Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 287 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3126481-3126526-3126537--0709-3127444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rundschau 287 Dennoch seien ihm die Bestrebungen sympathisch, wenn die Liberalen die Anschauungen der konservativen respektierten und nicht über den Parteiinteressen die Interessen des Judentums außer acht ließen. Rabbiner Dr. Vogelstein wendet sich mit ganz besonderem Nachdruck gegen Dr. Pelz's Angriff auf die liberalen Rabbiner. Die Bemerkung, daß der Liberalismus, wenn er zeitgemäß sein wolle, das Judentum mit dem Monismus in Einklang bringen müsse, hängt er lediglich niedriger. In seinem Schlußwort setzt Rechtsanwalt Dr. Abraham sich besonders mit den Zionisten auseinander. Der Liberalismus fei eine religiöse Richtung, der Zionismus eine politische Partei; aber die Zionisten unterstützten lediglich aus taktischen Rücksichten überall die konservativen im Kampfe gegen die Liberalen, obgleich sie selbst vielfach religiös indifferent seien. — Als das unmittelbare Resultat der Versammlung sind mehrere Beitrittserklärungen zu verzeichnen. Als nicht minder wichtiges Ergebnis ist aber die Klarheit über die Parteigruppierung innerhalb der Gemeinde anzusehen. Die Gegner des Liberalismus sind dieselben Herren, die besonders eifrig für die Begründung eines parteilosen Gemeindevereins zur Ueberbrückung der Gegensätze eingetreten sind. (Vgl. den Artikel „Die Berliner Gemeindewahlen" in dieser Nummer 5. 265, Abs. 3. — D. Red.) Warrrnrvrrdrr. Am Sonntag, den \o. November er. fand hier im Saale des Hotels Königsberger Hof vor zahlreichen Zuhörern eine Versammlung der Vereinigung für das Liberale Judentum in Deutschland statt. Den Vorsitz hatte Herr N. Könitz er übernommen. Als Referent sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Abraham, Berlin, über die Aufgaben des „Liberalen Judentums" und über das Programm der Vereinigung. An den Vortrag knüpfte sich eine längere Diskussion in der u. a. Herr Lehrer Geisenberg und andere Gemeindemitglieder sprachen. Im Anschluß daran meldete sich eine Anzahl Mitglieder zum Eintritt in die Liberale Vereinigung. Es sind jetzt J3 Mitglieder hier vorhanden. Gründen;. Am Montag den \%. November sprach vor überfüllter Versammlung der Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde Herr Rechtsanwalt Dr. Abraham aus Berlin im Hotel Goldner Löwe über die Aufgaben des „Liberalen Judentums". An den mit lebhaftem Beifall anfgenommenen Vortrag knüpfte sich eine Diskussion, wie sie bei öffentlichen Veranstaltungen innerhalb unserer Gemeinde selten zu verzeichnen war. In eindringlichen Worten forderten u. a. Herr Rechtsanwalt Dr. Tohnberg und Augenarzt Dr. Levy zum Beitritt zur Vereinigung auf. Weiter sprachen noch: Dr. Jacob, Stadtrat Herzfeld und Kommerzienrat Belgard. Der Vorsitzende des Abends, Rabb. Dr. Loewy, erwiderte in gehaltvollen Ausführungen und schloß mit Worten des Dankes an den Redner dafür, daß er das geistige und religiöse Interesse bei den Glaubensgenossen wieder geweckt habe. Im Anschluß hieran wurde eine Ortsgruppe begründet, die 23 Mitglieder zählt. Ferngs. Am l5. d. M. fand hier eine Versammlung statt, einberufen zum Zweck der Gründung einer Ortsgruppe. Herr Dr. Norden-Elberfeld behandelte das Thema: „Was will die liberale Bewegung?" An den beifälligst aufgenommenen Vortrag schloß sich eine angeregte Diskussion. Es darf die Hoffnung gehegt werden, daß durch unsere Bewegung Mitglieder der Gemeinde, die seit vielen Jahren religiösen Interessen gleichgültig gegenüberstanden, der Sache des Judentums sich wieder zuwenden. Freilich betontere mehrere Redner, daß nur ein entschiedener religiöser Liberalismus bei ihnen auf Interesse rechnen dürfe und sie zu'erneuter Teilnahme am jüdisch-religiösen Leben veranlassen könne. Der Erfolg des Abends war die Gründung einer Ortsgruppe, der sofort s5 Mitglieder beitraten, eine für eine Gemeinde von 25 Haushaltungen recht erfreuliches Resultat. Stuttgart. Eine würdige Gedächtnisfeier Abraham Geigers fand am JO. Dezember hier im großen Saale des Stadtgartens statt. Die Einladung war von der Ortsgruppe Stuttgart der Vereinigung für das liberale Judentum, der sich die Stuttgart-Loge und der Berthold Auerbach-Verein angeschlossen hatten, ausgegangen. Rabb. Dr. Tänzer aus Göppingen hielt den allseitig