Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 59

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3126481-3126513-3126517--0778-3127568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Prof. Ar. Kuttrrrr: Szenische Sildrr aus der jüdischen Geschichte 59 sen Stelle heute das Kaiser Friedrich Museum steht. Und noch 'schöner deucht mir die Erinnerung an einen „Ausflug nach Tharlottenburg" mit meinen: damaligen und späteren Lehrer Falkenberg, der mich in meiner Studienzeit mit vieler Liebe in die Praxis des Unterrichtens eingeführt hat. wie erlabten wir uns an seiner freundlichen Kirschenspende, und die gleichfalls bescherte Heimfahrt auf dem luftigen Schirmdach-Verdeck der alten Pferdebahn durch den Tiergarten erschien so schön, daß alle wünschten, sie hätte nie ein Ende. Viele Einzelheiten, winzig und doch mir bedeutsam, ziehen im bunten Wechsel an meinem Auge vorüber, noch nicht verblaßt, als wären sie jetzt geschehen. Ich gedenke des Jahres J888, das zwei Kaiser sterben sah, und höre hart und schallend die Tritte der Gardisten über das Pflaster des Schulhofes marschieren, als sie an uns vorbeizogen aus ihrem Notquartier in der alten Backstein-Turnhalle, die ja allein noch herüber grüßt aus der alten Zeit in die Gegenwart.. — So ist denn die Vergangenheit, geweckt durch den Rücktritt Dr. Holzmans, wieder lebendig geworden für alle, die wie ich, Kinder der Berliner Gemeinde sind und der Stätte ihrer ersten Unterweisung gedenkend mit Liebe und Verehrung aufblicken zu ihrem Lehrer, dem Leiter der Knabenschule, der sich aller seiner Zöglinge wohl erinnert und sie gern kennt. Mag ihn auch fern vom Amte neben verdienter Anerkennung das gewonnene Ziel stählen, der Geschlechter eherne Reihe mit Banden der Liebe gekettet zu haben, daß sie stark wurden und blieben in der Ueberzeugung und durch die Erkenntnis. Szenifche Bilder aus der jüdifchen Gefchichte. 2. Baehia ibn Pakuda. Personen: Bachja ibn pakuda, Rabbiner zuSaragossa im ll. Jahrhundert, Verfasser des geschätzten ethischen Buches „Herzenspflichten". Josef, ein Freund der Tradition. Salomon, ein Gegner derselben. Bachja (allein). Zwei hochgeehrte Männer harren mein, Die Zierden der Gemeinde Saragossa, Die, so verschieden ihre Wege sind. Doch beide streben nach 'dem höchsten Ziel. Und dennoch werden sie es nimmermehr Erreichen, wenn sie weiter also tun. Oft sah ich sie im eifrigen Disput, Am Ende dünkte jeder sich rm Recht, Und dennoch ist es keiner von den beiden. Im langen Studium der heil'gen Bücher, Durch sinnig Forschen in der Tradition, Und von der gottgegebenen Vernunft Geleitet stets, im brünstigen verlangen, Von Herzen und irr Wahrheit Gott zu dienen. Erkannt' ich ihn und was er von uns fordert. Drum Hab' ich beide Männer herbeschieden — Sie selber sind darüber hoch beglückt — Daß sie vor mir erneuern ihren Streit Und meinen Rat und meine Meinung Horen. Du aber, Gott, erleuchte meinen Geist, Daß ich den rechten weg, das rechte Wort Zum Herzen beider Männer finden möge! (Er öffnet eine Seitentür). Herein, chr Herrn, und nehmet Gott zum <£kvi%: Er segne euch mit stetem wohlergehn! 2osef. Auch dich, mein teurer Rabbi! Salomon. Ja, auch dich! Bachja. Beliebt es, Platz zu nehmen, Rabbi Josef? Beliebt es dir, mein Rabbi Salomon? Josef. Du bist sehr güttg, Rabbi mich zu nennen. Salomon. Sehr güttg und sehr nachsichtig zugleich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.