Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Guggrrchrirn: Urderbnrdnng der Jugend im Religionsunterricht 223 hitzig, Graf, Wellhausen, Stanley u. a. fassen diese Stelle und ähnliche biblische Sätze gleichfalls buchstäblich auf, aber unseres Trachtens mit Unrecht, man muß sie aus der Situation heraus erklären und darf darum nicht jedes Wort urgieren. Auch die Behauptung Geigers, daß während der zweiten Tempelperiode das Gpferwesen innerlich untergraben war und nur noch äußerlich fortbestand, läßt sich mit der geschichtlich bezeugten Verehrung, die man dem Tempel zu Jerusalem erwies und die sich in der großen Zahl der Festwallfahrer und den überreichen Gpferspenden kund gab, nicht in Linklang bringen. Nur so viel steht fest, daß mehr und mehr das Gebet in seinem vollen werte gewürdigt wurde, und daß die Pharisäer die Beschäftigung mit der Lehre, die Ausübung der Wohltätigkeit und die sittliche Lebensführung in höherem Maße als religiöse Pflicht des Israeliten erachteten denn die Darbringung von Opfern und daß der Fortschritt der Kultur nicht nur die Beseitigung der Bitte um Wiederherstellung des Opferdienstes gebieterisch verlangt, da eine solche Bitte zu einer Lüge in unserem Munde geworden, sondern auch die Erinnerung an diese ehemalige Form der Gottesverehrung im Gebete, da sie dem Gemüte in keiner weise Erhebung bietet, als unzweckmäßig und störend erscheinen läßt, wenn in den neueren Gebetbüchern der freisinnigen Gemeinden diesen Forderungen Rechnung getragen wird, so ist es vorzugsweise Geiger zu danken, der unentwegt dafür eingetreten ist und jedes schwächliche Zugeständnis, das von manchen Seiten empfohlen wurde, als schädlich und widerspruchsvoll bekämpft und ab gelehnt hat. Ueberbüräung äer Jugenä im Religionsunterricht. Von Dr. krnlt.Guggenheim-Konftanz-Berlin. ll’rtfere Meinen, die allzufrüh aus der schönen Sorglosigkeit ihrer ersten Kinderlahre herausgerissen und mit dem drückenden Joch der Schule belegt werden, müssen sich nicht nur, wie ihre Leidensgefährten aus anderen Konfessionen, mit Rechnen, Lesen, Schreiben, biblischen Geschichten ic. abquälen, sondern außer den deutschen Buchstaben auch noch zugleich die hebräischen lesen und schreiben lernen! Das gibt in den kleinen Köpfen mit ganz ungeschultem Hirn einen Wirrwar, dessen Folgen wohl noch nie recht bedacht worden sind, obwohl es unsere Zeit an lauten, oft genug allzulauten Klagen wegen Ueberbürdung des Kindes durch die Schule nicht eben fehlen läßt. Im Interesse einer ruhigen und sachlichen Auseinandersetzung in dieser überaus wichtigen Angelegenheit ist es nötig, im Voraus festzustellen, daß es sich hier nicht etwa um die alte Streitfrage handelt, ob der jüdische Gottesdienst und ob das jüdische Gebetbuch ganz oder nur teilweise hebräisch öder ob sie besser ganz in deutscher Sprache zu halten seien. wir stellen uns hier auf den Standpunkt der heutigen Schule, auf den Standpunkt einer objektiven Pädagogik, die mit den gegebenen Tatsachen rechnet und zwar steht uns vor Augen der Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht an den badischen Volksschulen, wie er durch Verordnung des Großh. Gberrates der Israeliten, vom \2. Februar!88f „festgesetzt und zur Nachachtung bekannt gegeben" worden ist. Dort heißt es in § „Linen unentbehrlichen Bestandteil des israel. Religionsunterrichtes bildet