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Liberales Judentum · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 91

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Date
1911-04-01
Page
Seite 91 (sequence 19)
Language
German
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o o o o Brief Abraham Geigers an S. R. Hirsch 91 fallen, ihn so in seiner Blöße als unwissenden Abschreiber Eisenmengers, Buxtorfs, Raimundi, Martin u. a., dargestellt, wo erfterer nach seiner weise streng gelehrt, dieser nach seiner mehr reflektierend und in Gemeinplätzen sich nun so lustig macht, daß ihm wohl, wenn er nicht erklärt hätte, auf das Urteil der befangenen Juden hierin nichts zu geben, die Lust, den Talmud zu übersetzen, vergehen möchte. Sie werden jedoch wahrscheinlich diese werkchen, die beide unter dem Titel einer Beleuchtung auftreten, schon gesehen haben, und ich bin überzeugt, daß Sie diese Rezensionen als ein gänzliches Stillschweigen für besser halten. Und nun die ernstliche Bitte, daß Sie ja doch recht bald und recht ausführlich schreiben mögen; es ist für mich das größte vergnügen, so recht genau alles von Ihnen zu wissen und warum wollten Sie dies Ihrem albernen Freunde nicht gewähren? — Ach, wenn Sie wüßten, was ich schon gesagt hatte, ehe wir Ihren letzten Brief erhielten, wie ich zankte und nun beim erhalten desselben völlige Genugtuung erwartete und auch da getäuscht ward, zwar Ihr volles Herz und Ihre stets sich gleich bleibende Freundschaft darin fand, aber nicht das eigentliche Leben in Ihrem Wirkungskreise mir recht vorzustellen im Stande war; da nahm ich mir vor, Sie ja recht kräftig und vielfach zu ermahnen, Ihren Fehler wieder gut zu machen und ich habe es vielleicht zu viel getan. Leben Sie recht wohl, recht sehr wohl. Ihr Sie stets innigst und zärtlichst liebender Abraham Geiger. Ich merke eben bei nochmaligem Durchlesen, daß ich ungeheuer oft aus der Periode gefallen bin; das kömmt alles daher, weil ich Rhetorik höre. — Zur Erklärung des vorstehenden Briefes genügen folgende kurze Bemerkungen. Die darin erwähnten Jugendfreunde: Frensdorff, Scheyer, Ullmann, Rosenfeld sind teils in der schon erwähnten Briefsammlung 1876, besonders in den dort mitgeteilten Bemerkungen des Tagebuches S. 20—22, teils in der 1910 erschienenen Biographie charakterisiert. In beiden Werken finden sich auch kurze Notizen über die Bonner Professoren, deren Vorlesungen der junge Student hörte, aber die in unserem Briefe gegebenen Ausführungen sind viel eingehender und werden viel frischer vorgetragen, als in de« bisher bekannten Aufzeichnungen, von de» genannten Lehrern fei Nachstehendes bemerkt: Bobrick muß früh gestorben oder verschollen sein, die ausführlichen Nachschlagewerke kennen ihn nicht, die allgemeine deutsche Biographie, die für die folgenden Angabe» benutzt ist, erwähnt nur einen Geographen Hermann Bobrick, 181H—H5, der natürlich mit dem hier erwähnten nichts zu tun hat. B randis, Ehr. Aug. (1?90—1867), zuerst in Kopenhagen, dann in Berlin, seit 1823 ordentkcher Professor der Philosophie in Bonn; fein Hauptwerk ist das „Handbuch der Geschichte der griechischen und römischen Philosophie"; 3. Bde., 1833—186H.. Münchow, K. Dietrich v. (1778—1836), Mathematiker, Physiker und Astronom. Er war 1810—18 Dozent und Professor in Jena gewesen und seit jener Zeit mit Goethe in Verbindung, wurde 1818 als Professor der Mathematik, Physik und Astronomie nach Bonn berufen und gab als solcher sein Hauptwerk „Grundlehre der ebenen und sphärischen Trigonometrie" heraus. Freitag, G. w. Friedrich (1788—1861), Professor des Arabischen, in Bonn seit (819, Verfasser des ersten arabischen Lexikons in ^deutscher Sprache, Herausgeber mancher arabischen Texte und lateinischer Uebersetzungen der von ihm redigierten Werke. Rein genialer Mann, aber ungemein belesen und fleißig, ein guter Lehrer, der einzige der Bonner Professoren, dem der Student menschlich etwas näher trat. von dem privaten und öffentlichenRedner verein in Bonn, dem auch Hirsch eine zeitlang angehört hatte, handelten verschiedene Stellen in der Briefsammlung, S. 19—22, 27, HO, Biographie S. IHff. — Der /,Freiheitss chwind el" (S. 90, ^P. 2, Z. 23 v. 0.) bezieht sich natürlich auf die politische Stimmung, die infolge der französischen Julirevolution und des belgischen Rn abhängig, keitskampfes in Deutschland sich bemerkbar machte, vergl. darüber und über die politische Entwicklung Geigers überhaupt: Briefsammlung S. 2Hfg., 32, 3Hfa., Biographie S. 15 fg. - Lhiarini's Schrift führt den Titel: Theorie du judaisme appliquee ä la reforme des Israelites de tous les pays de FEurope et servant en meme temps d'ouvrage pre^

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