheten; ihr so lange vergeblich angestrebtes Ziel war erreicht, ihre Mission erfüllt. Um aber den wieder erwachten Glaubenseifer stets rege zu erhalten, insbesondere einen Rückfall in den Götzendienst der Nachbarvölker mit seinen häßlichen Begleiterscheinungen zu verhüten, galt es nun neben dem steinernen ein ideales Heiligtum zu errichten; galt es, das Volk in den Besitz einer für alle Zeiten maßgebenden Leitschrift zu setzen, die nicht nur die gesamte (durch "die inzwischen aufgefundenen Gesetze erweiterte) Lehre, sondern auch den vollständigen Werdegang des Glaubens und sein Schicksal bis nach Moses' Hinscheiden umfassen und der eine größere Heiligkeit beigelegt werden sollte, als der übrigen religiösen Literatur- So entstand jene verbreitetste Glaubensschrift, für die man den alten Ehren-Namen „Thora" beibehielt, an dessen Stelle aber