Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Rundschau o o o o paratoire a la Version du Talmud de Babylone par Fabbe L. A. Chiarini prof. de langues et d’antiquites orientales a Funiversite royale de Varsovie etc. Paris J. Barbezat (830, 2 Bände. — Dagegen erschien: Was bat Ljerr Thiarini in Angelegenheiten der europäischen Juden geleistet. «Line freimütige und unparteiische Beleuchtung des Werkes: Theorie (folgt vollständiger Titel) von Dr. 3. M. 3°fb Borsteher einer höheren Bürgerschule in Berlin. Berlin, 1(830, bei A. ffl. L)ayn. (06 55. — Beleuchtung der Theorie du judaisme des Abbe Thiarini. Bon Dr. Zunz Berlin (830. In der ^aude und 5penerfchen Buchhandlung. 35 5eiten. In beiden 5chriften wird die Abhängigkeit Th's. von Martin, Buxtorf, Bartolocci, Eisenmenger dargetan. Der 5chluß der Zunz'schen 5chrift, die freilich in Zunz Gesammelte 5chriften (Berlin (875 I 27(ff.) wieder abgedruckt worden ist, ist so schön und den Zwecken dieser Zeitschrift so entsprechend, daß ich sie hier folgen lasse. Er lautet: „Die jüdische Angelegenheit hat selbst bei den Organen einer feindseligen Meinung Fortschritte gemacht. Man hat gelernt, daß nicht jedes gedruckte jüdische Buch eine Autorität, nicht jede Autorität von gleichem Range und dann manche 5age veraltet ist; es wird ein Unterschied zwischen dem gegenwärtigen Brauch und dem Inhalt einzelner 5tellen bei Autoren, zwischen polnischen und anderen Juden eingeräumt; es wird eingestanden, daß Eisenmenger parteiisch und ohne Urteil war, daß die getauften Juden meist befangen und Verfolgungen ebenso zweckwidrig sind, als Bekehrungspläne. Dahingegen hat man eingesehen, daß ohne gründliches 5tudium, ohne wirkliche Kenntnis des Geistes und der Bedürfnisse der Juden nur unreife Maßregeln zustande kommen; daß den Juden gute 5chulen und Lehrer, Unterricht in der Landessprache, Anstellung tüchtiger Volkslehrer, Beschränkung der Autonomie, Aufmunterung der Fortgeschrittenen Not tue: daß die Verbesserung des Zustandes der Juden mit dem 5taatswohl innig zusammenhange, und die endliche jüdische Emanzipation das Ziel aller Bestrebungen sein müsse. Wenn den Juden ein ausdauerndes Wohlwollen entgegenkommt, so werden die guten Früchte nicht ausbleiben; wenn die weisen Maßregeln aufgeklärter Regierungen auf die Tendenzen und Bedürfnisse der Zeit gerichtet, und ungetrübt durch priesterliche Engherzigkeit, durch gleiche Gerechtigkeit alle Klassen der Untertanen mit gleichen Banden an das Vaterland fesseln, dann müssen vor dem Glanz der neuen Liebe die Excerpte aus versöhnten Rabbinen erbleichen." Rundfchau. Vereinigung für das liberale Judentum Ortsgruppe Elberfeld. Elberfeld, den 7. April (9((. Unsere Ortsgruppe hatte Herrn Rabbiner Dr. 5eligmann aus Frankfurt a. M. für einen Vortrag gewonnen, der am 2.9. März stattfand und etwa 4(50 Mitglieder der 5ynagogen-Gemeinden Elberfeld und Barmen im roten 5aale der Elberfeld er 5tadthalle vereinigte. — Während der letzten Monate hatte Herr Kurt Blumenfeld, der jDarteisekretär der zionistischen Vereinigung, wiederholt Vorträge hier gehalten. Man erwartete, daß auch Herr Dr. 5eligmann zur Frage des Zionismus 5tellung nehmen werde. — Der Redner hatte das interessante Thema: „Der religiöse Liberalismus und seine Gegner" gewählt und führte ungefähr aus: /,Ich bin nicht nach Elberfeld gekommen, um die Gegensätze, die sich zwischen Orthodoxie, Zionismus und Liberalismus gebildet haben zu verschärfen; ich hoffe vielmehr, durch das, was ich Ihnen sagen möchte, diese Gegensätze, wenn auch nicht auszugleichen, so doch zu mildern. Wir wollen uns gegenseitig verstehen lernen; und wenn wir uns erst verstehen gelernt, werden wir uns verständigen und vor allen Dingen duldenlernen. Der Weg der Verständigung kann aber nur in der Richtung liegen, daß alle jDarteien die redliche Absicht des andern nicht verdächtigen und ihm keine-falschen Motive unterschieben, daß wir alle von dem andern voraussetzen, die Erhaltung des Judentums, die 5orge für seine Zukunft sei sein Ziel. Welchen Weg wir zu diesem gemeinsamen