Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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oo o o Ar. Goldmann: Zionismus oder Liberalismus? S Schmach zu empfinden und diesen Schimpf zum Schwinden zu bringen. Alles trugen sie geduldig, für unseren Geschmack vielleicht zu geduldig, aber in dem Augenblick, da der syrische Machthaber ihre Glaubensfreiheit antaftete, da loderte die Begeisterung hell auf. Und wenn die Makkabäer sich gegen die Assimilanten wandten, so geschah es doch wahrhaftig nicht, weil "bie von diesen gepflegten Sitten mit nationalen Gebräuchen im Widerspruch standen, 'sondern weil sie dem religiösen Gesetze zuwiderhandelten. Theater usw. waren eben religiös anstößig, und dem Zeus ein Opfer zu bringen, verstieß wahrlich gegen kein nationales Gebot! Die MaKabäer haben vorerst auch keine nationale Unabhängigkeit erstrebt, sie gaben sich mit der religiösen zufrieden. Als sie aber sich dazu verleiten ließen, nach der nationalen zu greifen, da war das Glück von nur kurzer Dauer. Denn es begann die Reihe der hasmonäischen Könige, die ihrer Ahnen so wenig würdig waren, und die durch ihre geradezu hervorragende politische Unfähigkeit den jüdischen Staat bald in neue Abhängigkeit und schließlich an den Rand des Verderbens brachten. Etwa siebzig Jahre mag die Herrlichkeit gedauert haben, der „freie" Staat, der von Tag zu Tag schwächer wurde! Rach dem Jahre 70 (vor unserer Zeitrechnung) von einer „freien" jüdischen Nation noch zu reden, ist etwas vermessen. Die Abhängigkeit von Rom ist deutlich da! D e r Augenblick, in dem die nationale FreiheitvondemletztenderMakkabäerbrüder erworben wurde, barg zugleichdenKeimdesUnterganges für den Staat in sich. Denn die ganze Politik war von ha an nichts wie eine Rette von Streitigkeiten, Zwiespältigkeiten und Fehlern, die bis zum Untergange des jüdischen Staates reichen. Die makkabäische Bewegung war eine rein religiöse, und sie richtete sich und die Gemeinschaft dadurch zu Grunde, daß sie auf das nationale Gebiet übersprang, wozu das Judentum weder Begabung noch Kraft besaß. Und so fragen wir denn, wann jemals ein jüdischer Staat existiert habe, nach dem wir irgend eine Veranlassung hätten, uns zurückzusehnen! Mann hat denn — von der für exakte Geschichtsforschung teilweise ausscheidenden Zeit Davids abgesehen — das jüdische Reich Freiheit, Unabhängigkeit oder auch nur ein Quentchen mehr Ruhe, Frieden und Glück gehabt als in der Diaspora? Wenn die Juden im Laufe der Jahrhunderte nicht mehr politisches Geschick, mehr staatsmännische und nationale Kraft erworben haben als damals, zu welcher Annahme durchaus kein Anlaß vorliegt, so könnte die Aufrichtung eines jüdischen Staates nur geeignet sein, das Iudenleid zu verdoppeln! vielleicht aber, so könnte man einwenden, ist diese im Alterturu nicht vorhandene nationale Kraft inzwischen doch erblüht und die moderne nationaljüdische Bewegung gibt dafür einen schlagenden Beweis. Auch das wollen wir untersuchen! Ich bin nicht vermessen und halte mich nicht etwa für so weife, als daß ich wirklich Über alle Streitigkeiten Bescheid wüßte, die sich während der letzten Jahrzehnte im Zionismus zugetragen haben, ich weiß nicht, wie oft man sich schon gespalten hat, und ich bin kein Prophet, der voraussehen kann, was der Lauf der Zeiten noch bringen wird. Ich begnüge mich damit, dem Zionistenführer Max Jungmann auf's Wort zu glauben, der ja seine Leute kennen muß, wenn er in seinen „Dornen" so anschaulich singt: Linst schlug die brave Kampfgemeinde Erbarmungslos und unermüdlich Die maled eiten Zionsfeinde. Doch ach, die Zeit ist längst verflossen. Jetzt lebt man mit dem Feinde friedlich Und prügelt nur noch die Genossen! Die Autorität dieses Mannes anzuzweifeln will ich nicht wagen. Und er hat