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Liberales Judentum · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 10

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Kd. Philippsksrn: Der jüdisch-liberale Jugendverern in Kerlin recht! Denn das Bild, das der organisierte Zionismus bietet, verrät eigentlich nicht, daß die politischen Fähigkeiten der jüdischen Gemeinschaft sonderlich gewachsen wären. 3«, ich gehe noch weiter und behaupte: wenn die Zionisten von heute auch nur eine Spur von nationaler Eignung besäßen, dann müßten zwei Drittel der deutschen Iudenheit heute zionistisch sein! was haben sie für glänzende Zug- und Agitationsmittel! von den Dummheiten mancher Gegner hätten sie, genau so wie die Sozialdemokraten, ganz allein leben können, manche Einwände waren gradezu eine. Goldgrube! Die Zionisten besaßen jenes demagogische Mittel, das noch immer gezogen hat, indem sie unter ihren Gegnern den satten Reichtum hatten und gegen diesen die Massen aufhetzen konnten. Und wenn sie hierbei keine Erfolge hatten, so geschah es wahrlich nicht, weil sie aus Anstandsgefühl diese Agi- Lationsmethode verwarfen, versucht haben sie es oft genug, und das Mittel versagte nur, weil sie unfähig waren! Sie konnten operieren mit der handgreiflichsten Folge des Iudenleids, mit den entsetzlichen Judenverfolgungen in Rußland, mit Bildern von Not und Elend und Blut, die jeden Tag in den endlosen Auswandererscharen lebendig vorgeführt wurden, wobei sie — wie sie es auch getan — die Tätigkeit der Hilfskomitees von s88s und s89l und die des Hilfsvereins für die Deutschen Juden verschweigen konnten. Und mit all diesen hervorragenden Zugmitteln, mit den glänzenden rednerischen Talenten, die zur Demagogie geradezu geschaffen sind, welches Resultat? Ein klägliches! In dreizehn Jahren angestrengtester Tätigkeit etwa soviel Anhänger in Deutschland, wie die „liberale Vereinigung^ ohne Aufwühlung der Leidenschaften und ohne sonderlich intensiv betriebene Agitation in zwei Jahren erlangt hat, ein Heer von begeisterten und intelligenten Offizieren ohne Truppen Massen. Her jüdifdi-liberale Jugendoerein in Berlin. €in Wort zur Abroehr von cand. phil. Adolf Philippsborn-Berlin. n den Tagen, da der „Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin", von zionistischen und orthodoxen Gegnern bedroht, in heißem Kampfe seine geistigen Waffen führen mußte, in den Wochen, die den letzten Wahlen zur Repräsentantenversammlung unserer Gemeinde vorangingen, traten, wie es ja auch bereits in den Blättern dieser Zeitschrift mitgeteilt wurde, junge Leute, die von der sieghaften Kraft des liberalen Judentums durchdrungen sind, in Berlin zusammen und gründeten einen „Jüdisch - liberalen Iugendverein". Kaum hatte sich dieser Verein konstituiert, als auch bereits, von gegnerischer Seite die Feindseligkeiten gegen ihn eröffnet wurden: Das „Israelitische Wochenblatt" brachte am JO. Dezember einen Artikel gegen den neuen Verein, der durch 'seinen unsachlichen, hetzenden Inhalt geeignet schien, falsche Ansichten über das wollen und Streben des Iugendvereins zu verbreiten. Es hieß darin, seine Mitglieder sollten zu „wahlschlexpern" degradiert werden, wie er ja auch „auf Antrieb der Liberalen" gegründet sei. Er sei nur ein „Konkurrenzunternehmen" gegenüber dem bereits in Berlin bestehenden „neutralen" Iugendbund (I. I. B.). Daß sich in diesem „neutralen" I. I. B. zuweilen der Zionismus rege, damit müsse man sich abfinden, da dieser nun einmal in der Jugend vorhanden sei. Zum Schluß wurde der „Bund jüdischer Iugendvereine in Deutschland" dazu aufgefordert, energisch

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