Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Siberfrld contra Ar. Stau 233 Ist damit die Anklage des Herrn Dr. Blau entkräftet? Nicht im Geringsten! Die Separatisten wußten, daß ihr Austritt aus der Gemeinde auch die Trennung im Tode bedeute. Sie wußten, daß die Gemeinde-Behörden nicht das Recht hatten, den aus der Gemeinde Ausgetretenen Anteil an den Gemeindeinstitutionen zu gewähren. Aber damit ja die Gemeindebehörden nicht auf den Ginfall kommen könnten, die Separatisten beim Wort zu nehmen, forderten sie nichts geringeres, als daß sich die große Frankfurter Gesamtgemeinde samt ihren Rabbinern unter die religiöse Aufsicht des Rabbiners pirsch stelle; denn das war der Sinn der Forderung, daß der Friedhof nach den religiösen Vorschriften (über deren richtige Handhabung natürlich ihr Rabbiner in letzter Instanz zu entscheiden hatte) hergestellt werde. Wer hat also die Trennung im Tode durch die Tat besiegelt? Die Liberalen und die Gemeindeorthodoxie haben den Jahrtausende alten Bestand festgehalten; die Separatisten haben die Vergangenheit verleugnet, sie haben die Trennung im Leben durchgeführt, obgleich sie wußten, daß das eine Trennung von den altehrwürdigen Friedhöfen im Tode bedeute. Die „historische Wahrheit" beweist nur, daß die Separatisten ihre Rkutter-Gemeinden gern „über den Löffel barbiert" hätten; aber ihre auch vor dem Frieden der Gräber nicht zurückschreckenden Trennungsgelüste werden damit nicht im geringsten exkulpiert. — j)unkt 3 begründet den „Grthodoxiemord" des Herrn Dr. Blau so: dieser mache den Separatisten den Vorwurf, daß sie nicht zahlreich und nicht reich genug seien. Dr. Biberfeld sagt: Was zunächst die Zahl unserer Anhänger betrifft, so äußert diese Teilnahme des Herrn Dr. Blau sich folgendermaßen: „Da kommt aber nun als Störenfried ein kleiner Bruchteil der deutschen Orthodoxie .... An Zahl etwa (5,000 gegenüber zirka 385,000 preußischen und 600,000 deutschen Juden" usw. „Rkan hört aus diesen Worten ganz deutlich etwas heraus von dem Aerger des Grandseigneur über die kleine Rotte von Nörglern rc. wer denkt dabei nicht an des fel. Herrn von Rkinnigerode berühmt gewordenes: „Ruhe drüben bei der Rkinorität!" Herr Dr. Biberfeld stellt sich wieder weniger klug als er ist. Gr weiß ganz genau, daß Herr von Rkinnigerode von der Rkinorität Unterwerfung verlangte, während Herr Dr. Blau nicht Unterwerfung der Orthodoxie unter die liberale Majorität verlangt, sondern Freiheit der liberalen Majorität von der Tyrannei, vom Terrorismus der separatischen Rkinorität. Nicht die liberale Majorität ruft: Still drüben bei der Rkinorität! sondern die separatistische Rkinorität ruft: Still drüben bei der liberalen Majorität! Das ist noch viel schlimmer. Herr Dr. Biberfeld ist der Rkinoritäts-Rkinnigerode! Gr stellt sein famoses Vorbild weit in den Schatten. Gr „über-minnigerodet den Herrn von Rkinnigerode" .... Aber Dr. Blau habe der Orthodoxie — nein, den Separatisten! hier nimmt Dr. Biberfeld den Vorwurf sofort ausdrücklich für die Separatisten in Anspruch — den Vorwurf gemacht, daß sie nicht reich genug seien. Sollte Dr. Blau wirklich so geschmacklos gewesen sein und den Geldprotzen herausgekehrt haben? Herr Dr. Biberfeld sagt, es sei so. Hören wir den Herrn Staatsanwalt: „Bleibt noch die leidige Geldfrage, über die wir mehr als gern mit Stillschweigen hinweggegangen wären" — der zartsinnige Herr Dr. Biberfeld! Gr wäre mehr als „gerne" über die unnoble Gntgleisung des Herrn Iustizrat mit Süllschweigen hinweggegangen! Aber der arme, bedauernswerte Rkann kann das ja leider nicht! warum nicht? weil, wie Herr Dr. Biberfeld mit verschämtem Augenaufschlag versichert, Herr Dr. Blau so „aufdringlich unterstrichen" hat. wie kann Herr Dr. Biberfeld schweigen, wenn Herr Dr. Blau so aufdringlich unterstreicht? Nein, das geht wirklich nicht. Also hören wir Herrn Dr. Biberfeld: „Auch hier ein schönes Glaubensbekenntnis des Herrn Iustizrat oben an: „Für die Gegenwart liegt die Bewährung und Bewertung des Judentums, daß und wie viel der Einzelne mit seinem Herzen, seiner Seele und — seinem vermögen für das bedrohte Judentum tättg ist." Man sieht, der Herr Iustizrat kommt auch hier wieder einmal biblisch; seine Beurteilungsmaßstäbe hat ihm das Schema-Ge-