Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Süchrrfchan 67 Geiste der Propheten zu denken, nach ihrem l Kerzen zu fühlen, nach ihren Worten zu handeln. Das ist die .Pflicht, welche uns durch die „Erstgeburt" unter den Völkern auferlegt wird, wenn wir uns "das auserwählte Volk Gottes nennen, so soll damit nur gesagt sein, daß unsere Väter es waren, denen zuerst die Erkenntnis Gottes gepredigt und die Liebe zu ihm als die allgemein menschliche Aufgabe ans Herz gelegt ward . . . Das auserwählte Volk nennen wir uns, nicht um die Höhe zu bezeichnen, auf welcher wir ständen oder jemals gestanden hätten, nicht um uns als die vorzüglicheren unter unseren Mitmenschen hinzustellen, sondern um uns jederzeit die Rluft vorzuhalten, die unsere Wirklichkeit von der idealen Aufgabe der Sittlichkeit trennt, die Rluft zwischen unseren Mängeln und dem von den Propheten gezeichneten vorbilde.Jenes Wort „das auserwählte Volk" ist für uns eine geschichtliche Erinnerung von xeligionssittlicher Bedeutung, eine Mahnung unserer Geschichte zu idealem Streben, zur Selbstprüfung und zur Demut usw." (Ueber Juden und Judentum S. \2 ff.) B. hätte aber auch an jenes andere wahre Wort Steinthals denken müssen: „ ... ich kann Sie versichern . .., daß manche Aenderungen des Ihnen von Rindheit her geläufigen Textes, welche unsere modernen Rabbiner vorgenommen haben, auch vom rein philologischen Standpunkt aus betrachtet, Rorrekturen waren, indem diese Männer nur zur alten, ursprünglichen Lesart zurückgriffen." (Das. S. 256.) Und auch wenn B. S. 6 f. in der Orgel und gar in der Anstellung eines jüdischen Organisten eine „trennende Grenze" erblickt, „welche zwischen den Teilnehmern der Reform und uns als beati possidentes, die wir im ererbten Stammgute uns wohl fühlen, sich ausbreitet," so hätte er durch denselben Steinthal (das. S. 272) vor solcher — auch vom Standpunkt des Schulchan Aruch — überaus grundlosen Behauptung bewahrt bleiben können. Steinthal bekennt (das. S. 272 f.), daß er anfangs gleichfalls gegen die Orgel eine gewisse Scheu trug. „Das psychologische Assoziationsgesetz zwang uns zur Behauptung, daß die Orgel ein kirchliches, ein christliches Instrument sei, welches die jüdische Andacht nur stören könne. Die Erfahrung jedoch hat uns ganz überraschend fast das Gegenteil gelehrt . . . Dis Orgel hat uns das alte Thasonus wiedsrgegeben und wird dasselbe erhalten und unseren Rindern vererben, wer, der die Awaudoh mit der Orgel gehört hat, möchte sie jemals wieder ohne dieselbe hören!" Daß es absurd ist, die bisher verfolgte Stellungnahme Berliners als „gerecht gegen unsere prinzipiellen Gegner" zu bezeichnen (S. 6), oder gar auf Grund der bisherigen Ausführungen unter Zurückweisung des Epithetons „orthodox" etwa den Liberalismus für sich in Anspruch zu nehmen (S. 7), liegt auf der Hand. Aber auch die Selbftverherrlichung der „beati possidentes" nimmt sich gar seltsam aus vonseiten eines Mannes, der allerdings erst später, S. 2j, auf den Höhen von St. Moritz gar beweglich „über den Verfall religiöser Sitten selbst bei der Jugend aus altjüdischen Familien" zu klagen nicht umhin kann. Doch all das ist uns eine psychologisch ganz begreifliche verfahrnngsweise. Der Verfasser will nämlich nun auch „wahr für uns selbst" sein. Daher diese „Vorreden" (S. 8). Sie sollen — der Verfasser braucht sich dieser Absicht nicht einmal deutlich bewußt gewesen zu sein — die „gesetzestreuen" Leser gegen allzustarkes Erschrecken feien. Diese sollen wissen, er, der ihnen das Folgende zu bieten wagt, der sogar mit dem alten Grundsatz, es sei bedenklich, „am festgefügten Bau irgendwie zu rütteln" aufzuräumen beginnt^ (S. 6) sei und bleibe in Wahrheit einer der Ihren, die Reformer aber seien schon so grundverderbt, daß bei ihnen mit des Verfassers Rühnheiten nichts mehr verschlimmert werden kann. (Das.) Sehen wir uns nun aber B's. Reformgedanken an. S. tritt B. entschieden für die positive Wendung sobeosavi jisrosl statt des überlieferten seboto osaui goi ein. „Mit Dank gegen Gottes Vorsehung erfüllt zu sein, daß er mir den Hochberuf eines Israeliten zugeteilt hat, drückt viel mehr aus als. die ursprüngliche, negativ gefaßte Formel, welche ohnedies Verkennung und Haß zu erzeugen geeignet war und ist." (Das.) Sehr schön. Allein genau mit denselben Gründen ist auch eine positive Wendung im olenu statt des überkommenen sodelo osonu kegoje