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Liberales Judentum · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 256

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 256 (sequence 16)
Language
German
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266 Ar. Aavrd Philipssn: Me Refsrrnbrrvrgrmg im Judentum stimmung darf das Rind auch später nicht verlieren, wenn die Einzelheiten ihm ins Wanken geraten, vielleicht würde viel Streit geschichtet, wenn ein Lehrer und ein Dichter zusammen einmal ein Schulbuch für die Rinder schrieben, und ein Rünstler es illustrierte. — III. Der hebräische Unterricht hat — im allgemeinen— Wurzel und Ziel im Gebetbuch. Es sei einmal die — doch recht fragliche — These zugegeben, hebräisch sei bloß so weit zu lehren, als zum Verständnis der Gebete notwendig ist — es bleibt dann noch die Frage, ob die übliche Methode, in die Gebete einzuführen, richtig ist. Mir schont, sie ist es nicht. Und zwar aus folgendem Grunde: Die Gebete sind für die Rinder zu schwer und zu abstrakt. Man verleidet ihnen durch den Inhalt von vornherein jede Lust. Oder glaubt jemand im Ernst, ein Rind berühre das Schema oder die Schemoneh esreh irgendwie? Selbst bei guten Lehren? Oder selbst die Psalmen, ganz abgesehen von dem sprachlich schweren Text. Die Gebete sind für das Rind Worte, die es meist recht widerwillig lernt. Man weitz ja, wie froh sie sind, wenn der hebräische Unterricht definitiv zu Ende ist. Man wende nicht ein, es sei mit Latein und Griechisch ebenso; erstens ist das kein Trost; zweitens aber liegt uns am hebräischen und hängt für uns doch mehr davon ab, als von andern Sprachen. wie aber abhelfen? Ich meine, man müßte für die Rinder von 6—(( Jahren eine Fibel schaffen, die möglichst mit dem Wort-- Vorrat aus dem Gebetbuch nicht Gebete, sondern Geschichte enthält; etwa Erzählungen über Abraham, Moses, David usw. Auch einen und den andern Midrasch über diese Männer und hie und da einen Midrasch ohne jeden Bezug; natürlich einen, der anschaulich ist und dem Verständnis des Rinden entspricht, was wir im ersten Abschnitt über Geschichte gesagt haben, sei nochmals hervorgehoben: Man dürfte auch hier die Persönlichkeiten nicht abstrakt — moralisch darstellen — dann spare man sich lieber die Mühe. Natürlich müßten die Worte sich oft wiederholen aus pädagogischen Gründen; das Wichtigste aus der Grammatik ließe sich ohne große Schwierigkeiten einfügen. wir meinen, es wäre das für die Rinder ein besseres Material zur Uebersetzung und zur — religiösen Stimmung, wenn anders es einigermaßen geschickt angepaßt wird. Um die Rinder beim Gottesdienst nicht leer ausgehen zu lassen, würde man ein paar Sätze, die Gemeinde oder Thor singen, durchsprechen, für die stillen Gebete aber andere entsprechende schaffen — in dem angedeuteten Nahmen. Erst mit (( Jahren etwa wäre mit Gebeten zu beginnen; der vorhandene Wortvorrat und das gereiftere Verständnis ließen Lehrer und Schüler rascher und angenehmer vorwärts kommen. Die Reformberoegung im Judentum. Von Dr. Daoid Philipfon, übersetzt von Dr. Florden-Clberfeld. (Fortsetzung.) Die ersten Reformen in Berlin. Die Wissenschaft des Judentums. Der bekannte Erlaß vom ((. März (8(2, den Friedrich Wilhelm Ul, Rönig von Preußen, auf Anregung seines edlen und freigesinnten Ministers Hardenberg herausgegeben hatte, wurde von den preußischen und besonders von den Berliner Juden als der Beginn einer neuen Periode des Lichts und der Freiheit gedeutet. Und sie waren auch in der Tat berechtigt, diese Gefühle zu hegen. In unverkennbaren Ans-

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