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Liberales Judentum · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 63

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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€ 0 Q O Ute Alkan: Paritätische Jugendvereinr 63 tat", die der Verband der jüdischen Zugendvereine Deutschlands betätigt, wenn es ihm darauf ankommt, Richtungen zu bekämpfen, die unter unzweideutiger Flagge segeln und es ablehnen, ihre auf ein bestimmtes Ziel gerichteten Bestrebungen unter einer anderen Bezeichnung zu verwirklichen. Der verband der Jüdischen Zug endvereine Deutschlands faßte in seiner Vorstands-Sitzung vom 4. 12. M(), wie in seinem offizieller: Organ berichtet wird, im Einblick auf die Gründung des Züdisch-liberalen Zugendvereins in Berlin folgende Resolution: „Zeder politischen und religiösen j)arteirichtung muß das Recht zuerkannt werden, die Heranwachsende Zugend in ihrem Sinne zu beeinflußen. Dennoch gibt die Verbandsleitung ihrem tiefen und schmerzlichen Bedauern Ausdruck, daß ihr Bestreben, die Jüdische Zugend in neutralen Vereinen zu organisieren, um sie zunächst auf die gemeinsamen Gesichtspunkte hinzuweisen, durch Bildung von tendenziösen Zugendvereinen eine wesentliche Schädigung erfährt. Der Vorstand beauftragt seinen Vorsitzenden und die anderen in Berlin wohnenden Mitglieder, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit, öffentlich in energischer Meise diesem Standpunkt unter Bezugnahme auf die Berliner Neugründung, Ausdruck zu geben." Der Verband spricht von eurer Zersplitterung der Jüdischen Zugend. Zst der Verband bezw. seine Leitung wirklich so weltfremd, daß ihr nichts davon bekannt ist, welche Zersplitterung heute unter den verschiedenen Richtungen besteht. Weiß der Vorstand des Verbandes nicht, daß der liberale Zude der ehrlichen Orthodoxie ihre Daseinsberechtigung nicht abspricht, daß aber umgekehrt, Orthodoxe und Zionisten darin wetteifern, dem liberalen Zuden vorzuwerfen, die Verfolgung seiner Ziele führe aus dem Zudentum hinaus? Zst das keine Zersplitterung, wenn man dem Liberalismus so seine Berechtigung zum Dasein abspricht? Und da hat der Verband der jüdischen Zugendvereine Deutschlands den Mut, Sturm zu laufen gegen eine Vereinigung junger Leute, die nichts weiter wollen, als im Gedanken-Austausch unter Gleichgesinnten ihre Zdeale zu pflegen und sich bemühen, ungestört von der lästigen Agitation der Zionisten das zu tun, worin sie die Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins und des jüdischen Religionsgedankens erblicken. <£s ist traurig, wenn ein verband, der so oft seine einigenden Ziele betont, nichts besseres zu Lun weiß, als seinerseits gegen eine bestimmte große Richtung im Zudentum Front zu machen. Der verband der jüdischen Zugendvereine Deutschlands zeigt durch seine Resolution wie wenig paritätisch er selbst ist und liefert gleichzeitig damit den Beweis für die Unmöglichkeit der Verwirklichung seiner Ziele. Um die Sachlage klar darzustellen: paritätisch können nur Vereine sein, deren Mitglieder einig sind über ihre Bestrebungen. „Wohltätigkeit, Bruderliebe und Gintracht," wie sie die großartige Organisation der Bnei-Briß Logen progagieren, kann man betätigen, einerlei auf welchem Boden politischer oder religiöser Richtung man steht! Selbstverteidigung und Kampf für die politische Gleichberechtigung der deutschen Zude:: kann der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens anftreben, denn Einigkeit besteht über die Notwendigkeit dieser Zwecke. Aber wo bleibt die Parität, wenn sich in einem Verein Liberale, Orthodoxe und Zionisten bekämpfen, den Verein selbst paritätisch nennen, im übrigen aber völlig uneinig in ihren Zielen sind? Erzieht es die jungen Leute zur Ehrlichkeit, wenn man sie zwingt, sich paritätisch zu nennen, ohne es zu sein, lediglich weil die Vereine paritätisch sein müssen, um die ideelle und materielle

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