Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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47 Rundschau ihren Bund nach Möglichkeit in zionistisches Fahrwasser zu bringen. Wenn dann eben liberale jüdische Iugendvereine begründet werden, so müssen sie das gleiche Recht ljaben, wie die konservativen und die zionistischen. Jeder Verein muß für sich seinen Weg gehen und alle müssen sie sich im Verbände der Iugendvereine zusammenfinden. Sollte die Satzung des Verbandes dem entgegenstehen, so mag sie eben geändert werden, denn bei Begründung des Verbandes war bereits bekannt, daß liberale jüdische Iugendvereine von der Vereinigung für das liberale Judentum irr Deutschland errichtet werden. Der verband durfte sich deshalb keine Satzung geben, die die liberalen Iugendvereine ausschloß. Breslauer. Berichtigung des Krrrn Rabbiners Ar. Joseph-Ktotp und Erwiderung des Krrrn Ar. Goldmann-Gppeln. Mir erhalten von jFjeirtt Rabbiner Dr. Ioseph-Stolp folgende: Berichtigung. In seinem Heft I der Monatsschrift „Liberales Judentum" erschienenen Artikel „Zionismus oder Liberalismus — Atheismus oder Religion?" sagt Dr. Goldmann, daß ich auf seine wiederholt an mich gerichtete Frage: „Rann man ein guter Nationaljude und dabei ein guter Christ oder ein überzeugungstreuer Atheist sein?" n.icht geantwortet hätte. Der Leser muß infolge dieser Bemerkung Goldmanns von der zwischen ihm und mir in der „Jüdischen Rundschau" geführten Diskussion und meinem Verhalten notgedrungen ein falsches Bild gewinnen. Hätte ich mich entschließen können, die Diskussion weiter fortzuführen, dann würde ich obige Frage, der Goldmann eigentümlicherweise eine grundsätzliche und entscheidende Bedeutung beilegt, mit der größten Seelenruhe in bejahendem Sinne beantwortet haben. Ich würde keineswegs gefürchtet haben, daß darüber die Welt, die jüdische Welt, die jüdisch-religiöse Welt, Zusammenstürzen oder umgekehrt dem Zionismus der Todesstoß versetzt werden würde. Implicite war mein Standpunkt in dieser Frage schon in der längst abgegebenen Erklärung entl^alten, daß für die Bestimmung des Begriffes „Jude" das religiöse Moment nicht als ausschlaggebend in Betracht kommt. Leider habe ich mich jedoch gezwungen gesehen, die Diskussion mit Goldmann abzubrechen. Wie bei jedem gegnerischen Rezensenten meines Buches „Das Judentum am Scheidewege" war ich punkt für punft auf die Ginwendungen Goldmanns eingegangen. Ich mußte erwarten, daß, wenn Goldmann lediglich in eine gründliche, gewissenhaft durchgeführte Untersuchung über das Verhältnis des religiösen und nationalen Moments im Judentum eintreten wolle, er mir gegenüber das Gleiche zu tun bereit sein werde. Das aber hat Goldmann nicht getan, sondern aus den etwa zwanzig erst auf seine Anregung hin von mir behandelten Themen vier oder fünf herausgegriffen, die noch obendrein in seinen eigenen Augen als die minder wichtigen erschienen. Ich bat ihn dringend, mir die Antwort auf meine Beweisführung nicht schuldig zu bleiben und die ernste Diskussion über einen Gegenstand von so einschneidender Bedeutung lückenlos zu führen. Denn ich war der Ansicht, wenn zwei Gegner miteinander ringen, dürfte sich keiner von beiden dem verdacht aussetzen, daß er auf irgend eine Weise um die Sache herumzukommen suche. Goldmann aber erfüllte meine Bitte nicht, gab vielmehr in der folgenden Erwiderung der Diskussion persönliche Wendungen, die ein weiteres Interesse für mich nicht darboten. Ich mußte annehmen, daß Goldmann auf meine Beweisführung in grundlegenden Fragen nicht eingehen wolle oder könne, und erklärte daher die Diskussion für geschlossen. Gern erkläre ich mich, wie bisher, bereit, über die Frage, wie -sich das religiöse und nationale Moment im Judentum zu einander verhalten und welche Stellungnahme zum Zionismus sich daraus ergeben muß, mit jedem auseinanderzusetzen, der zu einer wissenschaftlichen, lückenlos 511 führenden Diskussion geneigt und fähig ist. Rabbiner Dr. Ioseph-Stolp. -r- * Auf obige Bemerkungen habe ich kurz zu erwidern: ' \. Der Vorwurf, daß ich nur die mir zusagenden Themata zur Behandlung heraus-