Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Bücherschau ferner im Sabbatmorgengebet statt des negativ lautenden welo nesato ic. motiviert. Wenn Berliner sich für seine Aenderung auf alle Siddurim beruft, so hätte er auch für eine positive Ausdrucksweise im Sabbatmorgengebet sich auf die Autorität eines sephardischen Gebetbuches berufen können. (S. Landshuth 5. 293.) Aber Berliner will ja auch 86bs1o v8ani i86bob und sebslo osani ebed und ähnliche Benediktionen überhaupt abschaffen, „und man ist der Mühe überhoben, sie in irgend einer weise zu rechtfertigen". Er appelliert ja sogar einmal (S. 55) an den „gesunden Menschenverstand", und weiter (5. 59) an die Vernunft! Sollte ein konsequenteres Verhalten B's. etwa mit Rücksicht auf Auslassungen, wie die seinerzeit gegen den badischen Gberrat von dem „Israelit" (Das neue Gebetbuch des bad. Gberrats, Sep.- Abdr., S. 2\) erhobenen oder auch die des Dr. Hoffmann über Abweichungen von der „Münze" (Sendschr. S. (3) unterblieben sein? Möglich. Es beginnt eben erst in der Neuorthodoxie zu tagen. Aber, daß es in ihr zu tagen beainnt, das zeigt sich bald wieder, wo B. (S. \7) gegen das „unverständliche Zersägen — er gebraucht sogar den Ausdruck „Herleiern" — dieser Lalmudischen Teile (im Morgengottesdienst)" Front macht und dessen Verdienstlichkeit bezweifelt. Das sind in der Neuorthodoxie ganz unerhörte Klänge. Freilich, Konsequenz vermißt man auch hier wieder. B. hätte sich sonst auch gegen bameh madlikin und gegen pitum haketores (dessen Entstehung im Jahre f589 gelegentlich einer j?est er selbst weiter S. 28 in seinem abergläubischen jedenfalls mystischen Ursprung nachweist) aussprechen müssen. Allein er tritt sogar für das Sagen des bameb madlikin weiter S. 65 besonders ein, nur möchte er eine Rückverlegung vor dem Maaribgebet. wird es dann das Volk besser verstehen und mit größerer Andacht „sagen"? von einem „eigenmächtigen Vorgehen des Redaktors für die im Siddur vorliegende Rezension (S. (7) zu reden, ferner von gewissen „Zutaten, welche allmählich sich einschlichen" (S. l9), oder von einer durch die kabbalistische Periode bewirkten „Verödung des Gottesdienstes" (S. 30), oder gar mit einem Anflug von Tadel gegen die „sonst bei jeder Veranlassung flugs herbeigeholte Verwarnung schelo leschannos mimatbea schetobeu chachomim (von der Prägung der weisen ja nicht abzuweichen") sich zu äußern, dürfte gleichfalls wie eine Verleugnung der bisher beobachteten neuorthodoxen Starrheit anmuten. was soll man aber erst zu dem Wunsche Berliners (S. 39) sagen: „Möchte doch ein Buchdrucker hier so vernünftig sein und dafür (für das Gebet beim Verlassen der Hütte, daß es uns vergönnt sein möge, dereinst zu sitzen in der Hütte aus der Haut des Liwjathan) setzen: „zu sitzen im nächsten Jahre in einer Hütte in Jerusalem"! Man erinnere sich, wie der edle „Israelit" seinerzeit gegen hen Gberrat in fromme Wut geriet, weil er statt jener mythischen Wendung zu - beten vorschlug: „ ... so möge es mir vergönnt sein, stets in deiner Friedenshütte zu weilen" (ken eske lescbew tomid besukkas schelomecho). „Man darf doch den Autoren des Gebetbuches" — so rief der heilige Kritiker aus — „nicht zumuten, sich mit den tiefen Gedanken zu beschäftigen, die diesem Liwjathan zu Grunde liegen; sie haben besseres zu tun." (Sex.-Abdr. S. 53.) Und nun kommt ein waschechter Grthodoxer und spricht gleichfalls von einer fern liegenden Allegorie, die es besser wäre, nicht anzurufen, „um den talmudischen Hinweis auf den Liwjathan für uns in Anspruch zu nehmen". Dort „tiefe Gedanken" — hier „fernliegende Allegorie", das ist doch schon rechte Apostasie. Es kommt aber noch verwegener. S. 39 will B. das Kaxpores-Umschlagen, das von den Gaonen eingeführt und seither überall herrschend wurde (s. Isserles z. Sch. A. Gr. Thaj. 605, und Weiß, Dor rc. IV. S. jß, Anmerkung 8) ab schaffen. B. beruft sich mit Recht auf Karo, der es nach früheren Ausgaben sogar minbag scbel schtuss nenne. B. hätte sich auch auf Karo zum Tur das. berufen können, wo er Nachmanides zitiert, der das Kaxpores-Umschlagen als heidnisch (dark6 hoemori) bezeichnet. Letzteres wird auch durch westermarck, Ursprung und Entwicklung der Moralbegriffe, deutsch von Kätscher, S. 39(, bestätigt, denn es heißt dort: „ . . . . eine