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Liberales Judentum · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 12

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Kd. Philippsborn: Arr jüdisch-liberale Jugend verein in Serlin mochte ich das im Interesse aller Religionen, und zumal der jüdischen bedauern. Aber soviel ich weiß, wird die Jugend unserer christlichen Mitbürger in den „Iünglingsvereinen" s-ystematisch in den Lehren ihrer Religion unterwiesen; soviel ich weiß, gibt es sogar -— auch in Berlin jüdische Fortbildungskurse und Vereine, die der Förderung der religiösen Orthodoxie unter der Jugend dienen. Niemand hat dagegen bisher Front gemacht. Und das mit Recht! Aber was unsere jcZegner sür ihre Richtung als selbstverständlich ansehen, das ist an uns bekämpfenswert! VOas erstreben wir denn? Es gibt in Berlin Hunderte und Tausende junger Leute, die aus der Kleinstadt kommen, wo sie in den alten Formen des Judentums aufgewachsen sind. Die Großstadt nimmt ihnen bald gar viel von dem, was ihnen früher heilig war. U)o bleibt nun die Religion, wenn auch wirklich einige von ihnen dem Zionismus zugeführt werden — jeder Eingeweihte wird mir zugeben: in religiöser Beziehung bietet ihnen der Zionismus nichts, gar nichts! Glaubt man wirklich, daß. diese jungen Leute, die nichts wissen wollen von Zeremonien, deren Bedeutung im allgemeinen wir durchaus nicht bestreiten, in orthodoxem Sinne zu erziehen sind? Diese Ansicht wäre naiv! Diese jungen Juden, die dem Abgrunde des religiösen Indifferentismus nahe sind, will der neue Iugendverein dem Judentum erhalten, wir wollen ihnen zeigen, daß höher als Formen und Zeremonien die heiligen Lehren des Judentums stehen, daß die ruhmreiche Geschichte unserer Religionsgemeinschaft uns mit Stolz erfüllen und die Taufe einer feigen Fahnenflucht gleichmachen muß. wer solche Ziele für verdammenswert hält, der werfe einen Stein auf uns, aber er wisse: er trifft damit das gesamte Judentum! Nun möchte ich zuletzt noch einen Vorwurf, der uns zwischen den Zeilen gemacht wird, zurückweisen: man will uns zu „Wahlschleppern" machen. Sollte nicht mit diesem Worte der Schreiber jener Zeilen sein Herz verraten haben, ist es nicht vielleicht die Furcht vor dieser Möglichkeit, die ihm die Feder gegen uns in die Hand drückt? Ja, wir haben in den Versammlungen, die den letzten Repräsentantenwahlen vorangingen, es mit Empörung gesehen, wie Männer, die unserer Richtung nahestehen, Männer, die selbstlos — das müssen auch die Gegner zugeben — ihre Kräfte dem wohle unserer Gemeinde gewidmet haben, von jungen Leuten, die fälschlicherweise von .sich behaupteten, die jüdische Jugend zu verkörpern, verhöhnt, verketzert und in beleidigendster Form niedergeschrieen wurden, von denselben jungen Leuten, die im I. I. B. nur zionistische Ansichten dulden. Da sagten wir uns: es ist unsere Ehrenpflicht, jenen Männern, die in vornehmer weise unser Judentum vertreten, einen Nachwuchs zu schaffen, damit sie im Kampfe nicht verzagen, weil sie irrtümlich glauben könnten, die Jugend, die Generation der Zukunft, gegen sich zu haben, wie politische Iugendvereine für ihre Partei, so werden auch wir den wahrhaft liberalen Vertretern unseres Gemeinwesens mit unserer ganzen Kraft zur Seite stehen, wir wollen den Kampf nicht, der uns durch den gegnerischen Artikel aufgezwungen ist, aber wir sind bereit, ihn aufzunehmen, da man uns dazu nötigt. wir kämpfen für unser Vaterland, d. h. unser Deutschtum, wir streben für unsere Religion, d. h. ein mit der modernen Kultur Hand in Hand gehendes Judentum, weil wir die Wahrheit des Wortes erkennen, das Gabriel Rießer einst gesprochen:

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