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Liberales Judentum · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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o o o o 3 Nr. Sarck: Judentum und Juden erbten und erworbenen Guben zu begreifen, er entdeckt viel Gutes an ihnen, er glaubt, ihnen den Weg zu ihrer Bestimmung zeigen zu können. Und doch fehlt den Juden, die er schildert, diesen talentvollen Leuten, das Wesentliche, das ihnen ihre Ligenart gibt, tman möchte sag.en: chre Seele. Denn er schreibt über die Juden und läßt dabei das Judentum so gut wie ganz aus der Betrachtung. Er überdenkt und prüft an ihnen vielerlei, nur das eine nicht, wonach er wohl zuerst hätte fragen sollen: ob die, die er als so befähigt zu „abstraktem Denken", so begabt „für die Theologie und die formale Philosophie" darstellt, denn nicht am Ende aus religiösen Gründen, aus Gründen der Weltanschauung Juden sind und bleiben, ob denn nicht sie, die er als Menschen von „dialektischer Gewalt", von starkem kritischen vermögen vor sich sieht, auch imstande sind, die Religionen zu vergleichen, und aus dieser Vergleichung am Ende die Rechtfertigung des eigenen Glaubens, den Beweis seiner Bedeutung gewinnen. Dieses wesentliche faßt Professor Rohler nicht ins Auge, und darum kann es auch nicht wundernehmen, daß er nichts Religiöses sieht, was die Juden abhielte, und dafür etwas sieht, was es ihnen ratsam und möglich machen könnte, andersgläubig und rechtgläubig zu werden. So oft Juden in alter oder neuer Zeit zu einem herrschenden Bekenntnisse übertraten, sind sie dabei immer von der klugen Ansicht ausgegangen: il est avec le ciel des accomodements. Das ist der Ratschlag auch, den, trotz manchen Einschränkungen und Vorbehalten, Professor Rohlers Aufsatz gibt. „Tausende und aber Tausende der Juden", so erklärt er, „sind in dem Stande, daß sich ihre Vorstellungen mit dem .protestantischen Christentum vollkommen vertragen. Der Monotheismus des Judentums in christlicher Umgestaltung, bereichert durch eine- Reihe tiefer, mystischer, pantheistischer Vorstellungen, die Lehre vom Erlöser, von dessen Persönlichkeit ja auch der Talmud spricht, der Glaube an den die Menschheit stets zum Fortschritte führenden heiligen Geist der Weltgeschichte, alles dies sind Elemente, welche jeden tieferen Geist anziehen und jedes innige Gemüt ergreifen müssen." Es sei einmal in Frage gelassen, ob das alles wirklich 'das protestantische Christentum ist. Es soll auch das nicht weiter geprüft werden, ob die Unterschiede nicht wesentliche sind: hier die jüdische Idee des einen Gottes, dessen Wesen nur die Sittlichkeit ist, und dem gegenüber der christliche, auch protestantische Begriff von Gott, dem es eigentümlich ist, daß sich der personifizierende, Schicksal kündende Mythos unlösbar mit ihm verbunden hat; hier der jüdische Gedanke der Welterlösung, der die Versöhnung der Menschheit von dieser selbst erwartet, .und ihm gegenüber die christliche Lehre vom Erlöser, die die Befreiung der Menschheit mit einer Person notwendig verknüpft. Auch davon sei nicht weiter gesprochen, wie das, was Professor Rohler den Juden als eine Beziehung zum Protestantismus zuspricht, in Wirklichkeit dessen Umkehr zum Judentum bedeutet, ein Zeichen dafür ist, wie die gerade Fortentwicklung der Religionen immer mehr zum Judentum hinführt und so diesem eine geschichtliche Rechtfertigung gibt, von alledem sei also einmal abgesehen. Aber welch ein Prinzip geistiger Entscheidung ist es überhaupt, „in dem Stande zu sein", sich mit gewissen Vorstellungen „vollkommen zu vertragen". Rann man mit ihm nicht dem Protestanten auch predigen, katholisch zu werden, und dem Ratholiken dann, den Dalai Lama zu verehren! Wo ist die Grenze, sobald dieser Grundsatz angenommen ist! Gilt einmal das Gesetz der inneren Verträglichkeit, womit kann man sich dann nicht verständigen! Die Rirche allerdings hat sich im Laufe der Zeiten mit mancherlei abzufinden gewußt,-mit

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