Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 240 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Rundschau o o o o Krone in dieser Nummer). Auch eine umfangreiche schriftliche Propaganda ist ins Werk gesetzt. versandt wurden und werden namentlich eine den liberal-jüdischen Ideenkreis in populärer Form behandelnde Broschüre, sowie der Bericht über die im Mai in Berlin abgehaltene Versammlung über das Thema „Die Berliner Religionsgespräche" (vgl. Heft 5/6 d. „Lib. Iud."). Insbesondere wird diese Agitation erfolgreich in Berlin getrieben. Die Vereinigung kann von der Wintercamxagne einen starken Aufschwung sowohl für ihre Organisation als auch für die Erweckung regen jüdischen Interesses in weiteren Kreisen erhoffen. Schneidrmüht. Am \7. September sprach der Geschäftsleiter der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, fjerr Rechtsanwalt Dr. Abraham aus Berlin, im Brieger'schen Lokale über das Thema „Religiöser Liberalismus". Ausgehend von einer kurzen Darstellung der liberalen Bewegungen innerhalb der anderen Konfessionen charakterisierte der Redner zunächst den Unterschied des religiösen Liberalismus von der Orthodoxie. Während diese die Entwickelung der Religion für abgeschlossen halte, glaube der Liberalismus an die Notwendigkeit des Fortschritts. Ein solcher sei auch in allen Zeitläuften zu verzeichnen gewesen, bis das Ghetto die Absonderung der Juden und damit den kulturellen und religiösen Stillstand erzwungen habe. So sei es gekommen, daß eine Erstarrung in den Formen der Religionsübung eingetreten sei, während das Wesen und der Kern der Religion, die pflege des reinen Gottesglaubens und die Befolgung des Sittengesetzes in den Hintergrund getreten seien. Der Liberalismus fordere hierin eine grundlegende Aenderung. Es dürfte nicht weiter als außerhalb der Religionsgemeinschaft stehend angesehen werden, wer das Zeremonial- und Ritualgesetz nicht befolgen wolle oder befolgen könne. Es sei den Bedürfnissen des modernen Menschen und des Lebens Rechnung zu tragen, in der Weise, wie das die Vereinigung fordere. Im Anschluß hieran erläuterte der Redner das Programm der Vereinigung und richtete an alle Anwesenden und Gesinnungsgenossen die Aufforderung, sich der Vereinigung anzuschließen. In der Diskussion gab u. A. Rabbiner Dr. Lewkowitz seiner Sympathie für die Ziele der Vereinigung Ausdruck. Auf Anregung des Vorsitzenden, R t. S o l d i n, wurde von der zahlreich besuchten Versammlung die Gründung einer Ortsgruppe beschlossen, der sofort 28 Personen beitraten. Neutsch-Krsne. Unter Vorsitz des Herrn Dr. Oppenheim fand am \8. September jm Hotel de Rome eine zahlreich besuchte Versammlung unserer hiesigen Gesinnungsgenossen statt. Das Referat hatte Rechtsanwalt Dr. Abraham aus Berlin übernommen. In ca. ^ständiger Rede sprach der Redner über die Ziele des religiösen Liberalismus und das Programm der Vereinigung. Er hob hervor, daß der Liberalismus nur im Anschluß an das Bestehende eine Modernisierung der Religion herbeizuführen suche. Nicht an die Orthodoxie, sondern an die Liberalen und an die Indifferenten ergehe der Ruf der liberalen Organisation. Die Liberalen wolle sie sammeln, um ihnen die Gleichberechtigung im religiösen Leben zu erkämpfen, die Indifferenten wolle der Liberalisnzus der Religion erhalten. Dem Strenggläubigen solle sein Recht bleiben, er solle sich nur endlich dazu bequemen, auch dem Freigesinnten einen Platz an der Sonne zu gönnen. Andererseits sei es offen auszusprechen, daß die Orthodoxie nichts getan habe, um den Massenabfall und die immer größer werdende Gleichgültigkeit von Tausenden zu hindern. Es sei schleuniges Vorgehen am Platze. Insbesondere müsse für die religiöse Erziehung der Jugend im Sinne des liberalen Programmes gesorgt und der Frau die religiöse Gleichberechtigung gewährt werden. Besonders die letztere Forderung sei geradezu ein Erfordernis zur Erhaltung vieler kleinen Gemeinden. Auch der Gottesdienst und das Gebetbuch sei dem modernen Empfinden anzupassen. An der sehr angeregten Diskussion beteiligten sich Anhänger der verschiedensten Richtungen. Die Versammlung schloß erst in später Stunde. Im Anschluß hieran wurde eine Ortsgruppe der Vereinigung begründet, der ca. zwanzig Herren beitraten. Äerausgegeöen von der Vereinigung für das tlöerate Judentum 28ertin 6 2, Leitigegeiststraß e 45. Für die Rebak lion und den Vertag verantwortlich Dr. L. L e tigrna n n, Frankfurt a. Al., Ariedrichflr. 29 Druck und Expedition von Voigt Ss> Äleiber, Frankfurt a. Al., Aibergalfe 6.