Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3126481-3126513-3126519--0836-3127628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fsms Iaegrr: Unsere Ortsgruppen, deren Aufgaben und Pflichten 115 ren. Die Letzteren allein ins Auge fassend, möchte ich es unternehmen, einmal ein ernstes Wort über unsere Ortsgruppen zu sprechen. Und da werfe ich zunächst folgende drei Fragen aus: s Zu welchem Zwecke sind die Ortsgruppen gegründet? 2. Kennen alle Ortsgruppen ihre Ausgaben und die Wege, die sie zu gehen haben? 3. welches sind die Wittel und Wege, deren sie sich zu bedienen, die sie zu gehen haben? Zu Frage s. Die Ortsgruppen sind gegründet zum Zwecke der Verbreitung und Fortpflanzung des liberalen Gedankens, also ist ihr Zweck die Propagierung. Sehe ich das überhaupt als die praktische Ausgabe der Ortsgruppe an, so verkenne ich nicht den großen wert der theoretischen Seite, die in den gediegenen Aussätzen in der Monatsschrift zum Ausdruck kommt. Zu Frage 2. Die Monatsschrift giebt Ausschluß darüber, wie manche Ortsgruppen das richtige Verständnis für ihre Ausgaben Haben, dies durch rührige Arbeit betätigen und Erfolge erzielen. Von diesen Ortsgruppen spreche ich selbstverständlich nicht, ich suche nur diejenigen zu wecken und auszurütteln, denen das richtige Verständnis für ihre Ausgaben entweder ab geht, oder denen der Name allein genügt, der dann allerdings alsbald herabsinkt zu einem leeren Begriffe. Und nicht nur die Ortsgruppe in ihrer Geschlossenheit, jeder Einzelne hat die Pflicht, sein Können in den Dienst der Gesamtheit zu stellen. Es genügt nicht allein, seinen Jahresbeitrag prompt geleistet und damit seinen Namen in den Listen der liberalen Vereinigung eingetragen zu sehen, nein, seinen Teil nach Kräften muß ein Jeder an der Arbeit beitragen, obenan immer die Ortsgruppe! Ist es also richtig, daß die Ortsgruppe gegründet ist zum Zwecke der Verbreitung und Fortpflanzung des liberalen Gedankens, so ist damit die Frage 3 gegeben: „welches sind die Mittel und Wege, die zum Ziele führen? Zn ein bestimmtes Muster läßt sich allerdings die Beantwortung dieser Frage nicht zwängen, da mitunter j)latzverhältnisse und Umstände mitsprechen, denen die Tätigkeit der Ortsgruppe vernünftigerweise anzuxassen ist; wenn mir diesbezüglich aber als Stützpunkt ein allgemeines Ortsgruppen st a tut vorschwebt, so meine ich, daß damit ein praktischer Wegweiser für die Ortsgruppe geschaffen sei! bsier stelle ich zu Frage 3 die Unterfrage : „wo liegt das geeignetste Feld für die Wirksamkeit der Ortsgruppe? Ich antworte: „auf dem Lande". In den Städten hat der liberale Gedanke größtenteils längst schon feste wurzeln gefaßt, aber auf dem Lande, auf dem flachen Lande, da sieht es mitunter noch sehr traurig aus, da hält noch sehr viel Unwissenheit, Unbildung und starres Festhalten an dem Herkömmlichen, welcher Art auch immer es sei, viele von der Aufnahme des liberalen Gedankens ab; gleichwohl darf die Flinte nicht ins Korn geworfen werden. Das Land 'ist das geeignetste Arbeitsgebiet für die Ortsgruppe. Auf dem Lande muß versucht werden, dem liberalen Gedanken Eingang zu . verschaffen, wie das anfangen, läßt sich nicht vorschreiben, sondern muß je nach den Grtsverhältnissen, der betreffenden Ortsgruppe anheimgestellt bleiben, ich möchte mir nur gestatten, einen desfälligen Vorschlag zu machen: Die Ortsgruppe suche sich in einem begrenzten Kreise ihrer Umgebung mit der Intelligenz derjenigen Plätze in Verbindung