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Liberales Judentum · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 262

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 262 (sequence 22)
Language
German
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262 Küchrrscharr mich hassen" nicht nur nicht zu den notwendigen Folgerungen verwandt ist, sondern in der Erläuterung überhaupt ausgefallen ist. Aufrecht halten muß ich meinen Widerspruch gegen Absatz 3 des Kapitels über die Unsterblichkeit, wenngleich in einem in der ersten Besprechung behandelten Punkte dieses Kapitel eine vorteilhaftere Gestaltung gegen früher erfahren hat. von einer Heiligung der Seele nach dem irdischen Tode dürfte keineswegs die Rede sein, denn zum Streben nach Heiligkeit und erst recht zum Heiligsein — wenn es möglich "ist — gehört ein sittliches handeln, ein Lieben nach dem göttlichen Vorbild der Sittlichkeit. Neu hinzugekommen ist ein Kapitel „Die Propheten". Verfasser drängte es, wie ich ihm nachfühlen kann, dasjenige, was er durch das Fallenlassen des Kapitels „Die jüdische Religion — eine prophetische Religion" unterdrücken mußte, an anderer Stelle zu sagen. Das Kapitel ist wohl geeignet, dem Schüler die Bedeutung der Propheten begreiflich zu machen. Aber ein solches Kapitel in einem Lehrbuch fordert gebieterisch ein anderes, „Die Schriftgelehrten", sonst setzt es unwillkürlich die Späteren zu Gunsten der Früheren herab. Das talmudische Element als konstitutiver Faktor und die achtunggebietenden vorbildlichen Persönlichkeiten der nachprophetischen Epoche machen ein solches Kapitel zur Notwendigkeit, wenn man in einem Lehrbuch der jüdischen Religion den Propheten ein eigenes Kapitel widmet. Im Kapitel „Die Religionsgemeinschaft" finde ich 'den Abschnitt, der von den Wirkungen des Verlustes der staatlichen Selbstständigkeit handelt, gegen früher sympathischer. Gern würde ich in einer Neuauflage den Kernsatz aus der ersten Ausgabe: „Die Arbeit, die wir im Leben leisten, muß ein Zeugnis unserer jüdischen Weltanschauung sein" wiederfinden. Das Kapitel „Die Bestimmung des Menschen" gipfelt in der These: „Wir heiligen uns durch das Gute, das wir unseren Nebenmenschen ... erweisen." So lehrt es die Thora. Im unmittelbaren Anschluß an die Forderung: „heilig sollt Ihr werden, denn heilig Din ich . . . ." gebietet sie die Pflichten, die wir gegenüber unseren Mitmenschen zu erfüllen haben." Dieser Satz ist geeignet, Mißverständnisse hervorzurufen. Denn im Anschluß an den leitenden Bibelsatz stellt die Thora neben sittlichen auch rituelle Vorschriften auf. Verfasser bliebe jeder Vorwurf erspart, wenn er seinen Sätzen eine Einschränkung in der Richtung gegeben hätte, daß 'die überwiegende Mehrzahl der Forderungen, die die Bibel für das Streben nach Heiligkeit erhebt, auf sittlichem Gebiete liegen. volle Anerkennung verdient das Streben des Verfassers, die auf die Umarbeitung verwandte Sorgfalt und Arbeit und das offensichtliche Bemühen, den Ausstellungen der früheren Kritik Rechnung zu tragen. D i e n e m a n n. Anmerkung der Redaktion: Wir wer-, den ersucht, mitzuteilen, daß das besprochene Lehrbuch in seiner zweiten Auflage vom Kultusministerium zur Einführung in den Schulen genehmigt worden ist. Kunäläiau. Srrtin. Bei den Wahlen zur RepräsentantenVersammlung haben bei ungewöhnlich starker Wahlbeteiligung die Kandidaten des liberalen Vereins mit durchschnittlich 1800 Stimmen Majorität glänzend gesiegt. Posen. Der Vorstand des Vereins liberaler Juden in Posen versandte vor einigen Monaten das nachfolgende sehr beachtenswerte Rundschreiben an alle Gemeindemitglieder : Anläßlich des beginnenden Schuljahres wenden wir uns an die Mitglieder unserer Gemeinde, insbesondere an die Freunde unserer religiös-liberalen Sache mit der dringenden Bitte, für einen geordneten

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