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Liberales Judentum · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 11

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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» to « O 11 Ad. Philippsborn: Aer jüdisch-liberale Jugrndnerrin in Srrlin gegen den liberalen Iugendverein Front zu machen, damit man «einmal erfahre, wer eigentlich hinter diesen „Quertreibereien" stehe. In meiner Eigenschaft als Mitglied des „Jüdisch-liberalen Iugendvereins" glaubte ich, diesen Artikel nicht unwiderlegt lassen zu dürfen, und übersandte Herrn Fabius Schach, dem Redakteur des betreffenden Blattes, eine Entgegnung, die aber nicht aufgenommen wurde. Den Grund für diese Ablehnung habe ich bis heute noch nicht erfahren und kann daher nur zu meiner eigenen Ehre annehmen, der Herr Redakteur habe befürchtet, die Leser seines Mrgans würden nach der Lektüre meiner rein sachlichen Erwiderung in corpore sich dem „Jüdisch-liberalen Iugendverein" anschließen. Damit aber die Meffentlichkeit erfährt, daß wir uns zu wehren wissen, und da zu erwarten ist, daß auch Anhänger anderer Richtungen diese Zeilen lesen werden, möchte ich meine dem gegnerischen Blatte übersandte Erklärung an dieser Stelle veröffentlichen, zumal sie zugleich das Programm des „Jüdisch-liberalen Iugendvereins" enthält. Nach wenigen einleitenden Worten begann ich: Nicht „auf Antrieb der Liberalen" ist der Verein ins Leben gerufen worden, wir selbst, junge Juden, haben ihn gegründet, weil die Not der Zeit uns dazu gezwungen hat. Gewiß besteht Ln Berlin bereits ein jüdischer Iugendbund, der inderTheorie ein neutrales Prinzip in religiösen Dingen verfolgt. Aber auch nur in der Theorie! Ich hatte persönlich Gelegenheit, mehreren Versammlungen des I. I. B. beizuwohnen, und machte dabei folgende Erfahrung: jedesmal, mochte es sich um geschäftliche Debatten oder um Vortragsdiskussionen handeln, war es eine geschlossene Gruppe, die nachdrücklichst für ihre eigenen, ganz bestimmten Interessen eintrat. Bevor diese Mitglieder in die Versammlung kamen, waren sie sich schon einig darüber geworden, wie sie sich zu bestimmten Punkten der jeweiligen Tagesordnung zu verhalten hatten. Das war aber nur möglich, weil sie sich insgesamt in einer akademischen Korporation oder einem andern Verein mit mehr oder minder zionistischer Tendenz befanden, die sie nun auch in den neutralen I. I. B. zu tragen bestrebt waren. Dieser Gruppe gegenüber standen die Mitglieder, die eine zionistische Gesinnung weit von sich wiesen. Aber ihnen fehlte der Zusammenhang, sie waren führerlos, sie kannten sich nicht gegenseitig, wußten nichts von der Gesinnung des andern und blieben so stets in der Minderheit. Sie wollten nichts von Tendenzen wissen, die in einen neutralen Verein nicht gehören, und fühlten sich angewidert von dem Treiben einer Gruppe, die in ihrem Fanatismus jedes freundschaftliche Zusammenwirken zur Unmöglichkeit machte. Und so verließen viele von ihnen den I. I. V. Damals schon war in ihnen der Gedanke mächtig, einen verein zu gründen, der eine antizionistische Tendenz verfolgt. Es ist bisher noch keinem Nationaljuden verargt worden, daß er zur Verbreitung seiner Ideen rein zionistische Vereinigungen erstrebt, aber hat denn der Gegner nicht dasselbe Recht? Und uns will man das gute Recht bestreiten, als Gegengewicht gegen eine Bewegung, die meines Erachtens ein Krebsschaden für das Judentum ist, zugleich unser Deutschtum und unser Judentum zu betonen? Was dem einen recht ist, ist dem andern billig! Aber wir sind ja nicht nur antizionistisch^ wir sind auch religiös-liberal! Und das, so heißt es in dem gegnerischen Artikel, ist zu bekämpfen: denn die Jugend gehört in keine „jDarteischablone". politisch scheint das anders zu sein als in der Religion, denn draußen im Staatsleben wagt niemand, die Wahrheit des Wortes anzuzweifeln: „wer die Jugend hat, der hat die Zukunft!" wenn dem auf religiösem Gebiete nicht so ist, dann

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