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Liberales Judentum · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 65 (sequence 17)
Language
German
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Bücher scharr 65 Lin Fußtritt noch. „Genug dem Hunde!" 2Xad} Stunden schlägt das Aug er auf. Sein erster Blick zum Limergrunde. „Lin Tröpfchen blieb noch in dem Bunde! 21 lein Rind!" und keucht die Trepp hinauf. Raum ist er bei den letzten Stufen, Ruft er ihm lachend, weinend zu: „Schau, wie die Lngel Hülfe schufen! Sch bringe Wasser, unberufen" — Zu spät. — Ls schläft in ewiger Ruh. Lr stiert es an. „Setzt mußt Du wachen, Mein Herzenskind, komm, trink geschwind! So still? was machst Du denn für Sachen? So kalt?" — Lin wahnsinnwildes Lachen — Und tot liegt er bei seinem Rind. Sakob Loewenberg. Vücüerscüau. Bemerkungen?u den „Randbemerkungen Mw täglichen Gebetbuche" von Prof. A. Berliner.*) Mir drängte sich bei der Lektüre dieser jüngsten Berlinerischen Schrift die Frage auf: Beginnt es denn auch schon bei unserer' Neuorthodoxie zu tagen? welch eine gradezu — um mit dem Midrasch zu reden — massive egyptische Finsternis hatte sich noch unlängst gegen den Gebetbuchentwurf des badischen Gberrats der Ssraeliten aus den Rreisen unserer Neuorthodoxen entgegen geballt! Und nun so kurz darauf diese verhältnismäßig kühnen und meines Wissens in der Neuorthodoxie einzig dastehenden Reformvorschläge! Man möchte da an jene haggadische Ansicht denken, daß Furz vor der Morgendämmerung eine besonders intensive Dunkelheit einsetzt, um gleichsam noch einen verzweifelten letzten Ramxf gegen die allmählich heranziehende Tageshelle zu versuchen. Zunächst ist es schon recht verheißend, wenn B. die Devise „gerecht und wahr" voranstellt. Das mutet doch schon ganz als echte Religion an. Nur darf nicht vergessen werden, wir befinden uns noch in tiefer Dämmerung. Sonst möchte man namentlich auf den ersten Blättern des Buches sich arg enttäuscht fühlen. So ist S. 3 im Hinblick auf die neueren Gebetbuchreformer zu lesen: „wer den Gott der Väter nicht kennt, kann auch nicht verstehen, Shn nach der weise der Väter zu verehren." Nun, wir denken, ein Geiger, ein i) Der schon vor mehr als einem Jahr zur Verfügung gestellte Artikel des geschätzten Verfassers mußte leider wegen Raummangels zurückgestellt werden. Red. Sosl, ein perles haben den Gott der Väter mindestens so gründlich wie Herr B. gekannt. Dazu kommt aber, daß, wie ja B. selbst mehrfach dartut/) die altorthodoxen Vorfahren bis ins achte Sahrhundert hinein sich nicht gescheut haben, tiefgreifende Aenderungen an den Gebeten der Väter vorzunehmen. Weiter S. 5 sagt B. in seinem Tadel gegen die Reformer: „Um nur ein Beispiel herauszugreifen aus einer großen Anzahl von Abweichungen: Ls soll nicht mehr heißen, wie man verlangt, oloheuu welohe awosenu: „Unser Gott und Gott unserer Väter" — daher auch in weiterer Ronsequenz muß im Achtzehngebet der Schluß der Benediktion rophs chole amo jisroel geändert und im allgemeinen, also rophe eholim, ausgedrückt werden. Man vergißt allerdings hierbei, daß wir bereits im Beginne unseres täglichen Gebetes Gott als den „Arzt aller Geschöpfe" preisen und auch im Achtzehngebet selbst im Anfang Gott als den „Arzt der Rranken" (rophe eholim) anrufen." Hiergegen ist nun einzuwenden: weder in den Gebetbüchern Geigers, Soels, perlet und Vogelsteins — diesen wohl in den deutschen Großgemeinden verbreitetsten Gebetbüchern! —, noch auch im Gebetbuchentwurf des badischen Gberrats ist die Ausdrucksweise „Gott und Gott unserer Väter" beseitigt. 2. Sst bereits in der „Denkschrift zur Begründung des von dem Gr. Bad. Gberrat der Ssraeliten herausgegebenen Gebetbuchentwurfs" S. 55 f. bemerkt: „wenn jedoch darauf hingewiesen wird, daß es ja in der birehas aselier jozar heiße: rophe chol bosor („der Arzt alles Fleisches") und in der zweiten Benediktion des Hauptgebetes: rophe eholim („der heilt die Rran- 2) Z. B. S. 11—14, 22-28.

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