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Liberales Judentum · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 234 (sequence 18)
Language
German
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234 Mr. Kiderfeld contra Ar. Klau o 0 0 0 bet geliefert; seine ureigenste Zutat aber ist der Gedankenstrich vor dem vermögen." Sollte man das für möglich halten, daß ein Rabbiner einem Iustizrat daraus einen Vorwurf macht, daß er die Bibel zitiert? Und welche Malice liegt in dem Worte „Schema-Gebet"! Also nicht der Abschnitt Schema im 5. B. Moses: soweit reichen die Kenntnisse des Herrn Iustizrat natürlich nicht, sondern nur bis zum Schema- Gebet! — Aber Dr. Blau hat auch das verbrechen begangen, vor dem „vermögen" einen — Gedankenstrich zu machen! Entsetzlich! Sollte man so was für möglich halten? Lin so . . . „aufdringliches Anstreichen"! Da kann natürlich Dr. Biberfeld nicht schweigen. Herr Dr. Biberfeld ist nämlich Gedankenstrich- Leser, und darum erscheint ihm ein Gedankenstrich als aufdringlich. Hören wir was er in den „aufdringlichen" Gedankenstrich hineinliest : „welche Gedankenreihe der Strich in £}örer und Leser wohl auszulösen bestimmt war? Des Rätsels Lösung ist nicht allzu schwer. Ls soll fraglos — fraglos! — den Separatisten damit zum Bewußtsein gebracht werden, daß, abgesehen von ihrer geringen Zahl, größere Bescheidenheit auch schon darum ihnen anstände, weil sie für das bedrohte Judentum — von wem denn bedroht, wenn nicht vom „Liberalismus"? — nicht soviel Geld aufzubringen vermöchten, wie das Berliner W.=* Judentum und die entsprechende Spielart in Frankfurt und anderswo!" Herr Dr. Biberfeld! Ihre zur Schau getragene Naivität ist gar nicht so naiv! Da steckt Methode drin. Sie glauben wirklich, daß Dr. Blau mit dem Gedankenstrich vor dem „Vermögen" die Separatisten gemeint hat? Sie spekulieren darauf, daß der Leser Ihrer Vorwürfe — Sie hätten „Anwürfe" gesagt — den Vortrag des Dr. Blau nicht gelesen habe. Im Zusammenhänge ist ja der Gedankenstrich des Dr. Blau so unschuldig .... „dieser Gedankenstrich, kein Lngel ist so rein". Ihre böse „schöpferische Phantasie" hat Ihnen da einen bösen Streich gespielt. Im Zusammenhangs ist es sonnenklar, daß der „Gedankenstrich" des Dr. Blau nicht eine Verhöhnung der „armen" Separatisten, sondern eine Lrmahnung zu größerer Gpferwilligkeit an die Liberalen ist. — Dr. Blau sagt an anderem Mrte von den Liberalen (S. \37): „wir sind Juden, wenn auch viele von uns nicht glauben, daß die Bibel 2c. wir sind Juden, wenn wir alle auch nicht mehr glauben, daß das Religionsgesetz ic. wir sind Juden, weil wir mit der ganzen Glut unserer Seele an den Linen, einzigen, heiligen Gott rc. Gb wir so gute i Juden sind, wie die Orthodoxen, das wird die Zukunft lehren. Für die Gegenwart liegt die Bewährung und Bewertung des Judentums darin, daß und wie viel der einzelne Jude mit seinem Kerzen, seiner Seele und (jetzt 'kommt der ominöse Gedankenstrich) — seinem vermögen für das bedrohte Judentum tätig ist." Der so „zudringliche" Gedankenstrich hat offensichtlich seine Spitze gegen diejenigen, die das Glaubensbekenntnis des Dr. Blau unterschreiben, aber nur mit dem „Kerzen" und der „Seele" und nicht mit dem „Vermögen". Das „bedrohte Judentum", für welches das „Vermögen" aufgerufen wird, ist doch im Munde des Herrn Dr. Blau offenbar das liberale Judentum, Hier den Redner an die Separatisten denken zu lassen und Herrn Dr. Blau, sagen zu lassen, daß das Judentum vom Liberalismus bedroht sei, ist wirklich eine geniale Leistung der schöpferischen Phantasie des Dr. Biberfeld, zu der wirklich ein sacrificium intellectus gehört. wie wenig Dr. Blau die Leistungsfähigkeit und Gpferwilligkeit der Orthodoxie unterschätzt, sagt er ausdrücklich 'S. „in den wenigen Gemeinden, in denen die Orthodoxen in der Minorität sind, haben diese sich teils allein mit nachahmungswürdigem Opfermut, teils mit Hilfe ihrer orthodoxen Gesinnungsgenossen in den größeren Städten zu helfen gewußt." Und da wagt man es, den Worten Dr. Blau's solchen Unsinn unterzuschieben und dann noch den gequälten Märtyrer zu spielen, der mehr als gern mit Stillschweigen darüber hinweggegangen wäre, wenn der „aufdringliche" Gedankenstrich nicht das Schweigen unmöglich machte. Von der gleichen Qualität ist der letzte Linwurf, den Dr. Biberfeld gegen Dr. Blau mit Lmphase vorbringt. Dr. Blau sagte:

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