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Liberales Judentum · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 5

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ar. Goldwann: Zionismus sdrr Liberalismus? 5 der Mengen und der Massen den Gedanken der Minorität und der Besonderheit, des Rechtes, ein Dissenter zu sein, vertreten hat. Den Juden machte zum Juden die Zähigkeit, mit der er an seiner religiösen Ueberzeugung festgehalten hat, sein Wille, wenn die Stunde gebot, sich aufzuopfern, aber nie sich aufzugeben. Das hat seine besten Eigenschaften in ihn hineingelegt, und das ist seine eigenste Ehre, die ihm zusteht. Zeder religiöse Christ wird dies verstehen, und als der will doch auch Professor Rohler angesehen werden, da er ja andere zum Christentum zu bekehren strebt. Es wäre ein verbrechen gegen den Geist, das größte Unrecht auch gegen das deutsche Volk, wenn ein Zude sein Judentum verließe und den klugen Uebertritt vollzöge. Er würde damit sein Bestes aufgeben, sein Bestes, durch das er doch auch dem vaterlande am ehesten dienen wird. Ein Mann, den Professor Rohler sicher neben sich stehen läßt, der Zurist Friedrich Albert Berner, hat es offen ausgesprochen: „Nur diejenigen Zuden können uns fördern, welche sich auf keine Transaktion einlassen, mit ihrem Gewissen nicht kapitulieren." Er hat es vom religiösen Standpunkte aus gesprochen, und nur von ihm aus wird man die Zuden begreifen, es verstehen, wie das lebendige Bewußtsein von dem Werte ihres Glaubens sie Zuden sein und bleiben heißt. Äoni5MU5 oder Obe'ralismus - Von Dr. felix Goldmann-Oppeln. eit der Zeit, da die Möglichkeit einer rein nationalen Auffassung des Zudentums die Gemüter zu erregen begonnen hat, ist auch die Frage nach dem Verhältnis des Nationalismus zur Religion immer wieder aufgetaucht und häufig behandelt worden. Freilich sind es fast stets äußerliche Probleme gewesen, die der Besprechung unterlagen, wie z. B. die Frage, wie denn überhaupt bei den strengen Sabbathgesetzen ein jüdischer Staat in Einklang mit den Religionslehren existieren könne. Sobald jedoch ein tieferes Eindringen angestrebt wurde, konnte man deutlich wahrnehmen, daß dieses Thema dem Zionismus höchst unbequem war und daß er mit Volksversammlungskunststückchen und Phrasen sich zu helfen trachtete, vornehmlich, indem er den Einwand der religiösen Unzuträglichkeiten als alt und längst widerlegt darzustellen versuchte, oder indem er die Diskussion auf ein Spezialgebiet brachte, das den nationalen Anschauungen günstig ist. „Nationalismus und Religion" wurde für zionistische Begriffe nichts anderes als die Frage, ütKei5MU5 oäer Religion? ob man ein Zionist und zugleich orthodoxer Zude sein könne, ob es Pflicht des frommen Zuden sei, die Hände in den Schoß zu legen und die Errichtung des Tempels sowie die Schaffung des dazugehörigen Reiches dem Eingreifen Gottes zu überlassen, oder ob man selber etwas dazu beitragen dürfe. Um die Aufmerksamkeit von der eigentlichen religiösen Frage abzulenken, hat man dieses Problem mit einem Aufwand an Gelehrsamkeit*) und Rhetorik behandelt, den es durchaus nicht verdient. Denn außer einigen kabbalistisch angehauchten Vertretern der starrsten Orthodoxie wird keiner daran zweifeln, daß hier der Zionismus im Rechte ist. Das eigentliche religiöse Problem liegt eben ganz wo anders, und es ist viel ernster und tiefer. Eine Diskussion zwischen Herrn Dr. Zoseph, dem Verfasser j&es Buches: „Das *) Besonders zu nennen ist hier die Broschüre- Widerspricht der Zionismus unserer Religion? Von Dr. H. Brody. 2. Auslage. Leipzig 1909.

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