Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Ar. Uogelstein: Nachklänge ptt Grigrrfeier o o o o wir wissen, daß über dem Menschen die Wahrheit kämxft, nnd diese unterwirft sich nicht der Ziffer, und sie erringt ihren Sieg nicht in der Zahl. An diese ideelle Geschichte der Religion brauchen wir nur zu denken, dann steht unsere Bedeutung klar vor uns, und wir erkennen, daß wir den Weg der Zukunft gehen. Lines Glaubens Weltherrschaft wird es nie geben, das Wort von der einen Herde unter dem einen Hirten kann sich nicht verwirklichen, dazu ist dieMenschheit zu mannigfaltig, zu reich in der Fülle der Besonderheit. Auch in der Religion hat jede wertvolle Ligenart ihr Recht. Ls wird immer andere neben anderen geben. Aber ihrer aller Religion, das ist unser Glaube an die Zukunft, wird eine Rechtfertigung dessen sein, was wir erstreben, die Anerkennung und Erfüllung dessen, worin wir leben. üactiKIänge zur Geigerfeier. Von Dr. Vogelffrin-Stettin. er hundertjährige Geburtstag Abraham Geigers hat nebst erhebenden, würdigen Feiern, die in vielen jüdischen Gemeinden und Vereinen zu Lhren des großen Lehrers in Israel veranstaltet worden sind, zur bleibenden Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag ein Werk erstehen sehen, das uns die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben des gelehrten Rabbiners, Reformators und Forschers, sowie sein Lebenswerk in übersichtlicher Darstellung vorführt. Auch mir war es vergönnt, an diesem Werke mitzuarbeiten und die Bedeutung Geigers als systematischen Theologen in einem besonderen Rapitel darzulegen. Einige kritische Bemerkungen, die auf Wunsch des Redakteurs, dem ich mich, um das rechtzeitige Erscheinen des Werkes nicht zu gefährden, gefügt habe, in dem Geigerbuche nicht zum Abdruck gelangt sind, mögen als Nachtrag und Ergänzung in diesem Blatte ihre Stelle finden, da sie dazu dienen, eine Lücke auszufüllen, die nach ben an mich gelangten brieflichen Mitteilungen mehreren Lesern des Buches bereits aufgefallen ist, und deren Vorhandensein leicht zu der Annahme führen könnte, als seien die wissenschaftlichen Leistungen Geigers von einem einseitigen Standpunkte aus beurteilt worden und hätten nicht die unparteiische Würdigung gesunden, die auch das Anfechtbare und Auffällige hervorhebt und dadurch der lobenden Anerkennung erst ihren wert verleiht. Abraham Geiger hat die Rritik nicht zu scheuen, er hat selbst des öfteren an seinen eigenen Werken wie an denen seiner Freunde und Gesinnungsgenossen Rritik geübt, und wir handeln nur in seinem Sinne, treten in seine Fußtapfen, wenn wir auch ihm gegenüber die Rritik frei walten lassen. hauptsächlich sind es zwei Punkte, die uns befremdlich erscheinen und auf die hinzuweisen wir für geboten erachten. Zu der wichtigen und schwierigen Frage der Offenbarung nimmt Geiger wiederholt Stellung. Er erkennt die Offenbarungen, die Israel geworden, rückhaltlos an, und sagt u. a. hierüber: „Das Judentum ist entstanden im Volke der Offenbarung, das will sagen, infolge einer Erleuchtung, die von dem höheren Geiste ausgeht, die nicht erklärt werden kann, nicht aus einer Entwicklung sich zusammensetzt, die mit einem Male als ein Ganzes da ist, wie eine jegliche Neuschöpfung, die aus dem Urgeiste hervorgeht." Er behauptet auch, daß die Rritik, die in alle Winkel des Geistes und der