Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o 61' Prsf. Ar. Kutlner: Konische Sildrr aus der jüdischen Geschichte Zosef. So hältst du nichts von äußerlichen Pflichten, Bestreitest ihnen jegliches Verdienst? Bachja. Verdienst? Du bist ein Schriftgelehrter und Erinnerst dich des Psalmenwortes nicht: „Dem Manne Heil, der gottesfürchtig ist Und Wohlgefallen hat an seinem Wort"? 2infeinem Wort, und nicht an seinemLohn! Und spricht der Talmud nicht dasselbe aus? „Seid nicht den Knechten gleich, die ihrem Herren Bur dienen um des Lohnes willen; seid Den Knechten gleich, die nicht um Lohneswillen Dem Herrn zu Dienste sind, und fürchtet Gott!" Erfüllt gar einer eine äußere Pflicht Und bittet Gott zugleich um Lohn dafür — Es tut es mancher, der für fromm sich hält — Ist das nicht Läst'rung mehr als Gottesdienst? Das Herz, und nicht das Aeuß're, diene Gott? Die äußern Pflichten sind an Zeit und Mrt Gebunden, doch die Herzenspflichten nicht, Sie gelten jederzeit und allerorten, Und darum stehen sie an erster Stelle. So hört von mir und merket dieses Wort: Das Wissen ist noch keine Frömmigkeit, Und Tradition entbindet nicht vom Denken, Denn nur Vernunft zeigt uns den rechten weg, Und diese gibt den Preis den Herzenspflichten. Du nickst nnd bist befriedigt; nicht, mein Josef? Josef. Ich bin zufrieden und bin nicht zufrieden. Bachja. Gedulde dich! Ich weiß, was dir noch fehlt. Dem Denken nur entsprießt der rechte Glaube; Doch wählt der Glaube gern sich eine Form, Die wohl zu Zeiten wechselt, aber nie Hat sie ein Denkender gering geschätzt: Denn sie ist's, die zu dem Gemüte spricht. Und sie ist's, die die Glaubensbrüder eint, wer sie verschmäht, verschmäht die Glaubensbrüder So leicht — und endlich gar der Brüder Glauben. Drum kann ich es, mein Salomon, nicht loben. Wenn du die äußern Werke ganz verwirfst. Sie sind nicht Selbstzweck, aber doch Symbole, Die ernstes Denken dir erschließen soll. . . Du blickst so ernst, bezweifelst du inein Wort? Salomon. Wohl blick' ich ernst, doch ist es nicht aus Zweifel; Ich fühle, wie gerrecht dein Vorwurf ist. vernünftig denken, sagst du, sei uns Pflicht; Ich freue mich, daß ich's bisher getan; Was du von äußerlichen Pflichten mich Gelehrt, dem sinn' ich gerne weiter nach. Jose f. Der Herzenspflichten denk' auch ich fortan. Weil du mich Überzeugt, Werkheiligkeit Sei weit entfernt von echter Frömmigkeit. Bachja (reicht jedem eine Hand). So geht in Frieden, meine lieben Brüder! Mag Wissen euch zu ernstem Denken leiten. Das ernste Denken zu dem rechten Glauben, Der rechte Glaube zu deni rechten Tun! (Beide ab.) Sie sind versöhnt, verstehen nun einander. Und sich verstehen führt zur Duldung stets. Doch kann ich alle Brüder zu mir rufen? Kann ich 'denn jeden einzelnen belehren? Wohlan, ich will, was ich in brünst'gem Suchen Zur frohen Ueberzeugung mir gemacht. Den Brüdern all in einem Büch verkünden. Und „Herzenspflichten" sei dies Buch genannt. Soll Religion nicht äußere Pflicht nur fein Und wertlos für den Menschen, dann sei sie Als Herzenspflicht und innerlich erfaßt; Nur jenes Tun allein hat wert, das eins Mit meinem Fühlen und mit meinem Denken. Ich danke dir, o Gott, daß Zu zu dieser Beglückenden Erkenntnis mich geführt Und bitte dich, ein Greis, daß du so lang Mich leben lassest, üis ich dieses Buch Der Herzenspflichten ganz vollendet habe. Zu Nutz und Frommen meiner Glaubens-- örüder, Daß sie in Wahrheit deine Pfade wandeln. Zu ihrem Glück, zu deines Namens Rühmt Prof. Kuttner, Frankfurt a. M.