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Liberales Judentum · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 231 (sequence 15)
Language
German
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o o o o Ar. Siberfeld contra Ar. Stau 231 er will, daß ein Widerspruch sei, und „wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg" für die schöpferische Phantasie des Herrn Dr. Biberfeld. — „Tut nichts, der . . . Dr. Blau wird verbrannt!" — Der erste Punkt in der Begründung der Anklage des „Grthodoxiemordes" hat sich als Phantasie ergeben. Noch deutlicher tritt das beim zweiten Punkte hervor, umsomehr, als Herr Dr. Biberfeld bei diesem die Rolle der sittlichen Entrüstung mit wahrer Meisterschaft spielt. Es handelt sich nämlich um geschichtliche Wahrheit undTreue, und da ist mit Herrn Dr. Biberfeld nicht zu spaßen. Er ist nicht nur Orthodoxer, sondern auch „Separatist", und diese Herren haben bekanntlich die „Wahrheit und Treue gegen Andersgesinnte" und besonders die „geschichtliche" in Erbpacht genommen. — Herr Dr. Blau sagt: „Die Separatisten haben auf die Vereine usw. den Lherem gelegt". Mit der Attitüde moralischer Empörung apostrophiert Herr Dr. Biberfeld seinen Gegner: „Wo und wann, Herr Zustizrat, ist diese Exkommunikation erfolgt, welche Zeugen und welches Beweismaterial haben Sie für diese Behauptung?" — Za, Herr Zustizrat, jetzt sind Sie in der Klemme. Heraus mit der Bannbulle, mit dem Dokument der „Exkommunikation"! Doch 'nein, dazu ist Herr Dr. Biberfeld zu großmütig, das wörtlich zu nehmen. Aber „Zeugen", „sonstiges Beweismaterial!" müssen Sie schon beibringen, sonst gehts Zhnen schlecht vor Klio's Forum. Wie aber, wenn Herr Dr. Biberfeld selbst die Behauptung des Herrn Dr. Blau bestätigt? Wenn er selbst für diese Behauptung als „Zeuge" auftritt und das „Beweismaterial" liefert? Der Ankläger als Zeuge gegen seine eigene Anklage! Zn der Tat ist es so. Aber nicht, daß Herr Dr. Biberfeld Geheimnisse verraten hätte — nein, das passiert dem Herrn nicht! Er hat nur allgemein bekannte Tatsachen beschönigt, „erklärt", der Entschuldigung empfohlen — tout comprendre c’est tout pardonner — nicht für den Dr. Blau („der, um nicht gerecht werden zu müssen, uns eben nicht verstehen will", sagt Herr Dr. Biberfeld), „sondern für Gegner, die objektiv zu denken imstande und gewillt sind", kennzeichnet er kurz seinen Standpunkt. „Allerdings" — so beginnt diese Kennzeichnung; eine böse Konzession, wo er doch vorher den Mund so voll genommen. „Allerdings", d. h. die Tatsache ist ja wahr, aber man muß sie verstehen. Es ist nett von Herrn Dr. Biberfeld, daß er mit dem „allerdings" beginnt. Er hätte auf seinem „Schein" bestehen können: Wie ist der Wortlaut des „Lherem"? Auf welchem Konzil wurde er ausgesprochen? Welche separatistischen Rabbiner haben ihn unterschrieben? rc. Dann hätten wir mit dem „allerdings" anfangen müssen: „allerdings ein Therem, wie er über Spinoza und Mosche Dessau und von den ungarischen Lhassidim über Zsrael Hildesheimer usw. verhängt wurde, liegt gegen D. Z. G. B. iz. nicht vor, aber" . . . dessen überhebt uns das „Allerdings" des Herrn Dr. Biberfeld. Allerdings, sagt Herr Dr. Biberfeld, arbeiten die Separatisten nicht zusammen mit in den Logen, Zugendvereinen, D. Z. G. B., Verband der Deutschen Zuden usw.Nun: mehr hat ja der Herr Zustizrat nicht behauptet. Was ist denn ein „Lherem"? Ein Ausschluß aus verkehr, Förderung rc.! Warum hat nun Herr Dr. Biberfeld mit solcher Emphase .... „Zeugen und Beweismaterial" verlangt? Die Tatsachen gibt er ohne Einschränkung zu/) und die Erklärung, die für die Tatsachen gegeben wird, ändert doch nichts an der Tatsächlichkeit der Tatsachen? Die Erklärung ist allerdings so bombastisch gehalten, daß man den Zusammenhang mit den Tatsachen verliert, und der separatistische Leser kann sich dann leicht einreden, diese ausgeschalteten Tatsachen seien die von Dr. Blau behaupteten. Aber tatsächlich bestätigt Herr Dr. Biberfeld selbst die so entrüstet apostrophierten Anklagen des Herrn Dr. Blau. i) Herr Dr. Biberseld wendet diese Methode: Tatsachen, die er nicht leugnen will und kann, anfangs mit flammender Emphase unter irgend einem falschen Gesichrspunkte zu bestreiten und nachträglich mit etwas andern Worten vollständig zuzugeben, überhaupt gern und mit großer Virtuosität an. Ein Meisterstück dieser Methode ist seine Polemik gegen Dr. Bl au's Behauptung: „den liberalen Juden wird von vielen Orthodoxen ihr Zusammenhang mit der jüdischen Tradition, mit dem alten Judentum abgesprochen." Herr Dr. Biberseld polemisiert so dagegen. Vor allem ändert er das Zitat durch Auslastung der Worte: „mit der jüdischen Tradition", er zitiert nur: „Zusammenhang mit dem alten Judentum" (Israel. No. 28 S. 2 I) und dann straft er Herrn Dr. Blau Lügen:

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