Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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o o 0 o Rundschau 45 neuem Leben zu erwecken, dann werde ein neuer Typus Jude entstehen. Für keine religiöse Gruppe sei das religiöse Problem bedeutsamer, als für die Juden; wenn sie nicht Schaden nehmen sollen an ihrer Seele, müssen sie Ernst machen mit dem religiösen Problem. Die geistige Lage der Gegenwart mache Religion notwendig. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine feinsinnigen, durchgeistigten, mit vollendeter Rethorik vorgetragenen Ausführungen, die einen tiefen, nachhaltigen Eindruck auf die Zuhörerschaft machten und die hier nur andeutungsweise wiedergegeben werden konnten. Ein großer Teil der Erschienenen blieb nach dem Bortrage in regem Gedankenaustausche noch längere Zeit mit dem sympathischen Gelehrten beisammen, wobei dieser auf mehrfache Anregungen in Aussicht stellte, den Vortrag später zu veröffentlichen. Posen, den 17. Febr. $U- Am \Q. d. Vfl. hielt Hierselbst Rabbiner Dr. vogelstein- Rönigsberg einen Vortrag über „Gegenwartsarbeit und Zukunftshoffnung des religiösen Liberalismus". Der Saal, in dem der Redner sprach, war gefährlich überfüllt, und weit mehr Personen, als Platz gefunden hatten, mußten, ohne Einlaß zu finden, umkehren. Dr. Vogelstein behandelte sein Thema in überaus fesselnder, geistvoller und temperamentvoller Weise. Die Wirkung, welche der Vortrag unter den zahlreichen Zuhörern auslöste, war so mächtig, daß aus der Rkitte der Versammlung unter allgemeiner Zustimmung der Wunsch laut wurde, den Vortrag gedruckt und verbreitet zu sehen. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, von deren Ergebnis und Wirkung die zionistischen und antiliberalen Gegner schwerlich erbaut gewesen sind. Srrlin, Februar Ms. Gegenüber den Behauptungen des Jüdischen Zugendbundes, daß der liberale Zugendverein dem Zugendbund und dem verband der Zugendvereine in den Rücken gefallen fei, habe ich zur Richtigstellung folgendes zu erklären: il. Zm Mai $08 ist die Vereinigung für das liberale ZuHenfum begründet morden. Zn dem Programm der Vereinigung ist als Aufgabe derselben die Errichtung jüdischliberaler Zugendvereine festgestellt. Gleich nach Veröffentlichung des Programms wandte sich Dr. Apfel an mich und bat mich, den Punkt über die Zugendvereine aus dem Programm wieder zu enffernen, weil er gerade damit umgehe, die Zugendvereine zu einem verbände zu sammeln. Zch erwiderte ihm, daß ich natürlich das festgelegte und angenommene Programm der Vereinigung nicht ändern könne und daß ich keinen Grund einsehe, warum nicht der verband Her Zugendvereine so begründet werden könne, daß in demselben auch die liberalen Zugendvereine nach ihrer Begründung eintreten könnten. Erst am 28. April $09 ist der Berliner Zugendbund und am \. Zuni $09 der Verband der Zugendvereine begründet worden, hierbei mußte Herrn Dr. Apfel ganz genau bekannt sein, daß erstens die liberale Vereinigung liberale Zugendvereine begründet und daß zweitens ev. der Eintritt der liberalen Zugendvereine in den allgemeinen verband zu erwarten war. Als dann im Zahre $$ der erste liberale Zugendverein in Berlin begründet wurde, hat sowohl der Berliner Zugendbund als auch der verband der Zugendvereine laut in die Welt gerufen, daß die Liberalen ihnen in den Rücken ffelen. Nach obiger Darstellung kann natürlich davon gar nicht die Rede sein. Der Zugendbund und der Verband mußten sich darauf gefaßt machen, daß entsprechend dem Programm der Vereinigung für das liberale Zudentum jüdisch-liberale Zugendvereine begründet werden würden. II. Es ist unmöglich, Zugendvereine für die gesamte Zugend zu errichten. Die Zugend will Zdeale haben und verfolgen, sie kann nur einer bestimmten Tendenz dienen, unmöglich kann sie Tendenzen vertreten, die einander entgegengesetzt sind. Zn der Politik gibt es ^Zugendvereine der Nationalliberalen, der freisinnigen Volkspartei, der Sozialdemokraten. Unmöglich kann die liberale Zugend allen drei Tendenzen dienen und alle drei Zdeale auf ihre Fahne schreiben.