Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Mc. Kibrrfrtd contra Ar. Klau 227 2t. Blbcrfdd confrfl Dr. BIqü. €in Beitrag zur Kampfesroeife der jüdifchen Separatsten. Von einem liberalen freund der Orthodoxie. m 8. 217ai a. c. fand in Berlin eine Besprechung der „Berliner Religionsgesxräche" statt. Dr. Blau hielt da einen Vortrag über das Thema: „Dient die liberale Bewegung der Erhaltung des Judentums", in welchem zwei Nuancen Orthodoxie, „Gemeinde-Orthodoxe" und „Separatisten", unterschieden werden. Dieser Vortrag ist den „Separatisten" sehr aus die Nerven gefallen, und Dr. Biberseld hat sich zum Sprachrohr der Entrüstung seiner Partei gemacht (Israelit Nr. 28—3(). — Er entledigt sich seiner Ausgabe in wahrhaft genialer weise, denn was ist „genial" anderes als „schöpferisch", und schöpferisch ist Herr Dr. Biberseld durch ganze Leitartikel in hohem Maße. Rommt auch die Wahrheit zu kurz dabei, so muß man doch Herrn Dr. Biberfeld das Zeugnis ausstellen, daß er ein Rünstler der Dialektik ist und wegen der Formulierung einer Anklage nie in Verlegenheit kommt, wie spröde auch der Stofs ist; wie wenig Angriffspunkte der Gegner auch bietet: Herr Dr. Biberfeld versteht es immer den Schein zu erwecken, als ob er voll glühender Empörung wäre und den Gegner für einen todeswürdigen Sünder hielte — selbst da, wo er, freilich mit etwas andern Worten, genau dasselbe sagt, was er dem Gegner als verbrechen anrechnet. Hären wir die Anklagen des Herrn Dr. Biberseld! Es handelt sich nicht um Bagatellen! Er macht dem Herrn Dr. Blau den Vorwurf, ein „Drthodoxietöter" zu sein, ja sogar „in der Reihe der Grthodoxietöter voran" zu stehen. Es gibt also nach Herrn Dr. Biberselds Vorstellung eine ganze Verschwörerbande gegen die Orthodoxie und und Herr Dr. Blau ist ihr Hauptmann. Nein, noch mehr: „Herr Dr. Blau hat diesen schönen Berus" — des Orthodoxietöters! — „denn auch zu einer gewissen Virtuosität entwickelt." Aber Herr Dr. Biberseld meint: Rein Wunder! Denn während j)hilippson, Makower, Blaschke ic. noch etwas anderes tun, ist das bei Dr. Blau nicht der Fall. „Soweit unsere Erinnerung reicht, hat Herr Dr. Blau der jüdischen Oessentlichkeit nur durch seine sich förmlich überschlagenden Wutausbrüche gegen die Orthodoxie Stoff zur Beachtung gegeben." Herr Dr. Blau tut in der Oessentlichkeit gar nichts anderes, als — Orthodoxie töten und Uebung macht den Meister, den virtuosen. Aber nein, auch der Ruhm des virtuosen soll Herrn Dr. Blau nicht ganz zugestanden werden. „Der Fluch des Virtuosentums ist seine Erziehung zur Einseitigkeit. Und nicht jeder ist ein j)aganini bloß und einzig darum, weil er nur aus einer Saite zu spielen gelernt hat. Dr. Blau ist diesem Schicksal nicht entgangen." welches ist dieses schreckliche Schicksal? „Eine Sterilität in der Auffassung der Orthodoxie als geschichtlicher Erscheinung." Schrecklich! Aber es geschieht dem Herrn Dr. Blau ganz recht. Warum tut er auch sein ganzes Leben lang nichts, als „Orthodoxie töten"? Er verdient seine „Sterilität in der Auffassung der Orthodoxie." wer wäre so ruchlos, mit einem solchen berufsmäßigen „Drthodoxietöter" Mitleid zu haben? Herr Dr. Biberseld hält es darum auch nicht unter seiner würde, Herrn Dr. Blau ein ganzes Blumenbouquett von Liebenswürdigkeiten in Gesicht zu schleudern: „intensiver Haß", „verletzenden Ausfall gegen die Orthodoxie", „Orthodoxiemord" — hier wird der „Töter" zum „Mörder" —, „beleidigende und entstellende Schilderungen der Orthodoxie", „schiefe und falsche Darstellungen der Ansichten und Absichten der Orthodoxie", „Verunglimpfungen und Beschimpfungen ihrer Führer", „Anwürse", „wütendste Ausfälle gegen die Orthodoxie", „ungezähmter Wutausbruch", „blinder Haß", „oberflächliche Betrachtungsart", „holde, von Sachkunde unberührte Unbefangenheit", „Anwürse, die sich nicht hoch genug erheben" — „Anwürse" nimmt Herr Dr. Biberseld am liebsten in den Mund *— „allzu arg mißhandelte historische Wahrheit", „Erdroßlung", „Strick drehen", „die Wahrheit entstellen", „abgestandene Redensarten von gestern, die nicht einmal geistreich genug sind, um zum Lachen zu reizen", „Haß, der blind macht gegen die elementarsten Forderungen von Recht und Billigkeit", „dem Geld eine so