Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau 268 Religionsunterricht ihrer Rinder ernsthaft Sorge zu tragen. Während auf dem Gebiete der obligatorischen Schulfächer die Schule pflichtgemäß sich unserer Rinder annimmt, ist der jüdische Religionsunterricht und damit die Gestaltung des religiösen Denkens und Empfindens der Rinder unserer eigenen Entschließung und Bestimmung anvertraut. Wahrhaft religiöses Denken und Empfinden sollten wir unsre Rinder lehren, frei von Frömmelei einerseits und krassem Materialismus andererseits, damit sie dereinst nicht nur durch Wissen, sondern auch durch ein reiches Innenleben gestählt werden gegen die Stürme des Gebens. Das Gemütsleben unserer Rinder zu beeinflussen ist die vornehmste Aufgabe des Religionsunterrichts. Aber auch der Stolz und das Selbstbewußtsein gegenüber den Bekennern anderer Religionen und den staatlichen Behörden sollte unseren Glaubensgenossen gebieten, dafür zu sorgen, daß ihre Rinder nicht durch das Lieben gehen unbekannt mit der ruhmvollen Geschichte des jüdischen Volkes, unbewandert in den Glaubenssätzen der jüdischen Religion und ohne Renntnis und Verständnis der jüdischen Gebete und Sprache. Wir Liberalen sollten besonders dessen eingedenk sein, daß der liberale Rabbiner der hiesigen israelitischen Brüdergemeinde Dr. Goldstein als erster vor länger als 60 Jahren durch die Religionsschule der israelitischen Brüdergemeinde einen geordneten Religionsunterricht in der hiesigen Gemeinde eingeführt hat, und daß damit uns Liberalen besonders die Pflicht überkommen ist, unsere Rinder an einem zeitgemäßen charakterbildenden Religionsunterricht Teil haben zu lassen. Ehrenpflicht ist es deshalb für jeden Juden, sein Rind teilnehmen zu lassen an dem in den öffentlichen Schulen eingeführten jüdischen Religionsunterricht, der den Rindern die Geschichte des jüdischen Volkes zu vermitteln bestimmt ist; Ehrenpflicht und Elternpflicht, sein Rind durch die jüdische Religionsschule bekannt zu machen mit den Glaubenssätzen unserer Religion und den j)erlen jüdischer Poesie und Gebete. Indem wir dies tun, opfern wir zwar allwöchentlich einige wenige Stunden der kindlichen Freiheit, aber wir geben unserem Rinde ein reiches Gut als Zehrung für ein ganzes Leben. Der Vorstand des Vereins liberaler Juden in j)osen. Berlin. Vor kurzem hat sich hier ein jüdisch-liberaler Iugendverein im Anschluß an die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland konstituiert. Es ist dies der erste Verein dieser Richtung in Deutschland, dem hoffentlich bald weitere in anderen Teilen des Reiches folgen werden. Der Zweck des Vereins ist, die jüdische Jugend beiderlei Geschlechts zum Bewußtsein einer jüdisch-liberalen .Weltanschauung zu führen und zu deren Betätigung zusammenzufassen und zwar unter Ablehnung eines Nationaljudentums. Im Winterhalbjahr soll eine Reihe von Vorträgen stattfinden, die zunächst nur für die Vereinsmitglieder gehalten werden und Aufklärung auf den verschiedensten Gebieten jüdischen Lebens geben sollen. Wir werden künftig über die Tätigkeit des jungen Vereins in diesen Spalten berichten. Zuschriften, die den Verein betreffen, Angaben von Adressen usw. bitten wir an den Schriftführer, Herrn Rechtsanwalt Dr. Abraham, Berlin W., Iägerstr. \0, zu richten. Fuckrnrvaldr. Am 26. September sprach der Geschäftsleiter der Vereinigung Rechtsanwalt Dr. Abraham aus Berlin im Hotel