Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1911-02-01 · Heft 2 (Februar 1911) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 2 (Februar 1911)
Date
1911-02-01
Page
Seite 40 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3126481-3126513-3126516--0758-3127547
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

40 o o o o Aus Emil Fehmanns Schriften Bleibe Jude mit voller Ueberzeugung, mit bescheidener Zurückhaltung und doch mit stolzem Selbstbewußtsein. Nichts ist erbärmlicher, als das feige versteckensspiel so mancher Juden. Sie sind Juden, aber sie meiden es, dafür gehalten zu werden; sie suchen es auf alle IVeise geheim zu halten. Und das sind oft, ja meist die, welche in ihrem Tun und Aussehen die Zugehörigkeit zu uns am wenigsten verleugnen können. Ganz verächtlich sind die Anmaßenden, deren es leider viele von uns gibt. Infolge mangelhafter Bildung, wohl auch 'der vielhundertjährigen Leiden und Zurücksetzungen und ihrer, auch heutzutage noch nicht ganz und allenthalben geschwundenen Nachwehen, hat sich mancher unserer Glaubensgenossen ein Ton und eine Haltung. bemächtigt, die nicht anders denn abschreckend wirken. Anmaßung in Sprache, Ton, Haltung und Geberde, Sucht sich vorzudrängen, den ersten Platz einzunehmen, auffälliges ^ervortreten, das sind recht unerfreuliche Eigenschaften vieler Juden. Auch manche Jüdin ist davon nicht freizusprechen. Und die auffälligen Toiletten gehören auch hierher. Unsere Feinde freuen sich über derartige lästige Aufdringlinge. Jedem wahren Juden tun sie weh. Unsere Feinde nehmen solche Auswüchse für die Negel; wir wissen, daß all das unjüdisch ist. Ich komme hier auf ein Kapitel, das inan ganz im allgemeinen überschreiben könnte: Kiddusch und Lhillul haschem, Heiligung und Entweihung, wörtlich: des göttlichen Namens, tatsächlich: des Judentums. Als einer Minderheit, einer verfolgten und hier und da noch scheel angesehenen Minderheit angehörig, hat der Jude die heilige Pflicht, sich so zu halten, daß nicht nur er, sondern in ihm auch 'das Judentum frei von Schande bleibe, Zu Ehren und Anerkennung komme. Jeder Jude soll und muß wissen, daß, so erleuchtet unsere Zeit ist, immer noch ein gut Stück vom alten Judenhaß zurückgeblieben ist, von jenem alten oäium generis humani, das schon Tacitus den Juden nachtrug und das ein alter Iuristenzopf Berger (oeconomia juris) vor 150 Jahren in den Satz zusammenfaßte: dudasus qua dndaeus ad scelera perpetranda quaevis proclivis praesumitur et promtus. (Der Jude als Jude ist voraussetzlich zu allen verbrechen geneigt und bereit.) Die Zeit ist lichter, die Kerzen sind milder geworden. Aber ein Stückchen Judenhaß ist überall zurückgeblieben, und — wird Zurückbleiben, so lange das Kind in der Religionsstunde hört, daß die Juden Lhristus gekreuzigt haben, so lange nicht der Tod Thristi 'mit dem Sokrates auf gleiche Linie gestellt wird. Deshalb hat aber auch jeder Jude die Doppelpflicht, sich und mit sich seine Religionsgenossenschaft von dem verdacht zu befreien, der in den Augen des pöhels — und der erstreckt sich hoch hinauf — Letzterer anhaftet. Und das kann er nicht durch feiges Zurückhalten, noch weniger durch anmaßliches b)ervortreten, sondern nur durch unbefangenes, gewissenhaftes, pflichtgetreues handeln. II. „Sri stolz wein Sohn"! Sei stolz, mein Sohn! An deinen Ahnen, An deinem Glauben halte fest, verschließet dir auch manche Bahnen Des alten Hasses böser Rest. Sei stolz, mein Sohn! Es gilt die Ehre In eigner Brust, in Edler Sinn: — Feig und mit Recht verachtet wäre, lver Glauben opfert um Gewinn. Sei stolz, mein Sohn! Nicht unbescheiden; Dräng dich nicht vor, dräng dich nicht auf. Sucht man als Juden dich zu meiden, Ertrages; noch ist's der IVeltenlauf! Sei stolz, mein Sohn! Hass' alles Schlechte, Ueb' allzeit treulich deine Pflicht, Und mehr als die: hilf, deine Rechte Tu wohl und unterscheide nicht! Sei stolz, mein Sohn! Nicht jenen Zwergen An Herz und Geist geselle dich, Die, daß sie Juden, scheu verbergen. Ja, die's verwünschen innerlich. Sei stolz, mein Sohn! Am Judentums Gibt's keinen Schatten, gibt's nur Licht, kver's kennt, ist voll von seinem Ruhme, kver's übt — lebt, liebt nach Recht und Pflicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.