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Liberales Judentum · 1911-02-01 · Heft 2 (Februar 1911) · p. Seite 39

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 2 (Februar 1911)
Date
1911-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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Aus Emil Lehmanns Schriften 39 nnd einen Staat gegründet habe, wir erfahren, daß das Volk in der wüste oft unerwartet Quellen und Nahrung gefunden habe. Daß dies unter göttlicher Leitung und durch göttliche Fügung, also auf wunderbare weise stattfand, ist eher glaubwürdig als rationalistisch eine Verkettung von Zufällen anzunehmen. Die einzelnen Ereignisse sind aber so erzählt worden, wie sie die Erzähler auffaßten, Erzähler, denen sie selbst erzählt wurden. Eine dritte Gruppe von Wundern bezieht sich auf ausgezeichnete Männer, um deren Bedeutung und Größe zu beweisen. Daß diese Männer wirklich Großes und Bedeutendes leisteten, steht ja außer Zweifel; ohne Leistungen wären ihnen die Erinnerungen nicht gewahrt geblieben, wenn Alexander der Große nicht der Große gewesen wäre, wäre sein Name ein leerer Schall, wie sein Rörxer Staub und Lehm geworden ist. Elisa und Llijahu und alle die Wundertäter der Bibel waren wirklich die bedeutendsten Männer ihrer Zeit. Das unbestreitbare Wunder, das sie vollbrachten, bestand in dem großen Einfluß, den sie auf ihre Zeitgenossen nahmen, das Wunder war ihre Genialität. Menschen nicht durch äußere Macht, nicht durch Reichtum beeinflussen, ist etwas so Gewaltiges, daß man solchen Menschen auch die Macht zuschreibt, andere Wunder zu wirken, und sie übten sicherlich durch Suggestion auch manchmal einen heilenden Einfluß auf Rranke aus. Jas wird nun in der Erzählung ausgeschmückt, vergrößert und vergröbert und wir haben statt einer Biographie des großen Mannes eine Wundererzählung. Da sind wir nun auch bei der vierten Gruppe von Wundern, bei jenen Wundererzählungen, die aus Freude an ihnen erzählt und von der Phantasie geschaffen wurden, wie die sprechende Eselin Bileams, die Wunder im Buche Daniel und in nachbiblischen religiösen Büchern. Für diese aber, nur für diese gilt das Urteil, das Spinoza über alle biblischen Wunder ausgesprochen hat. Es handelt sich bei ihnen nicht um die geschichtliche Wahrheit, sondern um ihren pädagogischen wert, ob sie die Menschen richtig religiös und moralisch erziehen. Sie sind nicht dazu da, um historische Tatsachen wie ein Geschichtswerk zu lehren, sondern die Macht und die Güte Gottes in anziehender statt in trockener Form zu veranschaulichen. Die Wunder also, die uns die Ueberlegung zu glauben zwingt, sind: l die Schöpfung, 2. das Genie, 3. die Erhaltung des jüdischen Volkes. Das erste Wunder lehrt uns den Glauben an Gott, das zweite an die Lehre Mosis und der Propheten, das dritte an die Berufung unseres Volkes. Aus €mil Cehmanns Schriften. i. Aus: „An meinen Sohn zur Aar Mizrvah". nd jo komme ich denn zu dem Rat und der Mahnung, dem Ergebnis eines längeren, nicht ohne Umschau und krittsche Prüfung gebliebenen Lebens: Bleibe Jude — gleichviel, wie Du Dich zu den Bräuchen des Judentums stellst, bleibe Jude und suche dereinst auch Deine Rinder in dieser Richtung zu bestärken. Bleibe Jude mit ganzem Kerzen, ganzer Seele und mit allen Deinen Rräften. Nickst Jude aus Rücksicht, aus Pietät, aus Ronnivenz. Nicht gezwungen. Nein, Jude aus Ueberzeugung von der Wahrheit, Richttgkeit, Innigkeit, Tiefe des Judentums. von diesem ttefen, philosophischen werte unserer Religion haben die wenigsten von denen, die sich Inden nennen, zumal von denen, die alltäglich wiederholt ins Gotteshaus gehen und allen Gebräuchen fröhnen, eine Ahnung.

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