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Liberales Judentum · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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228 Ar. Aiberfrld contra Ar. Man überragende Bedeutung als Kulturfaktor beimessen", „Firlefanz", — das ist nur eine kleine Auswahl aus dem Komplimentierlexikon des Herrn Dr. Biberfeld. Aber man würde Herrn Dr. Biberfeld unterschätzen, wenn man die Virtuosität seiner schöpferischen Phantasie auf das Gebiet des Lexikons beschränken wollte. Lr ist, wie gesagt, auch geradezu genial schöpferisch mt Entdecken von Anklagen, zu denen die Wirklichkeit nicht das geringste Material bietet. Ls gibt Leute, die derartiges von sittlichem Gesichtspunkte aus verdammen und ihrer moralischen Entrüstung darüber Ausdruck geben würden. Aber im Kampfe der Parteien den sittlich Entrüsteten spielen, ist eine .... Geschmacklosigkeit, die man gern denen überläßt, die so naiv sind, an die Naivität des Lesers zu glauben. Aber eine psychologische Würdigung der blühenden Phantasie eines virtuosen Entdeckers von Anklagen dürfte mehr Interesse beanspruchen können. Nehmen wir Herrn Dr. Biberfelds grundlose Anklagen als Naturphänomen unter die kritische Lupe und sehen wir, was dahinter steckt. Die Anklage des „Orthodoxietöters" und „Mörders" begründet Herr Dr. Biberfeld durch vier Punkte gegen Herrn Dr. Blau: Dr. Blau hätte behauptet, daß eine „tiefe Kluft das orthodoxe Lager durchziehe und seinen Heerbann in ungleich große Fähnlein spalte." 2. Dr. Blau behauptet: „Auf die Vereine und verbände, so auch auf den Orden Bne Briß haben die Separatisten den Therem gelegt; das Zusammenarbeiten ihrer orthodoxen Gesinnungsgenossen mit den Nichtorthodoxen in den vereinen, Logen und Verbänden haben sie schon lange mit scheelen Augen angesehen, weil sie vorgeblich von dieser gemeinsamen Arbeit auch in nichtspezifisch-religiösen Angelegenheiten eine Verwischung der religiösen Gegensätze befürchten; ein gleichgültiger und selbst dem Judentum feindselig gegenüb erstehenderIude ist ihnen lieber als ein liberaler Jude; nicht einmal im Tode wollen sie mit den nicht auf separatistischem Standpunkte Stehenden, es sei denn, daß sie zu ihrer Gemeinde beitragen, vereinigt sein." 3. Dr. Blau mache den Separatisten den Vorwurf, daß sie nicht zahlreich und nicht reich genug seien. „Mit seinem besonderen Hasse beehrt Herr Dr. Blau die Frankfurter Religionsgesellschaft. Frankfurter Verhältnisse liefern ihm das Grundschema für sein System der Scheidung zwischen Separatisten und Gemeindeorthodoxie, und er läßt Frankfurt in eine Fuldaer Satrapie sich verwandeln, und ein „Pröbchen Blau'scher Dialektik" liefere der „emphatische Schlußruf": „Man frage irgend ein orthodoxes Frankfurter Gemeindemitglied, ob je seit Jahrzehnten der orthodoxen Richtung irgend etwas verweigert worden ist, was mit der Begründung eines Bedürfnisses der Orthodoxie gefordert worden ist." Das ist das ganze Sündenregister, das Herr Dr. Biberfeld dem Herrn Dr. Blau aufrollt. Selbst wenn Dr. Blau mit seinen Behauptungen im Unrecht wäre, wie Dr. Biberfeld ihm nachzuweisen sich bemüht, so sieht man ohne weiteres ein, welche blühende Phantasie dazu gehört, aus so magern Indizien eine Anklage auf. „Orthodoxienrord" zu konstruieren. — Menschen mit „blühender Phantasie" pflegen oft unfähig zu sein, die einfachen Tatsachen sich genau anzusehen. Diese trockene Arbeit überlassen sie den Menschen mit nüchternem Denken, das man ihrem schöpferischen Schwünge natürlich nicht zumuten darf. Es spricht darum nur für die schöpferische Genialität des Dr. Biberfeld'schen Denkens, daß er den Vortrag des Herrn Dr. Blau wohl gar nicht aufmerksam durchgelesen hat. wozu auch? Das hätte ihn in der Freiheit seiner Gedankenbewegung nur stören können. welcher „Separatist" wird auch den liberalen Gegner so ernst nehmen? Ad majorem dei gloriam läßt man ihn gerade das sagen, was zu der zu erhebenden Anklage am passendsten ist. Die separatistischen Leser werden doch nicht den Vortrag eines Wortführers des „Liberalen Judentums" Nachlesen und selbst prüfen. Die ganze Anlage des Blau'schen Vortrages und jedes Wort, das von der „Orthodoxie" handelt, straft die Anklage des „Orthodoxiemordes" Lüge; ja Dr. Blau geht

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