Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 264 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Rundschan o o o o zum „Prinzen von Preußen" über „Die Aufgaben des jüdischen Liberalismus." Der Redner behandelte die Frage insbesondere im Einblick auf die Verhältnisse der kleinen jüdischen Gemeinden, die eine Aenderung der gegenwärtigen Zustände unbedingt erforderten. Die starre Befolgung der Vorschrift,, daß zehn erwachsene Männer zur öffentlichen Verrichtung des Gebetes zusammen kommen müßten und weiter der Ausschluß der Frau von der religiösen Gleichberechtigung seien nicht zu halten. Des weiteren behandelte der Redner an der Hand des Programms der Vereinigung die liberalen Forderungen. An der lebhaften Diskussion beteiligten sich unter anderem Herr Lehrer Freud enthal und mehrere angesehene Gemeindemitglieder. Der Vorsitzende wies in seinem Dankwort darauf hin, daß die liberale Idee in Luckenwalde Feste wurzeln geschlagen habe, von den HO Familienvätern seien die Hälfte Mitglieder der liberalen Vereinigung. Schwrdt fl. O. Am 6. November sprach Herr Rechtsanw. Dr. Abraham, der Geschäftsleiter der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, in einer gutbesuchten Versammlung der hiesigen Gemeindemitglieder über die Ziele der Vereinigung. Der Redner behandelte das Thema besonders im Einblick auf die Verhältnisse der kleineren Gemeinden und verwies darauf, daß die Liberale Vereinigung naturgemäß nicht erwarten könne, daß etwa die Durchführung ihres Programms bis in die kleinsten Einzelheiten von ihren Anhängern an allen Orten erzwungen "werden würde. Es würden vielmehr die Vorschläge der in Nürnberg eingesetzten Kommission den einzelnen Gemeinden zur Zeit zugänglich gemacht werden, mit dem Anheimgeben sie nach örtlichem Bedürfnis abzuändern. In der Diskussion wandte sich der Grtsrabbiner Dr. I a m x e l mit auffallender Schärfe gegen die Liberale Vereinigung. Er vermisse die Aufstellung eines Programms. Gleichwohl erklärte der Redner sich mit den Hauxtgrundsätzen des entwickelten j Programms einverstanden. Auf den Gegensatz in diesen Ausführungen wiesen der Vorsitzende sowie der Referent in seinem Schlußwort hin. Letzterer lehnte es ab, Herrn Dr. Iamxel als liberal ansehen zu können. An der Diskussion beteiligten sich unter anderem der Gemeindevorsitzende Herr war bürg und Herr M ü l l e r h e i m. Es traten mehrere Gemeindemitglieder der Liberalen Vereinigung bei, sodaß jetzt bereits mehr als Vs der Steuerzahler in Schwedt liberal organisiert sind. In Aachen sprach am 30. Oktober Herr Dr. S e l i g m a n n aus Frankfurt a. M. über ' „Motive und Ziele der liberalen Vereinigung". Im Anschluß an den Vortrag konstituiert sich eine - Ortsgruppe unter dem Vorsitz des Herrn Louis Meyer. Am 1(6. Oktober veranstaltete die liberale Vereinigung in Verbindung mit dem lokalen liberalen Verein in Köln einen Vortrags» abend. Nachdem der Vorsitzende, Herr Bruno Heidenheimer, mit einer kurzen Ansprache die Versammlung eröffnet hatte, hielt Herr Emil Blumenau einen mit großem allseitigen Beifall aufgenommenen Vortrag über: „Unsere Ziele unter besonderer Berücksichtigung der Kölner Gemeindeverhältnisse". Der hochinteressante, vom Geiste milder Versöhnlichkeit getragene Vortrag, liegt gedruckt vor. Gedenkfeiern zur Erinnerung an den hundertsten Geburtstag Leopold Stein' s fanden am 5. November u. a. in den Synagogen zu Frankfurt a. M., Burgkundstadt und Augsburg statt. Lerausgegeöen von der Vereinigung für öas liberale Judentum Werlin 0 2, Leiligegeiststraß e 45. Tür die Redaktion unööenVerlag verantwortlich Dr. Ä. Keligmann, Frankfurt a. Al., Ariebrichstr. 29. Druck und Ärpeöitio« von Voigt <fe> Kleiber, Frankfurt a. Al., Vibergasse 6.