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Liberales Judentum · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 51

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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o o o o Mr. Goldmann: Zionismus oder Fideralismns? 51 . In Wahrheit hat nun, um zu den speziell jüdischen Gegengründen überzugehen, eine solche Wechselwirkung nur in den ältesten Zeiten bestanden, und selbst im Mittelalter, wo die allgemeine Weltlage eine solche Einheit von Staat und Religion wenigstens noch gestattet hätte, ist das Judentum schon seinem Wesen nach universalistisch und dem Nationalismus völlig entfremdet. Rein historisch läßt sich während der Richter- und Königszeit, obwohl die L^ehre der Thora dem ebenfalls schon widerspricht, die Nationalreligion zur Not Nachweisen. Gott ist zu jenen Zeiten noch der Gott Israels, zu dem man im Auslande nicht betet, er scheint weder als ewig noch als universal angesehen worden zu sein. Damit ist aber endgiltiger Schluß! Das Verdienst der Propheten ist es — und hier ist es gleichgiltig, ob man, wie die große Mehrzahl der positiven Juden, an eine göttliche Offenbarung glaubt und in dem wirken der Propheten ein Rückgreifen auf älteres, vergessenes Gut sieht oder ob man mit der kritisch-historischen Schule das Entstehen des Universalismus erst in der prophetischen Zeit annimmt — dieses universelle Moment in die Religion hineingebracht und damit den Nationalismus innerlich vernichtet zu haben. Amos verkündet den Gott der Gerechtigkeit, der auch über andere Völker herrscht, der sein auserwähltes Volk untergehen lassen kann und doch selber weiter bestehen wird. Jesaja baut den Gottesbegriff aus, ihm ist der Ewige Herr der ganzen Welt, und von da an ist der Universalismus der übrigen, des Ieremia, des zweiten Jesaja, des Ezechiel, des Sacharja ganz unbestritten. Daß die Propheten sich der ganzen Tragweite ihrer Denkart nicht bewußt waren, ist anzunehmen, und daß sie nicht inbezug auf nationalen Staat und Messianismus die vollen Konsequenzen gezogen haben, ist ein Beweis hierfür. Aber ihre Vorstellung von der Zukunft zeigt deutlich, daß sie das richtige Empfinden haben; denn der Staat, den ihr Messianismus erträumt, ist alles andere, als ein Nationalstaat im alten Sinne. Israel ist weniger ein Volk, das den wahren Gott für sich besitzt und darum zu nationalem Glanze gelangt, eifersüchtig seinen Schatz vor fremder Begierde hütend, sondern mehr eine Gemeinschaft von Gralsrittern, die ein Heiligtum hüten, das allen Menschen gehört. Die nationale Stellung der Juden ist in den prophetischen Träumen ein Erstgeburtsrecht unter Brüdern, denn mit den anderen Völkern ist man eng verbunden, sie sind alle Brüder und werden einst zu demselben Gotte beten. Der nationale Messias aus dem Hause Davids ist in jedem Zuge seines Wesens mehr Priester und Prophet als König. Er wendet nicht seinen Blick auf die Verfolgung des Nationalen, denn dessen Zeichen sind aufgerichtete Mauern, über die man nur zu leicht greift; sie veranlassen Streit und Krieg. Sein Reich aber wird das des Friedens sein. Obwohl also die älteren Propheten wie Jesaja (bei den jüngeren wie Secharja ist der Universalismus schon völlig durchgedrungen) den nationalen Staat zur Vorbedingung der Erreichung des messianischen Zieles machen, müssen auch sie ihn wieder am Ende fallen lassen. Und wenn das Endziel selbst der älteren Propheten doch wieder in einer Auflösung des nationalen Staats besteht, so ist das der sicherste Beweis, daß eine organische oder notwendige Verbindung von Nation und Religion nicht besteht. Es ist schon hervorgehoben worden, daß 'die Wechselwirkung zwischen Staat und Religion dieselbe ist, wie zwischen verbrechen und Recht, daß die Propheten aus den traurigen Zuständen, in die der Staat durch den beschränkten Dünkel des Nationalismus stets geführt worden war, die Anregung schöpfen, diesem Treiben entgegenzutreten und das Ewige zu betonen. Aber ihre Idealnation der Zukunft, die ihnen vorschwebt, ist kejne Nation im staatsrecht-

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