Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Küchrrschau 261 männliche und das weibliche 'Geschlecht zu wirken vermag, das in gleicher weise geeignet ist, dem Judentum in seinem eigenen Lager begeisterte Anhänger zu gewinnen und unter den Andersgläubigen die gebührende Anerkennung zu verschaffen. Aber gelesen will das Buch sein, ausgenommen mit ebenso warm empfindenden, begeisterungsfähigen und begeistertem Kerzen, wie es geschrieben worden ist. Es möge das Lehrbuch des jüdischen Dauses werden, es möge vorzugsweise als Geschenk für Konfirmanden, als Prämie für Religionsschulen Verwendung finden, und seine segensreiche Wirkung wird nicht ausbleiben zum Heile des Judentums und der Menschheit. Dr. Einstein-Landau, Pfalz. „Jüdische Religion", Lehrbuch der Jüdischen Religion von Dr. F. Toblenz, Rabbiner der Synagogen-Gememde Bielefeld. Zweite, neubearbeitete Auflage. 1909. Quelle und Meyer in Leipzig. 8°. 123 S. Die erste Auflage des oben genannten Buches ist im Heft H des ersten Jahrgangs dieser Zeitschrift, Seite 260 bis 26H, einer eingehenden Besprechung unterzogen worden, auf diese sei hier in der Hauptsache verwiesen. Die zweite Auflage liegt nunmehr in umgearbeiteter und teilweise so durchgreifend veränderter Form vor, daß das Buch fast mehr als neues Werk denn als Umarbeitung gelten darf. Die Belegstellen haben durch eine Anzahl Proben aus Talmud und Midrasch eine erwünschte und den Quellen der jüdischen Religion entsprechende Erweiterung und Bereicherung erfahren. An der ersten Auflage war es als wesentlicher Fehler zu rügen, daß Inhalt und Form für die Stufe, für die das Lehrbuch berechnet war, nicht geeignet waren, weil das Buch zuviel Selbstdenken und Verständnis für den systematischen Aufbau der religiösen Anschauung voraussetzte; für die reifste Stufe aber, für die man sich gerade diese an das Selbstdenken des Schülers appellierende Schreibart wünschen müßte, war der Inhalt nicht erschöpfend und vertieft genug. An diesem grundlegenden Punkte ist das Buch entschieden verbessert. Erstens gruppiert Verfasser in der Zweckbestimmung die Lehrstufen ein wenig anders und wünscht, daß es Verwendung finde „in der Obertertia und Untersekunda der Gymnasien und Realschulen, den entsprechenden Klassen ver höheren 'Mädchenschulen, der Oberklasse oer Volksschulen"; und dann ist die Darstellung im Ganzen vereinfacht und in Sprache und Ton elementarer gestaltet. Sämtliche Kapitel haben in "der Ausdrucksweise eine wesentlich kürzere und gedrängtere Fassung erhalten. Die einzelnen Kapitel haben auch im Inhalt eine Aenderung erfahren. Fallen gelassen ist das Einleitungskapitel der ersten Auflage „Die jüdische Religion — eine prophetische Religion"; statt dessen hat die zweite Auflage als Einleitung ein Kapitel „Die Religion — ein Bund mit Gott", wie die Ueberschrift besagt, ist hier das Wesen aller Religion nach der häufigen biblischen Bezeichnung „Berith" als ein Bund zwischen Gott und Mensch gekennzeichnet, wenn auch damit eine umfassende Erklärung des Religiösen und der Eigenart der jüdischen Religion keineswegs gegeben ist, so ist doch die Bezeichnung geeignet, Kindern die Bedeutung des innigen Verhältnisses von Mensch zu Gott und Gott zu Mensch zu vermitteln. Dringend wünschen würde ich für eine spätere Neuauflage die Aenderung des zweiten Absatzes in diesem Kapitel. So wie der Satz: „Das Volk glaubte, dem Ewigen schon die Bundestreue zu halten, wenn es die beiden Tafeln in Ehren hielt . . ." hier angefügt ist, könnte man den Eindruck gewinnen, daß vor den Propheten es niemals zu einem rechten Verständnis der Innerlichkeit mit Gott kam. Nur angedeütet ist die wichtige Fundamentallehre der Willensfreiheit. Eine energischere Betonung dieser Lehre hätte auch dem Absatz 2 im Kapitel „Das Zehnwort" eine andere Gestalt gegeben; in der vorliegenden Fassung ist er durchaus abzulehnen, schon allein deshalb, weil in dem Satze des zweiten Bundeswortes „der da ahndet die Schuld der Väter an den Kindern bis in das dritte und vierte Geschlecht" die entscheidende Einschränkung, die dem Ganzen erst den wahren Sinn gibt, „bei denen, die