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Liberales Judentum · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Ar. Sarck: Judentum und Juden einer Seite unser Anspruch daraus, uns Juden, religiöse, treue Juden zu nennen, uns streitig gemacht wird, dann antworten wir in Anlehnung an ein Wort von Gabriel Rießer: „Mer mir den Anspruch auf mein Judentum bestreitet, der bestreitet mir das Recht auf meine religiösen Gedanken und Gefühle, auf die religiöse Luft, die ich atme; darum muß ich mich gegen ihn wehren, wie gegen einen Mörder." wir suchen den Kainpf nicht; aber wir scheuen ihn nicht, wenn man uns fortdauernd bekämpft, unsere Absichten entstellt, uns verdächtigt, bekommen wir es eines Tages satt, der Prügelknabe der deutschen Iudencheit zu sein, gegen den jeder ungestraft sich alles glaubt erlauben zu dürfen. So werden wir uns mit dem Zionismus, so mit dem orthodoxen Separatismus, so mit der Mittelpartei, deren Programm wir freilich fast wörtlich unterschreiben könnten, und die darum auch unser Programm wohl unterschreiben könnte, auseinandersetzen, wenn wir herausgefordert werden. Lieber wäre es uns freilich und dem Ganzen wäre es förderlicher, wenn jeder an seinem Platze, in dem Kreise, auf welchen er und nur er allein Einfluß ausüben kann, friedlich arbeiten und wirken wollte zur Erreichung des einen großen gemeinsamen Zieles: der Erhaltung und inneren Kräftigung des uns allen teueren Judentums. Iuäentum unä Iuäen. 6ne Entgegnung aut die Rufforderung von Professor Josef Köhler. Von Dr. £. Baeck-Düffeldorf. an kann die Juden nicht verstehen, ohne das Judentum zu kennen. Die Zuden haben ihre jahrhundertelange, vielberufene und wenig gekannte Geschichte, und die treibende wie die erhaltende Kraft in ihr ist immer eine religiöse gewesen, das Judentum. Eine natürliche Auslese sondergleichen, die immer nur die Brauchbarsten übrig ließ, hat diese Menschen geschaffen, und der Kampf - ums Dasein, in dem sie sich vollzog, war der Kampf um das religiöse Dasein. Als die Juden Spaniens und Portugals, die sich dort durch ein Jahrtausend ,ihr Lseimatsrecht erworben hatten, den bitteren Entschluß faßten, ihr altes Vaterland hinzugeben, taten sie es, um dafür ihre Religion zu behalten. Der Zwangs der zu dieser Wanderung und zu allen den anderen des Mittelalters, aus Frankreich, aus England und so vielen deutschen Gebieten, geführt hatte, war ein Glaubenszwang; das Judentum war es, dessentwegen man die Juden fortgehen hieß, und um dessentwillen sie fortzuziehen bereit waren. Die Selbstbehauptung, der jedes Dpfer gebracht wurde, war die Behauptung der eigenen Religion; kraft des Willens, sie zu besitzen und weiterzuvererben, blieben die l)uden, trotz Bedrückung und Verlockung, Zuden. Der getaufte Zude hörte auf, Jude zu sein. Mit der jüdischen Nationalität hätte sein christliches Bekenntnis sich vielleicht vertragen; aber es vertrug sich mit dem Judentum nicht. Auf dieses ideelle, religiöse Dasein achtet kaum einer von allen denen, die von der anderen Seite aus über die Juden schreiben, und selbst, wo man ihnen wohl will, erscheinen sie darum nur als eine Rasse, die die Fülle der Talente hat: Advokaten und Philosophen, Kaufleute und Rechner. Das sind sie auch in einem Aufsatze, den Professor Josef Köhler vor kurzem über sie veröffentlicht hat. Er -hat sicherlich die beste Absicht, sie in ihrer Wesensart, in ihren er-

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