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Liberales Judentum · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 239 (sequence 23)
Language
German
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o e co Rundschau 239 geführt in der großzügigen weiherede des Rabbiners Dr. Selig mann, der sich das Bibelwort: „Hier ist mein Gott, und ich will ihn verherrlichen, der Gott meiner Väter, und ich will ihn erheben", zum Leitmotiv seiner Rede gewählt hatte. Gr entwickelte den Gedanken, daß der jetztzeitige Jude nicht nur das Recht, sondern die Verpflichtung hat, den Wesensinhalt der Gottes-Verehrung unserer Väter durch neue, der Zeitrichtung angepaßte Formen zu verjüngen, um so den Gott unserer Väter in Wahrheit zu unserem; Gott zu machen, durch die echte Frömmigkeit des Herzens. „Lin winziges Rörnchen eigener Frömmigkeit wiegt mehr als die Aneignung der gesamten Frömmigkeit der Vergangenheit." Nur in Berücksichtigung wissenschaftlicher und kultureller Fortschritte kann der Gott der Väter der Gott des liberalen Judentums sein und bleiben. Und so war es für mich mehr als ein Symbol, daß die Linweihungsfeier zwei der größten Juden — To hen und Lhrlich — zufällig auf benachbarte jDlätze geführt hat, den großen Religionsphilosoxhen und den großen Naturforscher. Ihnen allen wird ein Gottesdienst, wie er in der neuen Synagoge geübt wird, eine Anziehung sein, eine Erhebung über das Getriebe des engbegrenzten Eigenlebens. Ein deutsches Gebet, wie es ergreifend von Rabbiner Dr. Lazarus bei der weihe gesprochen wurde, wird sich tief in die Erinnerung einprägen; und jeder Beter wird sich freuen, in das Gotteshaus zu gehen, um zu beten, wie in einer gedankenreichen Ansprache Rabbiner Dr. Salzberger am Rosch-Haschono ausgeführt hat. Er wird sich freuen, weil er durch die Einführung des neuen Gebetbuchs mit seinen stimmungsvollen, tiefergreifenden Gebeten nicht mehr nur mit den Lippen beten kann, sondern auch mit dem Kerzen, wie wir aber beten sollen, hat Rabbiner Dr. Seligmann am gleichen Tage auseinandergesetzt. Uns im Gebet den Spiegel des eigenen Ichs vorzuftellen und uns so sittlich zu läutern und zu vertiefen, darin liegt der Zweck und die Rraft des Gebetes. Und nichts ist geeigneter unsere Gedanken in Gefühle zu zerschmelzen, als eine Rultusform, die unserem ästhetischen Empfinden angepaßt ist, und innerhalb solcher wieder die Musik. So wurde denn auch in verständiger Weise der Musik ein breiter Raum innerhalb des Gottesdienstes eingeräumt. Die andächtige Erhebung, die während der Einweihungsfeier und während der Feiertage bei den Versammelten, die die Synagoge fast bis auf den letzten j)latz füllten, ausgelöst worden war, ist der beste Beweis für ihren wert. Ueberhaupt konnte während der ganzen Dauer des Gottesdienstes eine andachtsvolle Stimmung beobachtet werden. Wohl wird mancher, der noch durch die Macht der Gewohnheit in den gewohnten Gebetformen wurzelt, manches aufgeben müssen. Aber die Synagoge ist nicht nur für unsere Generation gebaut, sie gehört auch unseren Rindern. Ihnen erst wird die Saat, die jetzt gelegt ist, voll und ganz reifen. Und ihnen möge die neue Synagoge die Vollendung eines Beginnens werden, zu dem Üür uns jetzt freudigen Herzens anschicken. In ihr wird der Gott unserer Väter wieder unser Gott werden, der Gott, zu dem wir mit wahrer Frömmigkeit und ernster Sittlichkeit beten können mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Berlin, Ende September WO. Die in Nürnberg eingesetzte Fünfzehner- Rommission (vgl. Heft 8/9 d. „Lib. Iud.") hat am (6. d. Mts. ihre erste Sitzung abgehalten. Es fand eine allgemeine Aussprache statt, dann wurde der zu behandelnde Stoff eingeteilt, und es wurden zur weiteren Bearbeitung für die einzelnen Gebiete Referenten und Rorreferenten bestellt. Die nächste Sitzung findet am 8. Januar l9ll in Berlin statt. — Am darauf folgenden Tage hielt die in Nürnberg eingesetzte Finanzkommission eine Sitzung ab. Es konnte mitgeteilt werden, daß dank der Gpferwilligkeit der Ortsgruppen die Finanzlage entschieden gebessert ist. Auch diese Rommission wird im Januar noch einmal in Berlin zusammentreten. — Im übrigen ist, soweit die Zentrale in Berlin in Frage kommt, alles für die winterarbeit vorbereitet. Eine Liste derjenigen, die sich zur Abhaltung von Vorträgen in den Ortsgruppen und an Orten, wo solche gegründet werden sollen, freundlichst bereit erklärt haben, ist jederzeit beim Bureau zu beziehen. Insbesondere wird Herr Rechtsanwalt Dr. Abraham in den kleineren Gemeinden zunächst des Ostens Deutschlands für die Vereinigung wirken (vgl. die Berichte über die Versammlungen in Schneidemühl und Deutsch-

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