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Liberales Judentum · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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Gedicht: Master 64 O O o o Unterstützung paritätischer Organisationen zu genießen? Es ist ein nicht zu unterschätzendes Verdienst der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, 'wenn sie ihren Beistand einer Organisation, wie dem Jüdisch-liberalen Jugendverein in Berlin leiht. Letzterer will die Jugend zusammenschließen zur Betätigung einer jüdischliberalen Weltanschauung. Er erblickt nach wie vor eine Gefahr für die jüdische Jugend in der Betätigung der politischen Ziele, wie sie von zionistischen Heißspornen verfolgt werden. Muß einer Richtung nicht aufs schärfste entgegengetreten werden, die die Religion als j)rivatsache erklärt, die den Antisemiten die geistigen Waffen für den Rampf gegen das Gesamtjudentum liefert? Dies ist die positive Arbeit, die der Jüdisch-liberale Jugendverein jn Berlin leisten will. Er betrachtet es dagegen nicht als eine Leistung, wenn man junge Leute divergierender Richtung in einem Verband nicht zusammen vereinigt, sondern vielmehr zusammenhäuft, ohne daß diese Zusammenhäufung auch nur ein praktisches Ergebnis zeitigte. — Man möge sich darüber klar werden, welche Gefahr darin liegt, wenn unter dem Schutze des Verbandes Vereine bestehen und ins Lehen gerufen werden, in die die Zionisten in organisierten Massen eintreten können, um die Andersdenkenden für ihre Bestrebungen anzuwerben, und man wird einsehen, wie notwendig es war, daß der Liberalismus rechtzeitig erkannt hat, daß die Jugend erzogen werden muß für die pflege seiner idealen Bestrebungen! Nasser. Gewehrgeknatter in den Gassen Und wutgeschrei: „Schlagt alle tot! Rein Jude darf die Stadt verlassen, Die Räuber, die im Reichtum prassen, Indes uns Hunger quält und Not!" Hoch ünterm Dach liegt tief in Decken Verhüllt ein Greis mit seinem Rind Zwei Tage schon in Angst und Schrecken. „O, Vater, trinken!" — „Still, nicht wecken, Die schlimmer als der Tod selbst sind." „Es tut so weh! Nur trinken, trinken!" „Süll, Töchterchen, sei gut, sei klug. Gott wird bald seinem Engel winken. Und unsere Feinde werden sinken, Und Wasser gibt's genug, genug!" Glüh gleißt die Sonne durch die Spalten. Das Rind wälzt sich in Fieberglut „Ach Wasser! ach!" — Da packt's den Alten, Da kann er sich nicht länger halten: „Ich hol's und kostet es mein Blut!" Er kennt den weg, wie gut! zur Ouelle. Schon hat den Eimer er gefüllt, Schon steht er an des Hauses Schwelle, Sieht schon sein Rind — „Nicht von der Stelle!" Ein Hooligan ihm entgegenbrüllt. Und holt schon aus mit seinen Schlägen, Da ruft ein Zweiter: „Laß den Spaß! Das ist der alte Wasserträger, was Besseres weiß ich, wir die Jäger, Und Hüpfen soll vor uns der Has." Und gießt das Wasser aus, das reine, „Mein arm —" das Wort erstickt im Mund- „M guter Gott, nur nicht das eine!" „Nun schnell! Sonst machen wir Dir Beine- Hol frisches uns vom Ouellengrund!" Und zehnmal läuft er hin und wieder, Und zehnmal gießen sie es aus. Da brechen seine alten Glieder, Und in der Lache stürzt er nieder Dicht an der Tür vor seinem Haus.

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