Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Ar. Grrggercherrn: Urbrrbürdnng der Jugend im Religionsunterricht o o o o ehrwürdige, die ein Iudenkind kennen muß. wir selbst möchten um keinen preis die hebräische Sprache ganz aus dem israelitischen Gottesdienst und Religionsunterricht verdrängt wissen. Aber: von den fünfviertel Stunden, die ein gewöhnlicher Samstaggottesdienst ausfüllt, pflegen höchstens J5 Minuten deutschen Gebeten eingeräumt zu sein; von der übrigen Stunde entfallen nur 20 Minuten ungefähr auf Hauptgebete. Mit diesen Hauptgebeten könnte sich der Religionsunterricht im Hebräischen sehr wohl abfinden. Gr könnte, wenn er sich auf sie beschränken wollte, die Kleinen ganz verschonen. Die erwachsenen Schüler aber müßten sich ganz mechanisch mit der Uebersetzung vertraut machen.**) Daneben könnte dann wohl ein fakultativer hebräischer Sprachunterricht abgehalten werden, den der eine oder andere genießen würde. Die heute geübte Methode eines mit Bewußtheit flüchtig und oberflächlich gehaltenen hebräischen Unterrichtes hat aber für alle jüdischen Schulkinder außer den schon erwähnten Anständen die Gefahr, daß der Schüler in einem Lehrfach zur Oberflächlichkeit und Halbheit direkt angehalten und erzogen wird. So steht es mit dieser ganz nutzlosen, zeit- und kraftraubenden „religiösen" Erziehungsmethode, die ihrem eigentlichen Ziel gerade entgegenarbeitet: anstatt ein Gebet zu vermitteln, bemüht sie sich, an den Gebeten eine ehrwürdige Sprache zu Tode zu hetzen. Die Religionslehrer der Mittelschulen denken **) Gegen mechanisches Uebersetzen sind wir unter allen Umständen. Methodische Durchnahme selbst eines quantitativ geringen hebräischen Unterrichtsstoffes erweckt nachhaltiges Interesse und ermöglicht es, mit der Zeit sich auch weitere Stoffe anzueignen. Die Redaktion. vielfach gar nicht mehr daran, die Gebete oder den pentateuch im Urtext zu lehren, weil nämlich die älteren Schüler inzwischen die Elemente des Hebräischen verlernt haben. Das sind die Früchte der Leiden jüdischer A-B-T-Schützen. Und nun erlauben wir uns die Frage: wann wird man wieder einmal, „um einem allseitig gefühlten Bedürfnisse und vielseitig geäußerten Wünschen zu entsprechen", dazu schreiten, entsprechend den geänderten Verhältnissen „allgemeine Normen für die Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes vorzuschreiben"?***) ***) Die Antwort auf diese Frage gibt Lew in s Geschichte der badischen Juden S. 488. Danach hat am Schluffe der letzten Tagung der badischen Landessynode (April 1908) der Oberrat durch seinen Vertreter erklären lassen, zu seinem Bedauern werde er von der ihm durch die Synode erteilten Vollmacht, eine Anzahl wichtiger älterer Verordnungen in Gemeinschaft mit dem Shnodalausschuß zu ändern bezw. zu ergänzen, bezüglich derjenigen Verordnungen, die sich aus den Religionsunterricht, insbesondere aus die Lehrpläne beziehen, nach den über den Gebetbuchentwurf getroffenen Entschließungen voraussichtlich keinen Gebrauch machen können, obgleich Verbesserungen gerade auf diesem Gebiete nach der Ueberzeugung des Oberrats, die sich mit der der Fachmänner, der Rabbiner oder Lehrer deckt, zu den wichtigsten und dringendsten Angelegenheiten der Landesshnode gehören. Das von der orthodox-zionistischen Mehrheit der Synode abgelehnte neue Gebetbuch wäre allerdings vorzüglich geeignet gewesen, als eine der Grundlagen für eine zeitgemäße Gestaltung des Religionsunterrichts zu dienen. Die Redaktion. Nachbemerkung der Redaktion: Der Versaffer legt Wert darauf, sestzustellen, daß durch Kürzungen, die aus redaktionellen Gründen nötig waren, und von denen er nicht zeitig genug unterrichtet werden konnte, diese Arbeit nicht ganz in ihrer ursprünglichen Form vorliegt.