Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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46 rrndscharr o o Die christlichen Vereine junger Männer dienen nur der Grthodoxie. Unter den Juden gibt es Separatisten, Gesetzestreue, Konservative, Liberale, Reformer und dazu kommen dann die Zionisten. Wie soll die Jugend alle diese Ideale zugleich verfolgen, wie sollen in einem Verein alle diese Tendenzen vertreten sein? Gin Verein, der alle diese religiösen und politischen Tendenzen zusammenfassen will, kann zu keinem Resultat führen. Die Erklärung, daß alle die jungen Leute, die aus den verschiedensten Kreisen herauskommen, nur jüdisch mit einander sein sollen, ist eine Phrase, die zu nichts führt. Ganz etwas anderes ist es, ob die einzelnen ihre verschiedenen Ideale verfolgenden Vereine sich dann zu einem Verbände zusammenfinden, der das, was allen gemein sanr, vertreten soll. III. Gs ist unmöglich, daß die jüdische Jugend, die nicht zionistisch ist und sein will, mit den Zionisten zusammen arbeitet. Der Zionismus ist rein nationalistisch, Religion ist für ihn Nebensache. Gr geht soweit, daß er die getauften Juden, trotz der Verachtung, die er ihnen entgegenbringt, für Juden — weil jüdischer Abstammung — erklärt. .Gr hat garnichts dagegen, wenn Thristen seine Tendenzen unter- Mtzen. Gs!gab sogar in pinem der bayerischen Zionisten-vereine ein christliches Mitglied. Der Zionismus will nicht die jüdische Religion in Palästina betätigen, sondern er will in Palästina einen jüdischen Staat errichten. Dem gegenüber stehen alle die Juden, die einen jüdischen Staat nicht wollen, die im Judentum der heutigen Tage nur eine Religionsgemeinschaft sehen und die dieser Religionsgemeinschaft zu weiterem Blühen und Gedeihen und zu gleichen Rechten in dem bseimatsstaat eines jeden Juden verhelfen wollen. Diese beiden Kategorien können unmöglich mit einander etwas Gutes in einem Verein gemeinsam schaffen. Jeder Teil hat andere Ideale, jeder Teil verfolgt andere Tendenzen, ein Zusammenarbeiten ist unmöglich. Dazu kommt, daß die Zionisten Fanatiker sind, und in ihrem Fanatismus dje Ansichten anderer nicht anerkennen und gelten lassen. Sie sind der Meinung und streben dahin, daß jeder junge Jude, der sich ihnen anschließt, sehr bald Zionist werden wird und von ihnen zum Zionismus bekehrt werden muß. Diese Meinung und dieses Streben betätigen sie in ihren vereinen und Versammlungen dadurch, daß sie die nicht zionistischen Juden für außerhalb des Judentums stehend erklären, und dadurch gelingt es ihnen, daß mancher, der zionistische Tendenzen nicht vertreten will, doch dazu veranlaßt wird. Aus diesem Grunde ist es unmöglich, daß in einem Iugendverein religiös gesinnte Juden mit zionistisch gesinnten Zusammenarbeiten können, ohne daß die eine Richtung der anderen untergeordnet wird, während also der Iugendverein die Jugend für die Allgemeinheit erziehen und heranbilden soll, würde in einem solchen Verein die Jugend einseitig beeinflußt werden. IV. Ls ist auch gar kein Wunder, wenn die einzelnen Richtungen im Judentum ihre eigenen Vereine haben. Jede muß ihren Zwecken folgen, jede muß ihr Bestes geben, um diese Zwecke und Tendenzen zu betätigen, dann wird die Jugend in einem Punkte und nach einer Richtung hin gleichmäßig entwickelt, nämlich zum Judentum überhaupt. Und hier kann dann der Verband das Seinige tun, hier können dann die einzelnen Richtungen im Verbände das Gemeinsame und den "richtigen Ausgleich finden. V. hieraus folgt, daß eine Vereinigung des Jüdischen Iugendbundes und des Jüdischliberalen Iugendvereins in Berlin zu einen: gemeinsamen Verein nicht erfolgen kann. Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland wird ihr Programm nicht aufgeben und wird weiter liberale Iugendvereine begründen. In Frankfurt a. M. besteht ein Iugendverein konservativer Richtung, in Berlin und in München bestehen Iugendvereine zionistischer Richtung. Denn darüber ist kein Zweifel, daß die weit überwiegende Mehrzahl der Leiter, sowohl des Berliner als des Münchener Bundes, Zionisten sind und garnicht anders können, als