Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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liberales Judentum monatsfdirift für die religiösen Interessen des Judentum« kerausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion von Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. M. No. 1. Jahrgang 3. Januar 1911. Zum neuen Jahrgang. in neuer Jahrgang lädt zur kurzen Rückschau und Umschau ein. Die Vereinigung für das liberale Judentum und der Gedanke des liberalen Judentums sind im verflossenen Jahre innerlich erstarkt und entfalten eine stille rege Tätigkeit zur inneren Vertiefung und zum Ausbau des liberalen Programms und Arbeitsgebietes. In die Oeffentlichkeit trat die Vereinigung durch ihre Stellungnahme zu den Berliner Religionsgesprächen und vor allem durch 'die Nürnberger Versammlung im Juni vorigen Jahres. Diese zweite Hauptversammlung seit Bestehen der Vereinigung war eine imposante, kraftvolle Kundgebung; sie zeitigte weittragende Beschlüsse, die reiche Zukunftskeime in sich tragen. Ohne starke Propaganda ist der religiöse Liberalismus stetig fortgeschritten und hat sich im vergangenen Jahre zahlreiche neue Mitglieder und Gemeinden gewonnen. Jeder Gewinn des liberalen. Judentums ist aber ein Gewinn für das Gesamtjudentum; denn er ist dem lähmenden Indifferentismus abgewonnen und trägt neue jüdische Impulse in die Gemeinden. Gegen den vereinten Ansturm der Orthodoxie, der Mittelxartei und des Zionismus hat der religiöse Liberalismus bei den Vorstands- und Repräsentantenwahlen Ln Berlin, München und Posen seine Kraft bewährt. In stürmischen Versammlungen, wie sie der Wahlkampf in Deutschland wohl noch nie gezeitigt hatte, setzte sich der religiöse Liberalismus mit seinen Gegnern, die kein Mittel scheuten, ihn herabzusetzen, auseinander. „Mit seinen Gegnern!" Wer sind unsere Gegner, so fragte auf der Nürnberger Versammlung Herr Iustizrat Breslauer; und er meinte: „Ich will gar nicht Gegner haben; ich will gar nicht Gegner sein." In Wahrheit, das liberale Judentum gleicht in einer Beziehung dem neuen Deutschen Reiche: im Bewußtsein seiner Kraft greift es niemanden an, dafür wird es von allen angegriffen. Der religiöse Liberalismus im Judentum läßt jeden nach seiner Fasson selig werden; er verlangt nicht, daß allen Bäumen eine Rinde wachse, daß alle Vögel ein Lied singen. Ja er sieht in der Mannigfaltigkeit, wenn sie nur von dem einen großen willen zum Judentum zusammengehalten ist, eine große lebendige Kraft. Aber wenn von der Orthodoxie und dem Indifferentismus, wenn von der Mittelpartei und dem Zionismus uns die Berechtigung unseres Standpunktes, wenn gar von