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Liberales Judentum · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 222

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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222 O O o o Ar. Ungeistern: Uachklänge zur Grigrrfrier wird. Erst in Nehemja (9, ^3) heißt es konform mit der Darstellung des zweiten und fünften Buches Rlosis: „Auf den Berg Sinai bist Du hinabgestiegen und hast mit ihnen vom Himmel geredet." Die Stelle I. Könige 8, 9, an der von dem Bunde die Rede ist, den Gott mit den Rindern Israels geschlossen, als sie aus dem Lande Aegypten gezogen waren, ist wahrscheinlich interpoliert. Acaleachi 3, 22 spricht nur von der Lehre, die Rkoses gm Horeb für ganz Israel empfangen hat, nicht aber von einer ganz Israel direkt gewordenen Offenbarung. I. Könige V, 8 wird wohl der Horeb „Berg Gottes" genannt, wie 2. Buch Rlosis 3, l, aber im pfalm 68 hat Baschans Berg dieselbe Bezeichnung, so daß aus dieser Benennung nicht eine Anspielung auf die dem Volke daselbst gewordene Offenbarung gefolgert werden kann. — Der zweite punft, der uns in Geigers theologischer Auffassung auffällig erscheint und unseren Widerspruch herausfordert, betrifft seine Deutung mehrerer auf das Opfer bezüglichen Bibelstellen, wohl stimmen wir mit ihm darin vollkommen überein, daß die Oxfervorschriften der Bibel nur als ein Zugeständnis an die religiöse Auffassung und Anschauung des Altertums zu betrachten sind — was ja auch schon Rkaimonides behauptet — und daß für unsere Zeit das Opfer Jede Bedeutung verloren hat, da es ein ungeeigneter Ausdruck unseres Verhältnisses zu Gott ist, dem wir nicht mit der sinnlichen Gabe, sondern mit dem geeinigten Geist und Kerzen nahen sollen. Nur hinsichtlich der Auslegung der von Propheten und psalmisten über die Opfer und deren Unwert gemachten Bemerkungen werden Geigers Ansichten schwerlich zu akzeptieren sein. Er zieht aus dem Tadel, der von den Propheten über diejenigen ausgesprochen wird, die bei innerer Entartung und gottlosem Verhalten durch Opfer ihre Frömmigkeit zu dokumentieren wähnen, zu weit gehende Schlüsse, wenn er daraus ein absolutes Verwerfungsurteil liest. Die Propheten und ihre Gesinnungsgenossen haben in ihrer hohen Auffassung des Berufes Israels das Opfer wie überhaupt jedwede äußerlich in Erscheinung tretende Frömmigkeit gering gewertet im Vergleich mit einem sittlich religiösen Lebenswandel, und je greller der Gegensatz zwischen kultischer und wahrer Frömmigkeit hervortrat, desto schärfer war ihr Widerspruch gegen solchen der Religion in gröblicher Verkennung ihrer Zwecke und Ziele angetanen Schimpf. So konnte sich die sittliche Entrüstung eines Ieremia, zu dessen Zeiten Tempelbesuch und Gpferdienst, zugleich aber auch Gewalttat und Unsittlichkeit aller Art in Blüte standen, wohl bis zu dem Ausrufe steigern: „So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Fügt eure Ganzopfer zu euren Schlachtopfern und esset sie als Fleisch. Denn Ich habe mit euren Vätern nicht geredet, ihnen nichts befohlen, da Ich sie aus Aegypten führte, über Ganz- und Schlachtopfer. Sondern das habe Ich ihnen befohlen: Höret auf meine Stimme, daß Ich euer Gott sei und ihr mein Volk seiet, und wandelt auf all den Wegen, die Ich euch befehle, damit es euch 'wohl gehe". Allein die Negierung des Dpfergebotes hat hier, so kategorisch sie klingt, doch nur rhetorische, nicht logische Bedeutung, es soll nur gesagt werden, die ganze Gxfergesetzgebung komme gar nicht in Betracht im Vergleich mit der Wichtigkeit des Sittengesetzes. Der ganze sogenannte priesterkodex Ezechiels hätte keinen Sinn, wenn die Propheten das Opfer als völlig wertlos oder gar als gegen das göttliche Gebot verstoßend verurteilt hätten. Freilich steht Geiger mit seiner Ansicht nicht, wie Joel einmal behauptet hat, unter Juden und Christen so ziemlich vereinzelt da, mehrere namhafte christliche Gelehrte, wie-

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