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Liberales Judentum · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 62

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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62 Mar Alkan: Paritätische Jugendverriue PorifätiTche Jugendvereine — eine Phrafe oder ein Segen für das Judentum? ein Beitrag zur Tätigkeit des Verbandes der jüd. Jugendoereine Deutschlands oon ITlax Alkan-Berlin. m ZaHre 1909 wurde mit Unterstützung der Großloge für Deutschland des Bnei- Briß Ordens und des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der verband der jüdischen Zugendvereine Deutschlands gegründet. Derselbe Hat seinen Statuten entsprechend es sich zur Aufgabe gemacht, alle jüdischen Zugendvereine, welche auf dem Boden der Parität stehen, zusammenzuschließen. Er sieht, indem er es seinerseits vermeidet, über die Richtigkeit oder Anrichtigkeit der Ziele und Bestrebungen innerhalb des Zudentums ein Urteil abzugeöen, seine positive Aufgabe darin, alle jüdischen Zugendvereine zu vereinen. Die Daseinsberechtigung des Verbandes beruht auf der Hypothese, daß es wirklich paritätische Zngendvereine gibt. — Untersuchen wir nunmehr die Frage, ob es möglich ist, daß ein Zugendverein paritätisch sein kann. Die Parität, also die Gleichheit soll doch wohl voraussetzen, daß die Zi ele gleiche sind, daß alle Mitglieder eines Vereins, der sich paritätisch nennt, also dieselben Zwecke und Ziele verfolgen, welche Ziele verfolgen nun aber die Mitglieder eines jüdischen Zugendvereins? Das orthodoxe Mitglied hält für das Fortbestehen des Zudentums die Aufrechterhaltung der Zeremonial-Gesetze für unbedingt notwendig. Der liberale Zude — den die Gegner jetzt so gern als den „sogenannten" Liberalen bezeichnen —, steht auf dem Standpunkt, daß das Sittengesetz und seine Verbreitung unter den Menschen der Kernpunkt des Zudentums ist, daß es gilt, Lehre und Leben in harmonischen Ginklang zu bringen. Er faßt seine Ziele im Gegensatz zu den Zielen eines Zionisten auf, indem er nicht wie jener?, Religion als Privatsache betrachtet und ferner seine Ziele nicht in einer Bestrebung verwirklicht sieht, .welche den Schwerpunkt auf den Zusammenschluß auf nationaler Grundlage legt. — Gs mag dahingestellt sein, ob es möglich ist, in einem Verein, der nur orthodoxe und liberale Mitglieder umfaßt, diese zusammenzuschließen zum Zwecke der Förderung der jüdischen Religion, aber der Gegensatz zu der letzten Gruppe, deren Zweck lediglich die Lösung eines utopischen Rassenproblems ist, ist ein nicht zu überbrückender. Zhre Weltanschauung, soweit sie in jungen Zähren schon besteht, wollen die einzelnen Mitglieder zur Geltung bringen, sie sehen, und das darf ihnen nicht verargt werden, den Segen für das Zudentum eben nur darin, daß ihre eigene Anschauung eine möglichst weite Verbreitung findet. Zst es nicht verständlich, wenn sie mit dem Feuer der Zugend gegen die anderen Richtungen Sturm laufen und die Toleranz, die ein Vorzug des reiferen Alters ist, vermissen lassen? — Da die Losung des einzelnen Vereins und des Verbandes Parität heißt, müssen sie sich also paritättsch trennen, d. h. mit dürren Worten: die verschiedenen, sich untereinander aufs heftigste bekämpfenden Richtungen sind gezwungen, unter dem gemeinsamen Schilde der Parität ihre Sonderziele zu verstecken, wie weit der Zwang hinzukommt aus der Not eine Tugend zu machen, und ohne paritätisch zu sein, sich so zu nennen, weil die obengenannten großen Organisation, die Bnei-Briß Logen und der Zentralverein ihrer Tendenz nach nur paritättsche vereine unterstützen dürfen, soll hier nicht näher untersucht werden. — Gin Fall aus jüngster Zeit wirft ein grelles Schlaglicht auf die sogenannte „pari-

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